Deutsche Bank
Das Problem mit dem Kulturwandel

Die neuen Co-Chefs der Deutschen Bank krempeln den Konzern um. Doch besonders dem Investmentbanker Jain nehmen längst nicht alle das Bekenntnis zum Kulturwandel ab. Die Bank hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.
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FrankfurtKlaus Engel mag Investmentbanken nicht sonderlich. Vor allem Zockereien in den Handelsabteilungen sind dem Chef des Essener Chemiekonzerns Evonik ein Dorn im Auge. Er fordert eine Rückbesinnung auf den Kunden - und zwar schnell. "Denn das Vertrauen in die Branche ist am Boden." Die Botschaft aus der Realwirtschaft ist bei den Banken angekommen. Kulturwandel heißt das Modewort, mit dem Top-Banker besonders in Europa hausieren gehen, um verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen - auch die neuen Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen.

Bei jeder sich bietenden Gelegenheit weisen sie darauf hin, dass heute der Kunde und nicht der Bonus im Fokus der Banker stehe. Doch das größte deutsche Geldhaus hat dabei ein Glaubwürdigkeitsproblem. Denn mit Jain stand einer der beiden neuen Bosse jahrelang an der Spitze der Investmentbank und damit in den Augen vieler Kritiker in besonderem Maße für die alte Kultur. Engel bleibt daher kritisch: "Ich höre wohl, was sie sagen, aber letztlich gilt: Kommt Zeit, kommt Rat."

Auch die Manager in den Zwillingstürmen der Deutschen Bank in Frankfurt sind sich des Problems bewusst - zumal Jain viele seiner engsten Gefolgsleute in das 18-köpfige Führungsgremium berufen hat. "Wenn Brandstifter plötzlich zu Feuerwehrleuten werden, muss man das schon besonders gut erklären können", sagt ein Top-Manager der Bank.

Insidern zufolge ist die Stimmung in der Bank so angespannt wie lange nicht, was auch an dem großen Umbau des Konzerns liegen mag - mehr als 2000 Stellen sollen gestrichen und 4,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das alles wird von "Anshus Armee", wie die Londoner Investmentbanker intern heißen, vorangetrieben. Da fühlt sich nicht jeder mitgenommen.

Für die Öffentlichkeit waren die ersten acht Monate der neuen Bankführung von Rechtsstreitigkeiten und Skandalen geprägt. Wegen fragwürdiger Hypotheken- und Handelsgeschäfte steht das Institut vor allem in den USA im Visier der Justiz, was Milliarden kosten könnte. Ende vergangenen Jahres durchsuchten zudem 500 Polizisten Geschäftsräume des Instituts wegen des Verdachts auf Umsatzsteuerbetrug. Dabei geht es um fragwürdige Handelsgeschäfte mit CO2-Verschmutzungsrechten. Unter den Beschuldigten ist auch Co-Chef Fitschen, weil er damals die Steuererklärung unterschrieben hatte. "Die Deutsche Skandal-Bank", titelte der "Spiegel" Ende 2012.

Die Aufräumarbeiten dürften noch Jahre dauern, und jeder einzelne Fall erinnert die Öffentlichkeit immer wieder an die Altlasten vieler Vorstände. "Die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise ist sicher das größte Reputationsrisiko für die Bank in den nächsten Jahren", sagt ein Banker. Die meisten Fälle liegen im Investment-Banking.

Besonders schwer wiegt der Skandal um die Manipulation des Zinssatzes Libor, der wie ein Damoklesschwert über der Deutschen Bank und vielen anderen Instituten hängt. Weltweit sollen Händlergangs die Zinsen zu ihren Gunsten verzerrt haben. Behörden rund um den Globus prüfen, wer was und wie viel davon wusste.

Kommentare zu " Deutsche Bank: Das Problem mit dem Kulturwandel"

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  • Die Deutschen und ihre Banker - ein Trauerspiel.

    Liebe Mitbürger, Bänker sind keine Heiligen, kein Adelsersatz und keine besseren Staatsbürger.

    Sie sind auch Menschen, die Geld verdienen müssen, für ihren Lebensunterhalt, ihre Familien, ihre Arbeitgeber.

    Sie sind auch nicht von Natur aus böse, nur weil jeder sich anstrengen muß, an die Grenzen des Machbaren geht, und so mancher in die Grauzone gerät und einige wenige darüber hinaus.

    Nein, auch eine Deutsche Bank, deren Führungspersonal sein Wissen, dass sie in führenden Positionen vor dem Krieg erwarb, zum Wiederaufbau des Geldhauses einsetzte und zumindest bis in die Ära des Herrn Herhausen eine guten Ruf aufrechterhalten konnte, ist kein Hort der Heiligen, vielleicht auch kein Ort von dem, was früher einmal als "ehrbarer Kaufmann" bezeichnet wurde (wenn es den überhaubt mal im wirklichen Leben gab.

    Nein, mancher Großkonzern ist eher mit dem "Denver-Clan" aus der TV Serie zu vergleichen, als mit König Ludwig und dem Schloß Neuwahnstein.

    Sorry liebe Mitbürger - werded entlich mal erwachsen!

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