Deutsche Bank Cryan will ohne Kapitalerhöhung über die Runden kommen

Die Deutsche Bank möchte bei ihrer Neuausrichtung am liebsten ohne frisches Kapital auskommen. Dies sagte Deutsche-Bank-Chef John Cryan bei CNBC. Wegen offener Rechtsstreitigkeiten ist dieses Vorhaben jedoch unsicher.
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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank will auch in diesem Jahr Beteiligungen und Sparten verkaufen. Quelle: dpa
John Cryan

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank will auch in diesem Jahr Beteiligungen und Sparten verkaufen.

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FrankfurtDeutsche-Bank-Chef John Cryan möchte bei der Neuausrichtung des Geldhauses am liebsten ohne frisches Kapital auskommen. Er habe immer betont, dass dies seine klare Präferenz sei, sagte Cryan am Mittwochabend dem Sender CNBC. Völlig ausschließen könne er eine Kapitalerhöhung jedoch nicht, schließlich gebe es wegen der Debatte über neuer Kapitalregeln (Basel IV) und noch offenen Rechtsstreitigkeiten weiter einige Ungewissheiten.

Als Bankvorstand habe er gelernt, „niemals nie zu sagen“, sagte Cryan auf die Frage nach einer Kapitalerhöhung. „Es bleibt abzuwarten, was die Ungewissheiten für uns bringen.“ Dann werde der Vorstand die Kapitalposition bewerten und die bestmögliche Entscheidung für das Institut treffen.

So lief der Immobilienskandal der Deutschen Bank ab
Welche Rolle die Deutsche Bank spielte
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Die Vorwürfe des US-Justizministeriums richten sich nicht gegen die Deutsche Bank als originären Kreditgeber. Das Institut vergab in den USA nämlich selbst gar keine Darlehen an Immobilienkäufer mit zu geringer Bonität. Das taten andere. Dennoch verdiente die Deutsche Bank daran.

Wie aus einer bunten Kreditmischung ein Wertpapier wird
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Eine Bank kauft Immobilienkredite, die ein anderes Institute an seine Kunden – private Hauskäufer – vergeben hat. Diese Darlehen werden dann zu einem Wertpapier gebündelt und an Investoren verkauft. Diese treten damit in die Rolle des Kreditgläubigers und tragen das Kreditausfallrisiko. Der Ertrag des Investments speist sich aus den Zinszahlungen der Kreditnehmer. Die Deutsche Bank baute dieses Geschäftsfeld konsequent aus und war 2007 vom neunt- zum weltweit drittgrößten Emittenten solcher hypothekenbesicherten Wertpapiere geworden, schreibt das US-Justizministerium in seinem Bericht.

Vorwurf 1: Lasche Prüfung
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Angeblich hatten die US-Institute, denen die Deutsche Bank ganze Kreditpakete abkaufte, genau geprüft, ob ihre Kunden die Darlehen fürs Haus überhaupt zurückzahlen könnten. Die Deutsche Bank wusste, dass dies ein leeres Versprechen war.

Vorwurf 2: Fehlende Vorbeugung
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Die Wertpapierstrukturierer der Deutschen Bank prüften die zum Kauf anstehenden Kreditpakete durchaus: Sie machten Stichproben und schätzten auf dieser Basis grob ein, wie viele ausfallgefährdete – faule – Kredite es beinhaltete. Die Crux: Fanden sie viel faules Material, verzichteten sie auf eine tiefergehende Prüfung, sagen die US-Aufseher.

Vorwurf 3: Laxe Kontrollen
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Nicht genug, dass die Deutsche Bank offenbar die Qualität der angekauften und dann zu Wertpapieren verpackten Kredite nicht ausreichend prüfte. Sie ließ es offenbar auch zu, dass der Verkäufer der Hypotheken zum Teil selbstständig und nachträglich ungeprüfte Kredite in die Pools einlagerte.

Vorwurf 4: Die Risiken verschwiegen
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Zu guter Letzt monieren die US-Behörden, dass die Deutsche Bank wider besseres Wissen ihren Investoren gegenüber verschwieg, welche Risiken tatsächlich in den Hypothekenverbriefungen lauerten. „Die Deutsche Bank legte ihre eigene Risikotoleranz auf Basis korrekter Bewertungsdaten fest, gewährte Investoren aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit“, heißt es im Bericht.

Die Deutsche Bank hatte erst in der Nacht auf Mittwoch eine ihrer größten Altlasten vom Tisch geräumt. Das US-Justizministerium bestätigte offiziell einen 7,2 Milliarden Dollar schweren Vergleich wegen unsauberer Geschäfte auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Weitere potenziell teure Fälle schwelen allerdings noch: der Geldwäsche-Skandal in Russland, mutmaßliche Sanktionsverstöße bei Iran-Geschäften sowie Tricksereien auf dem billionenschweren Devisenmarkt.

Über die Aufräumarbeiten innerhalb der Bank äußerte sich Cryan zufrieden. Das Geldhaus habe die Risiken abseits des Kerngeschäfts 2016 wie angepeilt reduziert und Beteiligungen und Sparten verkauft. Das soll 2017 so weitergehen. „Wir wollen in den nächsten zwölf Monaten einige kleinere Geschäfte zum Verkauf stellen“, kündigte der Brite an. Ziel sei es, die Deutsche Bank einfacher zu machen und sich stärker zu fokussieren.

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