Deutsche Bank
Cryan streicht die Dividende für zwei Jahre

Der neue Deutsche-Bank-Chef will die Kapitalausstattung auf ein wettbewerbsfähiges Niveau hieven. Dabei hat John Cryan zunächst schlechte Nachrichten für die Anleger. Zudem setzt er sich ein schwieriges Kostenziel.

FrankfurtAn harten Fakten will sich der neue Co-Chef John Cryan messen lassen. Den Maßstab dafür lieferte er am Mittwochabend: Per Pflichtmitteilung verkündete die Deutsche Bank, wie sie ihre „Strategie 2020“ umsetzen will. Für die wichtigsten Kapital-, Kosten- und Leistungskennziffern wurden Zwischen- und Endziele veröffentlicht. Zuvor wurden diese in einer vierstündigen Sitzung in den Türmen der Bank in Frankfurt dem Aufsichtsrat präsentiert.

Die Kernbotschaft ist ein Schock für die Aktionäre: Anfang Oktober hatte Cryan bereits verlauten lassen, dass er die Dividende streichen will. Nun zeigt sich, die Eigner sollen nicht nur ein, sondern gleich zwei Jahre leer ausgehen.

Das einbehaltene Geld will der Nachfolger des glücklosen Anshu Jain an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus vor allem dazu nutzen, um die Kapitalausstattung zu stärken. Die harte Kernkapitalquote, die das Kapital ins Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva (RWA) setzt, soll ab dem Jahr 2018 mindestens 12,5 Prozent betragen (aktuell: 11,4 Prozent). Der im Frühjahr unter anderem wegen zu unkonkreter Ziele aus dem Amt getriebene Jain hatte lediglich 11 Prozent angepeilt.

Statt wie Jain lediglich „mittelfristige Ambitionen“ zu nennen - was die Aktionäre auf die Palme brachte - gibt Cryan nun konkrete Zwischenziele für 2018 und Endziele für das Jahr 2020 vor. Die Verschuldungsquote („Leverage Ratio“), bei der vereinfacht gesagt das Kernkapital ins Verhältnis zur Bilanz dargestellt wird, soll beispielsweise von heute 3,6 Prozent auf mindestens 4,5 Prozent im Jahr 2018 und auf mindestens 5,0 Prozent zwei Jahre später steigen.

Wie vor ihm der neue Chef des Rivalen Credit Suisse gibt der erst seit knapp vier Monaten amtierende Topbanker ein konkretes Ziel für die risikogewichteten Aktiva (RWA) vor. Banken müssen unterschiedliche Wertpapiere in Abhängigkeit von dem geschätzten Risiko mit unterschiedlich viel Eigenkapital unterfüttern. Die RWA in der Deutsche-Bank-Bilanz sollen von heute 416 Milliarden Euro auf rund 320 Milliarden Euro Ende 2018 und rund 310 Milliarden Euro zwei Jahre danach sinken – dies jedoch ohne den Effekt, dass diese Kenngröße aufgrund strengerer regulatorischer Anforderungen bis 2019/2020 noch um mindestens 100 Milliarden Euro steigen dürfte. In der Summe werden die risikogewichteten Aktiva somit nahezu stagnieren.

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