Deutsche Bank
Ex-Chef-Händler klagt in Moskau gegen Rauswurf

Die Deutsche Bank steht wegen einer Geldwäsche-Affäre in Russland im Visier der Behörden. Das Geldhaus hat schon mehrere Mitarbeiter seiner Moskauer Niederlassung rausgeworfen. Der ehemalige Chef-Händler wehrt sich nun.

Moskau/FrankfurtDer Deutschen Bank droht neuer Ärger in Russland: Der ehemalige Chef-Händler des Instituts in dem Land, Tim Wiswell, geht juristisch gegen seinen Rauswurf vor. Wiswell habe Klage gegen seine Entlassung eingereicht, weil er sie für ungerechtfertigt halte, erklärte seine Anwältin Ekaterina Duchina am Mittwoch. Alle Aktien-Geschäfte, die Wiswell getätigt habe, seien der Compliance-Abteilung der Bank bekannt gewesen. Deutschlands größtes Kreditinstitut steht wegen einer Geldwäsche-Affäre in Russland im Visier der Behörden und hat deshalb mehrere Mitarbeiter seiner Moskauer Niederlassung vor die Tür gesetzt.

Wiswells Anwältin hegt den Verdacht, dass ihr Mandant in Wahrheit aus einem anderen Grund gefeuert wurde. Er habe Geschäfte mit einem Kunden gemacht, der Personen nahestehe, gegen die wegen des russischen Vorgehens in der Ukraine Sanktionen verhängt wurden. „Ich vermute, dass europäische und amerikanische Aufsichtsbehörden gegen die Bank nicht wegen Sanktionsverstößen vorgehen konnten, weil der Kunde selbst nicht offiziell auf der Sanktionsliste stand. Aber sie haben einen anderen, einfachen Verstoß entdeckt: Geldwäsche.“

Eine Deutsche-Bank-Sprecherin wollte sich dazu nicht äußern. Sie verwies lediglich auf einen Absatz im Zwischenbericht des Instituts zu dem Fall von Ende Juni. Darin erklärt das Geldhaus, es untersuche, ob bei Aktienhandelsgeschäften gegen Gesetze und Regularien verstoßen worden sei. „Die Deutsche Bank hat disziplinarische Maßnahmen gegen bestimmte Personen eingeleitet und wird weiterhin auch gegen andere Personen vorgehen, falls dies gerechtfertigt ist.“

Behörden rund um den Globus gehen dem Verdacht nach, dass russische Kunden über die Deutsche Bank Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Das Institut gab im September bekannt, das Investmentbanking in Russland aufzugeben. In der Vermögensverwaltung, dem Zahlungsverkehr und der Exportfinanzierung will die Bank in dem Land präsent bleiben, Kunden sollen Insidern zufolge aber strenger ausgesiebt werden. Deutsche-Bank-Manager Werner Steinmüller kündigte kürzlich im Reuters-Interview an, dass die Frankfurter Millionen in Kontrollsysteme investieren werden, um Geldwäsche zu verhindern und um die Herkunft von Geldern noch besser nachzuvollziehen zu können.

Agentur
Reuters 
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