Deutsche Bank
Fitschen kritisiert Schäuble hart

Jürgen Fitschen hat genug vom Bankenschreck Wolfgang Schäuble. Der Co-Chef der Deutschen Bank hält Aussagen des Finanzministers für „populistisch“. Er reagiert auf ein Interview im Handelsblatt. Die Union wettert zurück.
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BerlinDeutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble für dessen jüngste Bankenschelte heftig kritisiert. „Es kann nicht sein, dass man sich hinstellt und sagt, die Banken umgehen immer noch die Regeln“, sagte Fitschen am Mittwochabend in Berlin und reagierte damit auf Äußerungen Schäubles. Dieser hatte sich zuvor gegen eine Regulierungspause für Banken ausgesprochen.

„Die Kreativität der Banken, die Regulierung zu umgehen, ist weiterhin groß“, sagte Schäuble in einem Interview mit dem Handelsblatt (das E-Paper der Donnerstagsausgabe gibt es hier zum Download). Er wisse, dass die Banken meinten, es reiche mit der Regulierung.

Fitschen, der auch Präsident des Privatbankenverbandes BdB ist, bezeichnete es als unverantwortlich und populistisch, wenn man die Fortschritte im Bankenbereich nicht sehe. Die aktuellen Schlagzeilen hätten mit Dingen zu tun, die vor vielen Jahren passiert seien.

Deshalb sei es nicht in Ordnung, wenn man so tue, als ob es bei den Banken so weitergehe wie in den Jahren vor der Finanzkrise 2008/2009. Am Mittwoch bekam die Deutsche Bank in der Affäre um Zinsmanipulationen von der EU-Kommission eine Rekordstrafe von 725 Millionen Euro aufgebrummt.

Fitschen sprach auf einer Diskussionsrunde unter anderem mit dem Grünen EU-Parlamentarier Sven Giegold. Dieser hatte sich zuvor eher ironisch zum Zeitpunkt der Veranstaltung unter dem Motto „Unbehagen am Kapitalismus - Banken in der Kritik“ geäußert. „Dass er diese Veranstaltung so perfekt terminiert hat, also, der BdB ist wirklich nur zu beglückwünschen“, sagte Giegold.

Kommentare zu " Deutsche Bank: Fitschen kritisiert Schäuble hart"

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  • Es kann nicht geleugnet werden, dass Banken gebraucht werden. Ohne Banken geht es nicht, gar nicht. Banken sind natürlich kreativ, jeder in der Marktwirtschaft agierende Spieler ist kreativ. Will man das abschaffen, wird das Arbeitsplätze kosten. Jeder kleine Unternehmer versucht Vorteile zu verbuchen, jede Gesetzeslücke wird genutzt. Niemand ist moralisch besser wie die Deutsche Bank. Es sollte aber überlegt werden, wieviel Staat in der Marktwirtschaft gut tut. Schäuble hat (auch nach all den Jahren verdienstvoller Politik) ein Profilierungsdilemma. Z. Zt. drückt die SPD mit Wünschen nach seinem Amt, er wünscht sich ein politisches Denkmal. Schäuble ist nicht Finanzminister von Venezuela, sondern von Deutschland. Er braucht die Banken. Er hat das anscheinend vergessen. Wenn die Regulierungswut so weitergeht, wird die Flexibilität einer Marktwirtschaft ausgehölt. Anstatt gemeinsam zu agieren, zeigt jeder den Finger auf den anderen. Ein bißchen weniger Ego, schon wäre beiden Seiten geholfen. Die Deutsche Bank braucht Regeln, aber keine Diskriminierung oder Fesseln. Und die Bundesrepublik braucht die Banken, sonst geht in der Wirtschaft gar nichts.

  • Mich würde mal interessieren, ob die Dt. Bank diesae Strafe steuerlich als Betriebsausgabe ansetzen kann.
    Wenn dies zuträfe, dann werden wir als Steuerzahler schon wieder "verarscht".

  • Am "Casino-Kapitalismus" der großen Banken hat sich nichts geändert. MIt dem Geld der Eigner und Anleger wird mutig weiter spekuliert und bevor man unter irgend einen Rettungsschirm schlüpft, stopft man sich die eigenen Taschen voll. Das gilt auch für die DB und die halbstaatliche CB, welche mit kostenträchtiger Werbung
    so tut, als ob sie and der Seite der Anleger steht.
    Dazu hat sie keine Kraft und wäre ohne Steuergelder längst Pleite !
    Statt mit reeler sozialer Marktwirtschaft Dienstleister
    für Staat und Gesellschaft zu sein, werden Verluste durch Geldgier und leichtsinnigem Umgang mit anvertrautem Vermögen generiert.
    Es ist höchste Zeit, dass der Gesetzgeber die Verantwortlichen in Haftung nimmt.

    Sirius

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