Deutsche Bank Druck auf John Cryan wächst nach schwachen Zahlen

Die Investoren der Deutschen Bank zweifeln, dass der Vorstandschef den Konzern erfolgreich auf Wachstum trimmen kann. Die Aktie fällt.
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„Der einstige Stolz wird zum Dauerpatienten“

„Der einstige Stolz wird zum Dauerpatienten“

FrankfurtJohn Cryan ist nicht der Typ, der um den heißen Brei herumredet: „Lassen Sie mich direkt zum Punkt kommen: Wir haben auch 2017 unter dem Strich einen Verlust zu verzeichnen. Ja, es ist der dritte Verlust in Folge“, sagt der Vorstandschef der Deutschen Bank direkt zu Beginn der Pressekonferenz. Das Minus beträgt rund 500 Millionen Euro – als krachenden Misserfolg will er das Resultat aber nicht verstanden wissen. „Ohne die einmaligen Belastungen der US-Steuerreform würden wir heute einen Nettogewinn von fast einer Milliarde Euro präsentieren.“

Nicht, dass Cryan so eine Summe für ausreichend halten würde. „Aber ein solches Ergebnis hätte eher sichtbar gemacht, wo wir heute stehen. Es würde zeigen: Wir haben aufgeräumt. Und wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt er.

An den Kapitalmärkten fiel die Deutsche Bank mit ihrem Jahresergebnis glatt durch. Der Aktienkurs sackte am Vormittag um fast sechs Prozent ab. Die Bank hatte Investoren zwar auf ein schlechtes Ergebnis vorbereitet, doch die endgültigen Zahlen fielen noch schlechter aus als erwartet. Die Analysten von Citigroup sprechen von einer „kleinen Enttäuschung“. Die Kursreaktion signalisiert: Den Investoren geht allmählich die Geduld mit der Deutschen Bank aus. Damit wächst auch der Druck auf den Vorstandschef. Denn auch zwei Jahre nach Cryans Amtsantritt ist nicht klar, ob das Geschäftsmodell der Deutschen Bank die nötigen Renditen abwerfen kann.

Cryan kämpft gegen diese Sichtweise an. Streckenweise klingt der 57-Jährige so, als wolle er Bilanz ziehen und sein Erbe ordnen. Er erinnerte daran, wo die Bank stand, als er ihre Führung übernahm. Damals drückten milliardenschwere Altlasten und gefährliche Rechtsfälle die Bilanz. Es mangelte an Kapital, die Kontrollsysteme des Instituts waren schlecht, die IT rückständig und die Reputation ohnehin „am Boden“. „Aus diesem Zustand haben wir die Bank gemeinsam herausgeführt“, betont Cryan. Von den 20 wichtigsten Rechtsfällen sind mittlerweile 15 ganz oder größtenteils beigelegt, die Zahl der IT-Systeme wurden um ein Drittel reduziert und die Kontrollen gestärkt.

Sein Problem: Selbst seine Kritiker bezweifeln nicht, dass Cryan ein hervorragender Sanierer ist. Sie fragen sich aber, ob er nun auch in der Lage ist, die Bank auf Wachstumskurs zu bringen. Deshalb betont nicht nur der Brite selbst, sondern auch Finanzvorstand James von Moltke, dass der erzielte Vorsteuergewinn der Bank der erste seit dem Jahr 2014 ist. Und beide reden davon, dass sich manche Fortschritte einfach noch nicht in harten Zahlen niedergeschlagen haben. Neu gewonnene Mandate im Investmentbanking etwa.

Für die Führungsspitze der Bank dürfte das neue Geschäftsjahr 2018 entscheidend sein. Will die Bank eine Führungs- und Strategiedebatte vermeiden, muss sie nun liefern. Das gilt insbesondere für das erste Quartal, in dem Banken traditionell am besten verdienen.

Die Vorzeichen fallen gemischt aus. Die Bank spricht von einem „soliden“ Jahresstart, räumt aber auch ein, dass die Handelserträge im Januar „geringfügig“ hinter den sehr starken Erträgen in diesem Bereich im Vorjahr hinterherhinken. Gemessen daran, dass das Handelsgeschäft für die Bank eine wichtige Rolle spielt und sie in diesem Jahr wachsen will und muss, ist das kein gutes Omen.

„Ich sehe ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018“, gibt sich Cryan gleichwohl optimistisch. Er begründet das mit weiteren Kosteneinsparungen und gut gefüllten Auftragsbüchern im Emissions- und Beratungsgeschäft. Das Geldhaus hofft außerdem darauf, dass die notorisch niedrigen Zinsen in der Eurozone in diesem Jahr steigen werden, weil die Finanzmärkte eine Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) vorwegnehmen.

Investoren wollen höhere Dividende
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1 Kommentar zu "Deutsche Bank: Druck auf John Cryan wächst nach schwachen Zahlen"

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  • John Cryan ist der richtige Mann für die Deutsche Bank.
    Er sollte nur darauf achten, dass die Investmentbanker nur dann Boni erhalten, wenn die Bank Gewinne erzielt und Dividenden ausschüttet.
    Die Aktionäre waren bisher treu und finanzierten die Kapitalerhöhungen - deshalb sollten die Investmentbanker maximal soviel Boni erhalten, wie auch an Dividende ausgeschüttet wird.
    50% des Gewinnes sollten für Rückstellungen und Innovationen, 25% für Dividenden und 25% für Bonis verwendet werden - hielte ich für fair.
    Dass Investmentbanker Boni abgreifen, obwohl die Bank keinen Gewinn macht ist unredlich. Da hilft es auch nicht, wenn man von TOP Leuten spricht, denn TOP Leute machen Gewinn.
    Übrigens ist das Investmentbanking gut skalierbar. Man benötigt nicht tausende Mitarbeiter: soll nur investiert und nicht spekuliert werden, so reichen auch ein paar hundert. Lasst doch jene TOP Leute ziehen, die eh nicht zur Bank stehen und nur auf ihr eigenes Wohl übertrieben achten! Jene Leute gehen kein Risiko ein, kassieren nur - das Risiko trägt der Aktionär und vielleicht irgendwann auch der Steuerzahler.

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