Deutsche Bank Deutsche Bank: „Kein Kommentar“

Mit ihrer Datenaffäre hat die Deutsche Bank die Finanzwelt in Aufruhr versetzt. Bankchef Josef Ackermann versprach Aufklärung, wollte sich an die Spitze der Bewegung stellen. Doch bisher schweigt Deutschlands größtes Kreditinstitut zu allen Vorwürfen.
  • Sonia Shinde
Schweigen an der Spitze: Deutsche-Bank-Chef Ackermann trägt nicht zur Aufklärung der Spitzelaffäre bei. Quelle: Reuters

Schweigen an der Spitze: Deutsche-Bank-Chef Ackermann trägt nicht zur Aufklärung der Spitzelaffäre bei.

(Foto: Reuters)

FRANKFURT. Gestern war wieder so ein Tag, der eigentlich Aufklärung bringen sollte: Ein Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt teilt mit, nachdem mancher Anrufer immer drängender gefragt hatte: Ja, es ist am Montagabend nach Dienstschluss eine Stellungnahme der Deutschen Bank zur Datenaffäre eingegangen. Neun Seiten. Nein, Inhalte könne er selbstverständlich nicht mitteilen. Wann, wenn nicht heute? „Das ist nicht absehbar.“

Es ist drei Wochen und fünf Tage her, da rückte die Deutsche Bank an einem pressetechnisch dünn besetzten Brückentag nach Himmelfahrt um kurz vor sechs Uhr mit folgender Mitteilung heraus: „Die Führung der Deutschen Bank hat Kenntnis erhalten von möglichen Verstößen in früheren Jahren gegen interne Vorgaben oder rechtliche Anforderungen im Zusammenhang mit Aktivitäten, welche die Abteilung Konzernsicherheit betreffen.“ Eine Anwaltskanzlei sei beauftragt, die Finanzaufsicht BaFin eingeschaltet; Kundendaten seien nicht betroffen und Vorstand sowie Aufsichtsrat informiert. Also alles in bester Ordnung. Der Eindruck, die Deutsche Bank stehe womöglich mit der Bahn oder der Telekom in einer Reihe, soll tunlichst vermieden werden. Die Datenschützer bekommen diese Post circa zwei Stunden später. Zu dieser Zeit ist längst Feierabend in der Behörde.

Es ist drei Wochen und zwei Tage her, da sickern erste Details durch: IT-Vorstand Hermann-Josef Lamberti sei unter anderem Ziel der Spähaktion gewesen. Es gehe um das Jahr 2006. Das Institut schweigt. Kreise versichern, Aufsichtsräte seien nicht im Visier gewesen. Es gehe um weniger als zehn Personen. Zu dem Zeitpunkt läuft bereits eine Sonderprüfung der BaFin. Hessens zuständige Datenschützerin Renate Hillenbrand-Beck hat bereits Akteneinsicht und einen Bericht bis zum 10. Juni gefordert. Dass zu dieser Zeit der Sicherheitschef, der innerhalb des Konzerns für Deutschland zuständig ist, beurlaubt ist, davon sagt innerhalb der Bank niemand etwas.

Eine Woche nach Bekanntwerden der Affäre ist von Bewegungsprofilen und der Ausforschung einer Manager-Ehefrau die Rede. Die Deutsche Bank will sich mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht äußern. Der hessische Datenschutzbeauftragte Michael Ronellenfitsch prüft, ob Behördenmitarbeiter in die Affäre verwickelt sind. Die Deutsche Bank hüllt sich in Schweigen. Die Staatsanwaltschaft kann nicht ermitteln, weil niemand die Deutsche Bank angezeigt hat. Sagt sie.

Vor einer Woche verstreicht der Tag, an dem die Deutsche Bank die Fragen der hessischen Datenschützer beantworten sollte. Sie brauche mehr Zeit, sagt sie und bekommt fünf Tage Aufschub. Warum? Kein Kommentar. Sie wolle die Sonderprüfung der BaFin und das Gutachten der beauftragten Anwaltskanzlei abwarten. Frist: Wohl Ende Juni.

Und dann gestern. Der Bericht ist eingetrudelt, die Datenschützerin aber nicht da. In Berlin. Damit hat es sich also vorläufig.

Naja, nicht ganz. Es ist genau drei Wochen und einen Tag her, da hat Bankchef Josef Ackermann Aufklärung in der Datenaffäre der Deutschen Bank versprochen. An die Spitze der Bewegung wollte er sich stellen. Nicht nachlassen beim Bohren. Das Ergebnis: siehe oben.

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