Deutsche Bank
Cryan hält viele Bankgehälter für zu hoch

John Cryan, Co-Chef der Deutschen Bank, zeigt sich beim Kulturwandel zupackend. Er predigt nicht nur Werte, er prangert Missstände überdeutlich an und greift hart durch. Das Tempo des Wandels verunsichert Mitarbeiter.
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Frankfurt/LondonEs war ein gewohnt zurückhaltender Auftritt. Ganz leise schleicht sich John Cryan am Montagnachmittag in eine Veranstaltung an der Frankfurter Goethe-Universität. Der Co-Chef der Deutschen Bank nimmt in der ersten Reihe des Auditoriums platz und wartet geduldig, bis er an der Reihe ist.

Inhaltlich hat es der erst zweite öffentliche Auftritt seit Amtsübernahme im Sommer jedoch wieder einmal in sich. Denn am Montag erklärt Cryan den Grund dafür, warum er anders als seine Vorgänger „Kulturwandel“ nie in den Mund nimmt: „Ich mag das Wort Kultur nicht.“ Es sei ein positives Wort, aber bei den Bankenskandalen diskutierte man doch eher die Antithese von Kultur, so der Opernfan. Egal wie man es nennt, „es muss mit Bedeutung gefüllt werden“, betont Cryan.

Was er damit genau meint, wird schnell deutlich und birgt Sprengstoff für die Mitarbeiter: Auch sieben Jahre nach der Finanzkrise hätten die Banken das Thema Gier nicht in den Griff gekriegt, so Cryan. „Ich glaube, dass die Leute im Bankensektor zu viel Geld verdienen,“ sagt der Bankchef. „Ein Problem in der Krise war, dass das Management als Ziel vorgegeben hat, so viel Geld wie möglich zu verdienen und die Bezahlung hat das reflektiert.“

Damit sendet Cryan erneut ein drastisches Signal an die Mitarbeiter. Der Brite hat bereits angekündigt, die Boni kürzen zu wollen, zuvorderst als kurzfristiger Beitrag zum Umbau, aber durchaus auch aus ethischen Gründen. Nun wagt er sich abermals an heilige Kühe: „Unsere Gehälter im Back-Office sind zu hoch. Ein Informatiker oder ein Buchhalter verdient bei Banken mehr als in jeder anderen Branche. Bei unseren Front-Office-Mitarbeitern mag ein Aufschlag gerechtfertigt sein. Aber der Rest des Unternehmens muss mehr im Gleichklang mit dem Rest der Wirtschaft bezahlt werden,“ sagt er.

Für viele der leidgeplagten Mitarbeiter des Geldhauses nimmt der Kulturwandel damit eine neue, schmerzhafte Bedeutung an. Jahrelang wurde intern beklagt, der Kulturwandel sei ein reines Feigenblatt. Die Bankführung könne diesen nicht glaubwürdig vorleben, denn sie bestehe aus denselben Personen, unter deren Ägide ein Großteil der Skandale passierte. Einige – allen voran der Ex-Co-Chef und frühere Investmentbanker Anshu Jain — wurden sogar noch befördert.
Doch diese Kritik ist in den vergangenen Monaten verstummt – und der Grund heißt Cryan. „Erst mit Cryan kommt der Kulturwandel so richtig in Gang “, sagt ein langjähriger Mitarbeiter der Bank. Der Brite, der seit Anfang Juli im Amt ist, baute Mitte Oktober den Vorstand stark um. „Neue unbelastete Leute an der Spitze sind der richtige Schritt“, lobt ein Betriebsrat. „Aber es ist noch zu früh, um den Effekt zu bewerten.“

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„Cryan hat nicht viel Geduld“

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  • Wer braucht denn noch Mitarbeiter Menschen...wird doch alles von Maschinen gemacht
    immer alle zwei Wochen die Tiefstkurse VOR Xetrastart im Dax
    in Nanosekunden werden mit Hochfrequenzrechnern die Millarden eingefahren
    da kann der Kleinanleger nur staunen
    aber Draghi macht alles möglich für die Berufszocker der Investmenbankster
    Gewinn werden programmiert deshalb machen DIE auch nie Verlust
    nur Lehmann aber die hatten das falsche Programm
    alles vollautomatisch und emotionslos

  • Gerechte Bezahlung ja - Bezahlung durch Abzocke von Kunden muß aufhören !
    In der gesamten Wirtschaft hat sich eine " Abzocke - Mentalität " entwickelt .

  • oh man(n)o man(n), dann musste ja "ganz von alleine" zum Chouchou des Schachervereins es geschafft haben.

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