Deutsche Bank
Wer für die Kirch-Millionen zahlt

  • 12

Erstaunlicher Strategiewechsel

Wie Breuers Haftpflichtversicherer, die Zurich, tatsächlich gegen ihn vorgeht, wird sich zeigen. Die Zurich hat vor einigen Jahren den Deutschen Herold, den vormaligen Versicherer der Deutschen Bank übernommen. Die Deutsche Bank vertreibt in ihren Filialen Zurich-Policen. Wie hoch der Anteil ist, der am Ende von Managerhaftpflichtversicherungen übernommen wird, ist noch unklar. Spannend dürfte auch die Reaktion der Deutschen Bank werden. Für Rechtsrisiken hat das Institut insgesamt 2,3 Milliarden Euro zurückgelegt. Ob die Bank tatsächlich hart gegen den ehemaligen Chef vorgeht, steht derzeit nicht fest.

Anlegerschützer kritisieren das Vorgehen der Bank. Lange schien es, als würde es die Bank auf eine Gerichtsentscheidung ankommen lassen. Markus Kienle, Vorstand der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), begrüßt den Vergleich: „Es ist immer vernünftig, bestehende Risiken zu schließen, wenn ein solcher Vergleich den rechtlichen Gegebenheiten entspricht. Es ist allerdings erstaunlich, dass die Deutsche Bank doch zu der Erkenntnis gekommen ist, sich zu vergleichen. Bisher hatte die Bank immer mit der Begründung abgelehnt, man habe sich nichts vorzuwerfen.“  

Doch in den vergangenen Wochen hatte sich die Ausgangslage verschlechtert. Wegen des Verdachts des Prozessbetrugs wird gegen führende Manager der Deutschen Bank ermittelt, darunter auch gegen den heutigen Co-Chef Jürgen Fitschen und seinen Vorgänger Josef Ackermann. Sie sollen vor Gericht gelogen haben, um Schadensersatz abzuwenden. Interne Akten sollen belegen, dass die Deutsche Bank Wochen vor Breuers fatalem Interview unter dem Codenamen „Barolo“ über eine Filetierung des Kirch-Imperiums diskutiert hatte.

Die Einigung mit den Kirch-Erben sorgt daher nur für eine trügerische Ruhe. Zumal weitere Rechtsstreitigkeiten zum Libor-Skandal und Devisenmanipulationen die Anwälte des Geldhauses weiterhin auf Trab halten dürften.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur
Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse

Kommentare zu " Deutsche Bank: Wer für die Kirch-Millionen zahlt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • dann sollte breuer ja wohl bald den karlspreis bekommen. Oder hat er den schon?

  • Und deshalb, liebe Kinder, gibt es Gerichte, die sich die Beweise anschauen und entscheiden dürfen. Sonst finden sich irgendwelche Klugscheisser im Internet, die immer eine Meinung haben und irrsinnig glauben, alles über jeden wissen zu müssen.

  • Mich würde interessieren, wohin das (Vergleichs-)Geld fliesst. Wenn die Äußerungen von Herrrn Breuer doch zu einer Insolvenz der ganzen Kirch-Gruppe geführt haben, müssten doch eigentlich die Insolvenzverwalter und mit ihnen die Gläübiger die Nutznießer sein?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%