Deutsche Bank
Die Treibjagd geht weiter

Neun Beschuldigte, zwei Ermittlungsfälle, Verdacht auf Steuerbetrug in Höhe von 43 Millionen Euro: Zwei Tage nach der Razzia bei der Deutschen Bank nennt die Staatsanwaltschaft Details. Das Geldhaus hat wohl mitverdient.
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DüsseldorfZu der Razzia bei der Deutschen Bank wegen der umstrittenen Aktiendeals rund um den Dividendenstichtag (sogenannte „Cum-Ex-Deals“) hat die Generalstaatsanwaltschaft erste Details bekanntgegeben. Sie zeigen, dass die Dimension der Aktion größer ist als zunächst vermutet.

Wie jetzt bekannt wurde, durchsuchten die Ermittler bei der Razzia bundesweit zehn Objekte, darunter Wohnungen von Beschuldigten und Geschäftsräume verschiedener Unternehmen. Die Zentrale der Deutschen Bank gehörte dabei zu den wichtigsten Zielen der Staatsanwälte.

Zwar gehören die Bank und aktuelle Bankmitarbeiter selbst nicht zu den Beschuldigten, allerdings stehen dem Vernehmen nach vier ehemalige Mitarbeiter unter Verdacht, in die Geschäfte involviert gewesen zu sein. Ein Sprecher der Bank verwies lediglich darauf, dass das Institut nicht das eigentliche Ziel der Ermittler war.

Die Staatsanwaltschaft hegt den Verdacht der versuchten schweren Steuerhinterziehung. Sie führt dazu zwei getrennte Ermittlungsverfahren, die sich insgesamt gegen neun Beschuldigte richten. In einem Fall geht es gegen sechs Beschuldigte und eine versuchte Steuerhinterziehung mit einem Volumen von 37 Millionen Euro. In dem anderen Fall haben drei Beschuldigte nach Auffassung der Ermittler versucht, den Fiskus um sechs Millionen Euro zu prellen.

Dem Handelsblatt vorliegende Dokumente zeigen, dass die Deutsche Bank an den Geschäften mitverdient hat. Bei den lange in der Finanzszene gängigen Transaktionen haben Banken, Fonds und Investoren rund um den Dividendenstichtag Aktien mit (cum) und ohne (ex) Dividendenanspruch gekauft und verkauft und sich eine nur einmal gezahlte Kapitalertragsteuer vom Finanzamt im Gesamtsystem mehrmals erstatten lassen.

Auch die Deutsche Bank hat Steuerbescheinigungen über die Kapitalertragsteuer für einen Fonds ausgestellt. Darüber gab es Auseinandersetzungen mit der Betriebsprüfung. Die Beamten bezweifelten, dass die Bescheinigungen hätten ausgestellt werden dürfen. Sie vermuteten illegale Leerverkäufe. Die Deutsche Bank blieb bei ihrer Position: „Für uns ist nicht erkennbar, ob es sich um einen Leerverkauf handelt“, heißt es in einem Schreiben.

Kommentare zu " Deutsche Bank : Die Treibjagd geht weiter"

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  • In Frankfurt a.M. -man(n) sollte sich die Zahl mal auf der Zunge zergehen lassen- gab es im letzten Jahr laut Statistik des BKA nur alleine in Frankfurt a.M. 49.245 Tatverdächtige, also Straftäter.
    Wieviele alleine auf Banken/-r fallen ergibt sich leider aus der Statistik nicht. Dafür sind aber zu meinem Erstaunen nichtdeutsche Tatverdächtige mit 30531 aufgeführt. Im Kontext dazu habe ich heute von einem Börsianer folgendes in seinem Kommentar gelesen:
    "Die Zinsen werden sich wieder erhöhen. Die anomale Situation an den Ka­pitalmärkten wird zu Ende gehen. Deutschland bräuchte nicht so viel Zuwanderer aus dem Ausland. Das täte dem gesellschaftspolitischen Klima gut".

    Dann wurde mir klar, was er damit meinte- Die Statistik der nichtdeutsche Straftäter gibt einiges her. Was brauchen wir also soviele Banker?

    ------ Straftaten insgesamt 06412000 Frankfurt am Main X 49.245

  • "Im Fokus stehen Fonds, über die institutionelle Investoren und hochvermögende Privatanleger von Cum-Ex-Deals profitieren wollten."
    Die Gier dieses Klientels kennt eben keine Grenzen. Ein Großteil des Vermögens wird eben über verbrecherische Taten zusammengerafft - in der Gewissheit, dass der Staat nichts dagegen tut!

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