Deutsche Bank
Duo in diplomatischer Mission

Die Aktionäre schimpfen auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank über die Kapitalerhöhung und höhere Boni für den Vorstand. Das Führungsduo Jain und Fitschen gibt sich selbstkritisch – und umwirbt die Anleger.
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FrankfurtAnshu Jain lächelt freundlich, als er ans Rednerpult tritt; er lächelt freundlich, als Blockupy-Aktivisten im Saal ein Transparent enthüllen, um gegen die Rüstungsgeschäfte der Deutschen Bank zu protestieren; er lächelt freundlich, als die Aktivisten vom Saalschutz nach draußen begleitet werden. Und er lächelt freundlich, als er unter dem Applaus der 9000 Aktionäre in der Festhalle der Messe Frankfurt endlich seine Rede beginnen kann. Der indisch-stämmige Co-Chef der Deutschen Bank redet eine halbe Stunde lang auf Deutsch, fließend mit leichtem Akzent. Es ist eine schwierige Rede, denn er muss den Aktionären zwei sensible Vorschläge des Vorstands näher bringen.

Da ist zum einen die vor wenigen Tagen angekündigte dritte Kapitalerhöhung innerhalb weniger Jahre, die rund acht Milliarden Euro einbringen soll. Und zum anderen ein überarbeitetes Bonussystem, das Vorstand und Investmentbankern höhere Boni zusichern soll. Jain, der ehemalige Investmentbanker, spricht in kurzen, prägnanten Sätzen. Und übt auch Selbstkritik. „Einige der Herausforderungen waren größer als wir erwartet hatten“, gibt er zu. Und wirbt dann um Vertrauen für den neuen Kurs, der die „Deutsche Bank systematisch als Gewinner ausrichten“ soll.

Es ist vor allem dieses Selbstverständnis, das in den vergangenen Jahren merklich gelitten hat. „Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine riesige Lücke“, sagt Aktionärsvertreter Ingo Speich von der Union Investment. Die Rendite – die der frühere Chef Josef Ackermann einmal auf 25 Prozent steigern wollte – fiel mit 0,6 Prozent im Jahr 2012 und 1,2 Prozent im Jahr 2013 deutlich schmaler aus als es die Aktionäre gewohnt sind. Bereits im kommenden Jahr sollen es immerhin zwölf Prozent sein, verspricht Co-Chef Jürgen Fitschen. „Wir wollen die führende europäische Universalbank sein“, ruft er den Aktionären entgegen. Ein Ziel, für das auch die Anleger einige Kröten schlucken müssen.

Strafzahlungen aus Prozessen um manipulierte Leitzinse und Devisenspekulationen fressen die Profite der Bank. „Andere Banken sind Geldinstitute mit angeschlossener Rechtsabteilung, unsere Bank ist eine Rechtsabteilung mit angeschlossenem Bankgeschäft“, kritisiert Aktionärsvertreter Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). 350 Millionen Euro bezahlte die Deutsche Bank im vergangenen Jahr für die Rechtsberatung im vergangenen Jahr. Aus gutem Grund: Die Bank ist in insgesamt 1.000 Verfahren mit einem Streitwert von über 100.000 Euro und 80 Verfahren mit Aufsehern verstrickt, verrät Finanzvorstand Stefan Krause. Allein für die Einigung mit den Kirch-Erben musste die Deutsche Bank eine Milliarde Euro bezahlen müssen, dabei sei der Vorstand in den vergangenen Jahren immer „mit dicken Backen“ aufgetreten, so Aktionärsvertreter Nieding. Offenbar habe man „nicht immer die reine Wahrheit über den Risikogehalt anhängiger Verfahren“ erzählt.

Durch die Sondereffekte wird die Dividende von 75 Cent pro Aktie in diesem Jahr nicht steigen. „Wir wissen, das ist nicht zufriedenstellend“, gibt Fitschen zu. Seit Mai 2007 hat die Aktie um 75 Prozent an Wert eingebüßt. Eine kürzlich angekündigte Kapitalerhöhung über acht Milliarden Euro könnte den Kurs der Aktie weiter drücken. Ein Staatsfonds aus Katar hatte vor wenigen Tagen als neuer Ankeraktionär 1,75 Milliarden Euro in die Bank investiert. Bis Ende 2015 soll über sogenannte Coco-Bonds zudem frisches Kapital von fünf Milliarden Euro eingesammelt werden.

Zum Ende des ersten Quartals soll die Kernkapitalquote so auf 11,8 Prozent steigen – und damit deutlich über der bis 2015 angestrebten Quote von zehn Prozent liegen. „Wir gehen davon aus, dass diese Quote weiter unter Druck geraten wird“, verteidigt Fitschen das Vorgehen der Bank. Denn neue Vorschriften der Bankenaufseher hatten die Kernkapitalquote der Bank zuletzt sogar schrumpfen lassen.

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„Wir stehen zum Investmentbanking“

Kommentare zu " Deutsche Bank: Duo in diplomatischer Mission"

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  • @horstel:
    Hartz-IV-Antrag? Wie kommen Sie denn da drauf??!
    Ich hab’ Gott sei dank zwei gesunde Hände und Füße, einen klaren Kopf und verdien’ mein Geld (komme aus, vielen Dank) selber.
    Und fände es schön, wenn ebendies vielen Leuten nicht so oft unnötig schwer gemacht würde.(Ich persönlich kann diesbezüglich übrigens nicht klagen, wünschte mir allerdings, man könnte das von allen anderen Menschen auch behaupten…)

  • Außer dämmliche Kommentare zu schreiben haben Uwe, Nettie und Senfra in ihrem Leben wohl nichts erreicht. Na ja den Harz4 Antrag haben sie geschafft.

  • @senfra:
    Nö. Unternehmensgründer haften. Vorstände nicht.
    Wussten Sie das noch nicht?

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