Deutsche Bank
Cryan wehrt sich gegen 14-Milliarden-Forderung

Die US-Regierung verlangt eine überraschend hohe Strafe über 14 Milliarden Dollar von der Deutschen Bank. Das Geldhaus ist zuversichtlich, die Summe herunterhandeln zu können und verweist dabei auf vergleichbare Fälle.
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New YorkDie Deutsche Bank hat bestätigt, dass das US-Justizministerium ihr eine Forderung über 14 Milliarden Dollar geschickt hat. Dabei geht es um Verfehlungen in Zusammenhang mit der Verbriefung zweifelhafter Immobiliendarlehen.

Das Geldhaus betont: „Die Deutsche Bank hat keine Absicht, diese möglichen Forderungen auch nur in der Nähe der zitierten Summe zu begleichen. Die Verhandlungen beginnen jetzt erst. Die Bank erwartet, dass sie zu einem ähnlichen Ergebnis führen wie bei vergleichbaren Banken, die sich auf weitaus niedrigere Summen geeinigt haben.“

Anfang des Jahres hatte Goldman Sachs in einem vergleichbaren Fall nach langen Verhandlungen einem Bußgeld in Höhe von rund 2,6 Milliarden Dollar zugestimmt, nachdem zunächst 15 Milliarden Dollar gefordert worden waren. Diese Summe galt bisher als möglicher Vergleichsmaßstab für die Deutsche Bank.

Obwohl sicher noch Verhandlungsspielraum besteht, ist die Zahl von 14 Milliarden doch überraschend hoch. Die Bank hat sich offenbar entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen, weil das „Wall Street Journal“ die Summe vorab in Erfahrung gebracht hatte.

Anfang der Woche war die Nachricht über eine Forderung der US-Justiz bereits durch eine Meldung des „Manager-Magazins“ an die Öffentlichkeit gelangt, allerdings ohne Nennung des Betrags. Seit langem wartet die Bank darauf, diese Probleme abschließend regeln zu können.

Finanzkreise gingen bisher davon aus, dass die Bank noch vor den US-Wahlen im November den Fall über die Bühne bringen kann. Fraglich ist allerdings, ob sich die Obama-Regierung nach Bekanntwerden der hohen Summe kurz vor der Wahl auf einen Bruchteil wie etwa drei Milliarden Dollar herunterhandeln lässt. Schließlich steht US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die Barack Obama nach Kräften unterstützt, ohnehin in dem Ruf, zu sehr mit der Finanzwelt verbandelt zu sein.

In der Vergangenheit haben US-Banken wie JP Morgan und Bank of America in ähnlichen Fällen bereits zweistellige Milliardenbeträge gezahlt. Allerdings sind diese Banken ungleich größer, ertragsstärker und besser kapitalisiert als die Deutsche Bank. Diese Strafen waren überwiegend Folge einer fahrlässig großzügigen Kreditvergabe vor der Finanzkrise 2008.

Der deutsche Branchenprimus hat nach Daten von Thomson Reuters eine Börsenkapitalisierung von knapp 19 Milliarden Euro, das entspricht rund 21 Milliarden Dollar. Die Aktie ist seit Sommer 2015, dem Amtsantritt des neuen Bankchefs John Cryan, von gut 25 auf nunmehr 13 Euro gefallen, zu ihren besten Zeiten vor etwa neun Jahren lag sie bei mehr als 90 Euro. Sie stand nachbörslich am Donnerstagabend deutlich unter Druck.

Die Bank hat 5,5 Milliarden Euro für Rechtskosten zurückgestellt, wobei die Verteilung auf einzelne Problemfelder nicht aufgeschlüsselt ist. Das Geldhaus hat beim letzten Stresstest der Europäischen Zentralbank, bei dem extreme wirtschaftliche Krisen und ihre Auswirkungen auf die Bank simuliert werden, relativ schwach abgeschnitten. Das brachte ihren Börsenkurs unter Druck, weil die Investoren mit der Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung rechnen, die das Aktienkapital verwässern würde.

Nach dem letzten Quartalsbericht liegt das Eigenkapital bei 67 Milliarden Euro, die Barreserven (Bargeld plus Zentralbankguthaben) erreichen demnach 123 Milliarden bei einer Bilanzsumme von 1,8 Billionen. Gut ein Drittel des Vermögens steckt in Derivaten.

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  • Schade, dass die in diesem Video vorgestellten russischen Bürger nicht merken, dass sie ihren Erfolg nicht etwa Putin (höchstens einem vom dem gar nicht beabsichtigten Nebeneffekt seiner Politik), sondern einzig und allein sich selbst zu verdanken haben:

    http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/weltspiegel/videos/russland-wachsen-in-der-wirtschaftskrise-114.html.

    Von den verheerenden Auswirkungen von Putins "internationaler Politik" kriegen die wahrscheinlich nicht viel mit, dafür wird seine Geheimdienst- (pardon: Sicherheits-) und Propagandamaschinerie schon sorgen.

  • (Fortsetzung Antwort an @H. Trautmann):
    Gestern bei Anne Will wurde mal wieder sehr deutlich, wie sehr es ein kleiner Anteil der Bevölkerung, der eine gesellschaftsfeindliche bzw. –schädigende persönlichen Grundeinstellung zu anderen hat vermag, der Öffentlichkeit ein völlig schiefes Bild einer Gesellschaft (in diesem Falle unserer deutschen) zu vermitteln: Eben weil fast immer nur diejenigen auffallen, die sich „danebenbenehmen“; wogegen die unermüdlichen Anstrengungen all derjenigen Mitglieder der Gesellschaft (also der allermeisten), die sich freundlich, leise und effizient – aber in aller Regel im Hintergrund, also für die Öffentlichkeit nicht wahrnehmbar – unverdrossen für ein gedeihliches Miteinander einsetzen, ganz einfach untergehen.

    Dieses durch die politischen Strukturen bedingte Problem zieht sich durch quer durch sämtliche politischen Institutionen und Behörden (einschließlich Polizei-): Alle Entscheidungs- und Sanktionsbefugnis liegt letztlich allein in der Hand der jeweiligen „Hausspitze“. Die einzelnen Bürger sind da letztlich machtlos auf deren "guten Willen" angewiesen.

    Demokratie geht definitiv anders.

  • Herr Harald Trautmann, 16.09.2016, 10:13 Uhr

    „Schade dass die Wähler und Staatsbürger immer wieder so schnell wieder vergessen und den Parteien immer wieder glauben schenken.
    Ich glaube zu wissen woran das liegt. Wähler entscheiden sich für eine Partei die die Interessen ihres Bankkontos vertritt, also vor allem die CDU/CSU. Junge Menschen wählen hingegen oft links, weil sie noch nicht vom allgemeinen Wohlstand der 40-65 Jährigen partizipieren können, vorausgesetzt diese Altersgruppe steht noch im Arbeitsprozeß.Den Jungen geht es darum um Umverteilungsbestrebungen, die sich in höherer Besteuerung von Gutverdienern und höherer Erbschafts- und Kapitalertragssteuer ausdrücken. Ältere wählen eher konservativ rechts, mit dem Ziel, ihren erworbenen Wohlstand zu bewahren und zu sichern. Man sieht dass doch gut im Freundeskreis. Sobald jemand beruflich oder als Selbständiger erfolgreich wird, wechselt plötzlich die politische Grundausrichtung, und Leute von denen man dies niemals erwartet hätte, wählen plötzlich CDU/CSU oder FDP. Früher waren das alles SPD-Wähler. ;-) Mit dem zunehmenden eigenen Kontostand, wechselt plötzlich auch die politische Gesinnung!“

    Und jetzt auch noch die AfD.

    Da haben Sie die kurzsichtige Geldgesteuertheit unserer Gesellschaft wirklich sehr schön auf den Punkt gebracht. Ihre Annahme scheint mir der Realität jedenfalls ziemlich nahe zu kommen (eine genauere Untersuchung der diesbezüglichen parteipolitischen Präferenzen dürfte sich auf jeden Fall als aufschlussreich erweisen). Und wenn wir dies nicht bald erkennen bzw. erkennen wollen, wird diese Kurzsichtigkeit wird sich schon mittelfristig - also sehr bald - als fatal für die gesamte(!) Gesellschaft als fatal erweisen, und zwar ganz gleich, ob man politisch rechts, links (oder wie auch immer) "eingestellt" ist.

    Die Parteien bzw. die Politiker schaffen es leider immer wieder, alle gegeneinander auszuspielen. (Fortsetzung folgt!)

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