Deutsche-Bank-Co-Chef zu Prozess
„Ich war ja aufrichtig“

Ende des Monats beginnt ein Aufsehen erregender Prozess gegen den amtierenden Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und einige Ex-Manager des Instituts. In einem Interview wehrt sich Fitschen gegen die Vorwürfe.
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FrankfurtDer Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat wenige Tage vor dem Beginn des Betrugsprozesses in München im Fall Kirch seine Unschuld bekräftigt. „Ich war ja aufrichtig“, sagte er dem Magazin „Stern“. Eine Einigung außerhalb des Gerichtssaales, über den in den vergangenen Monaten spekuliert worden war, habe er nicht Erwägung gezogen. „Ich hätte mich mit einem Vergleich nicht gut gefühlt. Ich habe ein Grundvertrauen in die Justiz und bin zuversichtlich.“ Das Fatale sei aber, dass einen manche schon vorverurteilten.

Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie der ehemalige Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck müssen sich von kommendem Dienstag (28. April) an wegen versuchten Prozessbetrugs im Kirch-Verfahren vor dem Landgericht München verantworten. „Es wird jetzt eben ein bisschen ungemütlich“, sagte Fitschen.

Auch die anderen Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Manager hatten im Juni 2011 vor dem Oberlandesgericht (OLG) München ausgesagt. In dem Prozess ging es um Schadenersatz für die Erben von Leo Kirch. Der Medienunternehmer hatte bis zu seinem Tod die Deutsche Bank für die Pleite seines Konzerns verantwortlich gemacht. Seine Erben forderten rund zwei Milliarden Euro Schadenersatz. Die Staatsanwaltschaft wirft Breuer, Ackermann und den anderen Angeklagten vor, sich abgesprochen zu haben, um durch unwahre Angaben vor Gericht Schadenersatzzahlungen an die Erben des Medienkonzerns Kirch abzuwehren. Auch Fitschen habe dies gewusst und nichts dagegen unternommen. Das geht aus dem 110 Seiten umfassenden Anklagesatz hervor.

Als Vorbereitung auf eine Aussage Breuers vor Gericht soll es demnach unter anderem eine Probe des Prozesses mit verteilten Rollen gegeben haben, in denen ein Jurist auch den Richter gespielt haben soll. Ihre Anklage stützt die Staatsanwaltschaft auf zahlreiche Dokumente, die unter anderem bei einer Razzia der Deutschen Bank gefunden wurden.

Die Deutsche Bank musste letztlich aber doch Schadenersatz an Kirch zahlen und einigte sich in einem Vergleich auf die Summe von 925 Millionen Euro. Die Anklage geht deshalb nur von einem versuchten Prozessbetrug aus, da die vermeintliche Strategie der Angeklagten nicht aufging.

Das Geldinstitut teilte am Mittwoch mit, dass es erwartet, für das erste Quartal 2015 einen Aufwand für Rechtsstreitigkeiten von rund 1,5 Milliarden Euro zu verbuchen. Trotz dieser Kosten werde die Deutsche Bank im ersten Quartal einen Gewinn ausweisen, hieß es in einer Pressemitteilung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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