Deutsche Bank
Der Weg zur Milliardenstrafe

Leichtsinn oder schon Betrug? Bei der Vergabe von Immobilienkrediten in den USA vor der Finanzkrise 2008 war die Grenze oft verschwommen. Die Deutsche Bank war Teil des Systems. Nun muss sie zahlen.

New YorkDer Bestseller-Autor Michael Lewis hat einen Dialog unsterblich gemacht, der den ganzen Irrsinn des US-Immobiliengeschäfts vor der Finanzkrise 2008 auf den Punkt bringt. Deutsche-Bank-Mitarbeiter David Lippman antwortet in seinem Buch „The Big Short“ auf die Frage „Wer ist auf der anderen Seite? Wer ist der Idiot?“ entwaffnend offen: „Düsseldorf. Dumme Deutsche. Die nehmen Rating-Agenturen ernst. Die glauben an die Regeln.“

In den USA hat damals keiner mehr an irgendetwas geglaubt – außer an den schnellen Gewinn. Darlehensvermittler, Investmentbanken und Rating-Agenturen hatten ein System geschaffen, in dem das Geld immer schneller kreiste, ohne dass irgendjemand wirklich die Verantwortung dafür übernahm. Die Deutsche Bank war als eine der führenden Investmentbanken Teil dieses Systems – jetzt holt diese Vergangenheit sie ein, später als amerikanische Konkurrenten, dafür aber um so heftiger.

Wer je ein Haus auf Kredit gebaut hat, weiß, dass das eigentlich ein überschaubarer Vorgang ist. Ein Banker handelt die Konditionen aus, die Kreditabteilung im Hintergrund schaut sich die Immobilie und die Finanzen des Kunden an, dann wird das Geld ausgezahlt und die Bank behält den Betrag in der Bilanz und passt auf, dass der Kunde seine Raten zahlt. Im Vorlauf zur Finanzkrise 2008 hatten findige Banker in den USA aus diesem einfachen Geschäft ein kompliziertes Spiel gemacht, bei dem die Akteure die unterschiedlichsten Rollen übernahmen, aber niemand übrig blieb, der wirklich den Überblick hatte.

Die Kredite wurden häufig von reinen Kreditvermittlern ausgehandelt. Die kannten zwar den Kunden, aber ihnen war das Risiko egal, weil sie den Kredit gleich an Investmentbanken weiterreichten. Die wiederum bündelten ganze Kredite und teilten diese Bündel dann wieder in verschiedene Päckchen mit unterschiedlichem Risikoprofil auf. Sie hatten aber auch kein Interesse, das Risiko zu überprüfen. Das überließen sie den Rating-Agenturen, für die es ein neuer lukrativer Geschäftszweig war, diese Päckchen mit guten Noten zu versehen, um sie verkäuflich zu machen. Am Ende landeten die so kreierten Kreditpakete bei Investoren. Sie mussten das Risiko tragen – aber sie kannten weder die Kunden, noch hatten sie die Risiken selber geprüft. In der Regel haben sie die hunderte Seiten langen Verträge, die den Kreditbündeln zu Grund lagen, auch gar nicht verstanden.

Tatsächlich ist ein Teil der Bündel in Düsseldorf gelandet, zum Beispiel bei der IKB, einer einst untadeligen, konservativen Bank, die mit diesen Investments fast in die Pleite gerutscht ist. Schlimmer ist aber, dass auch in den USA viele Investoren hereingefallen sind, darunter große Vermögensverwalter wie Blackrock. Oder halbstaatliche Immobilienfinanzierer wie Fannie Mae. Denn wenn in den USA ein Schaden entsteht, dann stürzt sich ein Heer von Juristen darauf und treibt die Summen hoch.

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Ein System so stabil wie ein Kartenhaus

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