Deutsche Bank
Der Machtkampf geht weiter

Das Personalpaket ist geschnürt. Josef Ackermann soll Chefaufseher der Deutschen Bank werden. Der neue starke Mann an der Spitze heißt Anshu Jain. Ihm zur Seite steht Jürgen Fitschen. Wie gut funktioniert diese Lösung?
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FrankfurtNach jahrelangem Gerangel hat die Deutsche Bank die Nachfolge ihres Chefs Josef Ackermann geklärt. Top-Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen sollen dem Schweizer im nächsten Jahr an die Vorstandsspitze folgen. Ackermann bleibt der Bank erhalten: Nach zehn Jahren als Konzernchef soll der 63-Jährige auf der nächsten Hauptversammlung im Mai 2012 in den Aufsichtsrat gewählt werden und den Vorsitz von Amtsinhaber Clemens Börsig übernehmen. Besonders die Arbeitnehmervertreter im Kontrollgremium hatten sich dafür stark gemacht, da sie unter Jain ein Übergewicht des riskanten Investmentbankings befürchteten. Ackermann selbst hatte einen solchen Tausch wiederholt abgelehnt.

Von Generationswechsel, als den die Bank die Machtverschiebung gerne darstellt, kann kaum die Rede sein: Jürgen Fitschen als ein Mitglied der künftigen Doppelspitze der Deutschen Bank entstammt dem gleichen Jahrgang wie der derzeitige Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann. Fitschen könnte daher nur als Übergangslösung gedacht sein, um Jain mit seinen Kontakten beiseite zu stehen. Sein Vertrag läuft zwei Jahre kürzer als der Von Jain, nämlich nur bis bis 2015.

Was dann passiert, sorgt bereits heute für Spekulationen: Entweder gelingt es Jain, sich als neuer starker Mann zu positionieren und die Bank ohne einen weiteren Co-Vorstand zu führen. Oder aber er wird nach Fitschens-Abgang einen neuen Vorstand an seine Seite gestellt bekommen. Dafür spricht, dass der fürs Privatkunden-Geschäft zuständige Vorstand Rainer Neske gestern ebenfalls eine Vertragsverlängerung erhalten hat. Er kann mindestens bis 2017 bleiben. Jain, der Geldmacher, der für Dreiviertel des Gewinns der Bank verantwortlich ist, aber auch die größten Risiken produziert auf der einen Seite, und Neske, der solide Nachwuchsbanker, der bei der Integration der Postbank zeigen muss, was er kann - das dürfte für die nächsten Jahre die spannendste Aufstellung mit offenem Ausgang innerhalb des Unternehmens sein.

Offiziell wird darüber natürlich nicht geredet. Da geben sich die Teilnehmer am Machtpoker staatstragend und lassen sich so zitieren: „Die Entscheidungen sorgen für Erneuerung und sichern zugleich die Kontinuität“, erklärte Börsig. Er gilt als Verlierer des Machtkampfes, seit er vor zwei Jahren bei der ersten Runde der Kandidatensuche keinen mehrheitsfähigen Nachfolger für Ackermann präsentieren konnte, so dass letztlich der Vertrag des Vorstandschefs noch einmal verlängert wurde.

Dem Gewinner, dem bekennenden Cricket-Fan Jain, der sein Team aus Händlern und Beratern von London aus steuert, fehlen jetzt allerdings die Drähte ins politische Berlin. Daher stellt ihm der Aufsichtsrat mit Deutschland-Chef Fitschen einen erfahrenen und gut vernetzten Banker zur Seite.

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Ackermann soll für die Balance sorgen

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  • Die Combi ist doch nicht schlecht.
    Das ist beschlossen und gut ist.
    Die Meckerpötte sollen doch weiter meckern, die meckern über alles und nichts.

  • Cricket - Oh Mann....

  • Ackermann sagte vor Monaten über sich, er sei ein schlechter Aufsichtsrat und begründete es damit, er sei zu sehr in alle Geschäfte der Bank eingebunden. Recht hat er mit dieser Einschätzung.

    Damit, daß er jetzt vollkommen gegen eigene Einsichten handelt, bleibt er sich nur selbst treu. Jain wird als neuer Chef - und nun entgültig von der Leine gelassen - mit den ihm vorgegeben Zielen die DB auf Sicht vollends an die Wand fahren.

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