Deutsche-Bank-Finanzvorstand Schenck: „Schlechtester Jahresstart, den ich erlebt habe“

Deutsche-Bank-Finanzvorstand Schenck
„Schlechtester Jahresstart, den ich erlebt habe“

Die Turbulenzen des Jahresbeginns hätten „Spuren hinterlassen“, räumt der Finanzvorstand der Deutschen Bank, Marcus Schenck, ein. Indes nimmt die Ratingagentur Moody's die Kreditwürdigkeit der Bank unter die Lupe.

Berlin/New YorkDie Schwankungen an den Kapitalmärkten in den ersten Wochen des Jahres haben der Deutschen Bank zugesetzt. „Dies waren im Bankensektor die beiden schlechtesten Anfangsmonate eines Jahres, die ich persönlich erlebt habe. Das hat natürlich auch bei uns seine Spuren hinterlassen“, sagte Finanzvorstand Marcus Schenck der „Börsen-Zeitung“ (Dienstagausgabe). Alle eng am Kapitalmarkt hängenden Geschäfte seien betroffen, wie das Handelsgeschäft und die Vermögensverwaltung. „Da haben wir einen deutlichen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr.“

Vorstandschef John Cryan hatte die Investoren bereits auf einen schwachen Jahresstart vorbereitet, Schenck hat den Ton in dem Interview allerdings noch einmal verschärft. Die Deutsche-Bank-Aktie gab 2,8 Prozent nach und war damit am Dienstag einer der größten Verlierer im Leitindex Dax.

Schleppend laufe auch der Umbau des Instituts, räumte Schenck ein. „Im Marktumfeld der ersten beiden Monate dieses Jahres haben wir gesehen, dass es schlicht nicht möglich war, bestimmte Transaktionen durchzuführen und die Sache für uns abzuschließen.“ Die Vertragspartner seien zum Teil nicht einmal zu Gesprächen bereit gewesen. „Da passieren dann einige Sachen nicht, die jetzt erst einmal auf der Bilanz stehen bleiben“, sagte der ehemalige Goldman-Sachs-Investmentbanker und Finanzvorstand von Eon. Im März sei es aber schon deutlich besser gelaufen.

Auch werde ein Verkauf oder ein Börsengang der Tochter Postbank in diesem Jahr wohl nicht mehr stattfinden, räumte Schenck ein. „Der Basisfall ist eher 2017. Im heutigen Marktumfeld müssten wir solche Preiskonzessionen machen, dass ein Verkauf nicht sinnvoll wäre.“ Weitere Abschreibungen für die Postbank seien in diesem Jahr nicht geplant. Schneck bestätigte, dass es Interessenten für die Postbank gebe - „auch wenn es keine 20 sind“. Doch diese hielten sich derzeit stark zurück.

„Wir machen jetzt unsere Hausaufgaben. Und dann werden wir uns Ende 2016, auf jeden Fall 2017, mit dem Thema beschäftigen.“

Die Deutsche Bank hatte einen schwachen Jahresstart hingelegt. Deutschlands größtes Geldhaus signalisierte in seinem vor kurzem veröffentlichten Geschäftsbericht, dass es wegen der großen Schwankungen an den Kapitalmärkten in den ersten Monaten 2016 vor allem im wichtigen Investmentbanking Bremsspuren gegeben haben dürfte.

2015 hatte die Bank unter dem Strich ein Minus von 6,7 Milliarden Euro verbucht. Denn die andauernden Rechtstreitigkeiten und der erneute Konzernumbau belasten die Bilanz. Und auch in diesem Jahr ist ein Verlust nicht ausgeschlossen.

Nun hat die US-Ratingagentur Moody's dem Geldhaus angedroht, seine Einschätzung der Kreditwürdigkeit der Bank zu senken. Dazu zählten das Langfristrating (A2) und das Rating für vorrangig unbesicherte Verbindlichkeiten (Baa1), teilten die Bonitätswächter am Montag mit.

Schon jetzt sehen die Experten Kreditpapiere der Deutschen Bank nur als durchschnittlich gute Anlage. Eine eventuelle Senkung des Ratings würde aber nur um eine Stufe erfolgen, wie Moody's in einer Mitteilung am Montag betonte. Ein Abrutschen in den Bereich der spekulativen Anlagen („Ramsch“) droht damit nicht. Dafür müsste Moody's die derzeitige Bewertung um drei Stufen senken.

Grund seien zunehmende Hürden bei den Bemühungen der Deutschen Bank, die Profitabilität in den nächsten drei Jahren zu stärken und zu stabilisieren. Seit dem Führungswechsel und der Aktualisierung der strategischen Planung im vergangenen Juni habe sich das operative Umfeld für die Deutsche Bank verschlechtert, hieß es weiter. Der Gegenwind bei Erlösen und Ausgaben könnte zu einer Verzögerung bei der angestrebten Verbesserung der Profitabilität führen. Moody's prüft nach eigenen Angaben auch die wichtigsten Ratings der Deutsche-Bank-Tochter Postbank auf eine Herabstufung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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