Deutsche Bank-Co-Chef
Rückzug europäischer Banken spielt Asien in die Hände

Vom Rückzug europäischer Banken aus der Finanzierung ganzer Branchen wird nach Ansicht von Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen die asiatische Konkurrenz profitieren.
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FrankfurtWenn sich die europäischen Banken zurückziehen, wird die asiatische Konkurrenz davon profitieren, so Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen. Schuld daran sei auch die verschärfte Regulierung der Banken, sagte Fitschen am Donnerstag in Frankfurt. "Mit diesen Veränderungen, geboren aus dem Regelwerk für den Bankenmarkt, werden auch industrielle Konsequenzen entstehen, die man nicht immer gerne hat," warnte er. Die Commerzbank hatte am Dienstag beschlossen, sich ganz aus der gewerblichen Immobilien- und der Schiffsfinanzierung zurückzuziehen. Französische Banken hatten sich ebenfalls aus ganzen Branchen zurückgezogen.

"Ich bin sicher, es ist nicht das letzte Mal, dass wir solche strategischen Veränderungen der Geschäftspolitik bei den Banken gesehen haben", sagte Fitschen, der die größte deutsche Bank seit Anfang des Monats zusammen mit Anshu Jain führt. "Das ist ein Teil der Antwort auf die Anforderungen, die sie jetzt bei Basel III zu erfüllen haben." Gerade in der Schiffsbranche würden asiatische Institute in die Bresche springen, sagte der Manager. Für sie sei dieses Geschäft sehr interessant. "Das sind die Werften, das sind die Banken, die Finanzierungskapazitäten haben."

Der Deutsche-Bank-Chef forderte Augenmaß bei der Umsetzung der neuen Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften. Man müsse erst sehen, wie die einzelnen Regeln im Zusammenspiel wirkten. Die Geldhäuser müssten sich auf tiefgreifende Veränderungen einstellen. "Eines ist klar, das Regelwerk verlangt von uns zu schrumpfen. Die Welt ist in der Tat zu hoch verschuldet. Private, Staaten und der Finanzmarkt auch", sagte Fitschen. Doch sie alle müssten die Konsequenzen dieses Abbau-Prozesses tragen. "Schrumpfen bedeutet nicht automatisch, weniger Kredite zu vergeben", sagte er. Doch auch Einschränkungen im Interbanken-Handel oder auch bei Zinssicherungsgeschäften (Swaps) wirkten sich indirekt aus. "Insofern ist es nicht überraschend, dass auch schon Beschwerden aus der Kundschaft kommen."

Noch spielten europäische Banken eine große Rolle für den globalen Handel. Doch sie litten unter dem Misstrauen von US-Investoren, die ihnen weiterhin kaum noch Dollar-Liquidität zur Verfügung stellten. Darunter könne der Handel leiden. Alle Branchen, die in Dollar abrechneten, hätten ein Problem: der Rohstoffhandel, die Schifffahrt und die Flugzeugfinanzierung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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