Deutsche Bank
Dank an die Heimat

Lange Zeit wurde der Deutschen Bank vorgeworfen, ihre deutschen Wurzeln zu vernachlässigen. Auf dem Neujahrsempfang in Berlin sucht Vorstandschef John Cryan demonstrativ den Schulterschluss mit dem Heimatmarkt.
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BerlinDer Neujahrsempfang der Deutschen Bank in der Hauptstadt nimmt seit jeher eine besondere Stellung ein. Bei keinem der anderen regionalen Neujahrsempfängen des Instituts, wie sie in Städten wie Hamburg, Düsseldorf oder München ausgerichtet werden, kommt vergleichbar viel Prominenz aus der Bank: Neben Vorstandschef John Cryan kam auch Regulierungsvorständin Sylvie Matherat und Privatkundenvorstand Christian Sewing. Es ist eine günstige Gelegenheit, um Signale zu setzen, zumal zu dem Empfang neben Kunden der Bank stets auch viele Parlamentarier kommen. Vorstandschef Cryan nutzte seine Rede vor mehreren hundert Gästen für ein Aufbruchssignal – und für ein deutliches Dankeschön an den Heimatmarkt.

„Wir befinden uns eindeutig in der Phase, in der wir säen – man kann es auch „aufräumen“ oder „umbauen“ nennen“, sagte er. Damit schaffe die Bank die Grundlagen dafür, um morgen wieder erfolgreich zu sein. „Das Schöne ist, dass das 'Morgen' bereits beginnt. Nach einem sehr schwierigen 2016 sehen wir nun, wie die Saat langsam aufgeht und gedeiht“, betonte Cryan.

Zu dem aufkeimenden Optimismus dürfte vor allem die Einigung mit der US-Justiz im milliardenschweren Streit um unsaubere Hypothekengeschäfte beigetragen haben. Die Bank muss dafür eine Geldstrafe in Höhe von 3,1 Milliarden Dollar zahlen und US-Verbraucher um weitere 4,1 Milliarden Dollar entlasten. Das ist zwar viel Geld, doch die Erleichterung überwiegt: „Mit diesem Vergleich konnten wir einen der größten Unsicherheitsfaktoren beseitigen – nicht nur für unsere Aktionäre, für die Aufsichtsbehörden und die Politik, sondern eben auch für unsere Kunden", sagte Cryan, der sich für die Verfehlungen der Bank noch einmal entschuldigte.

Ursprünglich hatte das US-Justizministerium sogar 14 Milliarden Dollar von der Bank verlangt – eine Summe, die das Institut ohne Unterstützung wohl nicht hätte aufbringen können. Als die Summe Ende September durchsickerte, stürzte der Aktienkurs auf ein Rekordtief, die Bank musste sich gegen Gerüchte wehren, Staatshilfen zu benötigen, Kunden zogen Geschäft ab. Dass die Bank diese Turbulenzen überstand, verdankte sie auch der Unterstützung aus Politik und Wirtschaft und seitens der Kunden.

Damals betonte eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums, man erwarte, dass am Ende des Verfahrens „auf Grundlage der Gleichbehandlung ein faires Ergebnis erzielt“ werde. Auch viele große deutsche Industriekonzerne wie etwa BASF, Daimler oder Eon stärkten damals der Bank öffentlich den Rücken. „Die deutsche Industrie braucht eine Deutsche Bank, die uns in die Welt hinaus begleitet“, sagte etwa der BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Hambrecht.

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