Deutsche Bank
Fitschen lädt Kritiker zur Vorstandssitzung ein

Jürgen Fitschen teilt mal wieder aus: Der Co-Chef der Deutschen Bank findet, dass die Bemühungen der Finanzbranche nicht genügend gewürdigt werden – und lädt deswegen einen Kritiker in die Vorstandssitzung ein.
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FrankfurtJürgen Fitschen hat sich erneut in Rage geredet: Bei einer Finanzkonferenz übte der Co-Chef der Deutschen Bank heftige Kritik an den Aufsichtsbehörden und legte sich mit Diskussionspartnern aus Politik und Wissenschaft an.

Die Fortschritte, die der Finanzsektor in den vergangenen Jahren gemacht habe, würden überhaupt nicht gewürdigt, sagte Fitschen am Freitag bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt dem Europa-Parlamentarier Gerhard Schick von den Grünen. „Wenn Sie Zweifel haben, Herr Schick, vielleicht geht es, dass Sie mal zu unserer Vorstandssitzung kommen“, schlug der Manager vor. „Ich glaube, Sie wären überrascht sein, was wir da alles so besprechen.“

Auch mit Martin Hellwig vom Max-Planck-Institut, der deutlich höhere Kapitalpuffer für Banken fordert, geriet Fitschen aneinander. Hellwig sitze im Elfenbeinturm und stelle utopische Forderungen, statt pragmatische Lösungen zu suchen, sagte Fitschen. Auch Hellwigs Forderung, dass Geldhäuser kleiner werden sollen, lasse sich nicht bei jedem Institut umsetzen. „Wenn sie eine solche Konsolidierung wirklich propagieren, dann müssen sie in Kauf nehmen, dass es Institute gibt, die größer werden. Nur mit ein paar wenigen kleinen Banken können sie eine Volkswirtschaft heute nicht unterstützen.“

Fitschen war Ende 2013 bereits mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble aneinandergeraten, was in der Öffentlichkeit und auch bei Investoren kritisch gesehen wurde. Mit Kritik hinter dem Berg halten will der Manager allerdings auch künftig nicht. Ihn ärgere die Behauptung, dass große Institute wie die Deutsche Bank nicht abgewickelt werden könnten, sagte er. Dabei habe die Bank eine Art Testament („living wills“) bei den Aufsichtsbehörden eingereicht. Diese Notfallpläne sollen helfen, Finanzinstitute im Falle einer Schieflage abwickeln zu können. „Ich frage: Wer hat das denn mal gelesen? Herr Schick, Herr Hellwig, haben sie sich das mal angetan?“, fragte Fitschen. „Sie haben es nicht getan, das weiß ich.“

Kritisch sieht Fitschen auch die verschärften Vorschriften für ausländische Geldhäuser in den USA. Die Notenbank Federal Reserve (Fed) hat kürzlich ein Regelwerk verabschiedet, das 15 bis 20 ausländische Institute zwingt, eigene Zwischenholdings in den USA zu gründen, in denen ihr Geschäft dort gebündelt ist. Diese müssen eigenständig mit Eigenkapital und den nötigen Barmitteln ausgestattet werden. Einige europäische Banken müssen deshalb die Kapitalpolster ihrer amerikanischen Töchter aufstocken oder deren Bilanzsumme reduzieren.

„Es gibt jetzt etwas, mit dem wir auch leben können“, sagte Fitschen. Die Lösung sei aber nicht optimal, weil sie Schule machen werde. „Meine Befürchtung ist, dass das, was wir jetzt in Amerika verwirklicht sehen, nur der Ausgangspunkt ist für eine Entwicklung, die nicht mehr anzuhalten ist“, sagte er. „Das ist nicht das Ende des Global Banking, aber eine andere Welt, deren Konsequenzen wir heute noch nicht überschauen.“ Die Fed zieht mit den Vorschriften ihre Lehren aus der Finanzkrise, in der sie den Töchtern ausländischer Banken Liquiditätsspritzen verabreichen musste, um sie am Leben zu halten.

Fitschen ist dagegen der Ansicht, dass die US-Behörden dem Urteil der heimischen Aufseher der Auslandsbanken vertrauen sollten. „Wenn wir diese Systeme jetzt nationalisieren, wird sehr viel Kapital und Liquidität lokal eingerahmt und steht nicht zur Verfügung, um grenzüberschreitend zu arbeiten“, sagte der Deutsche-Bank-Chef. „Diejenigen, die am meisten leiden werden, werden die Länder sein, die am meisten davon profitiert haben - nämlich die Entwicklungsländer.“

Aus vielen Schwellenländern ist zuletzt Geld abgeflossen, weil Anleger wieder verstärkt in den USA investieren, wo die Notenbank die Geldpolitik langsam strafft. Aus Sicht von Fitschen könnten sich diese Problem durch nationale Regulierungsvorschriften für Geldhäuser verschärfen. Bisher hätten die Institute maßgeblich dazu beigetragen, dass Kapital in die Schwellenländer fließt und damit das starke Wachstum in diesen Staaten erst ermöglicht, sagte Fitschen. Die Banken hätten damit einen großen Anteil daran, „dass die Weltwirtschaft in den letzten Dekaden schneller gewachsen ist als jemals zu vor“. In der öffentlichen Diskussion spiele das aber keine Rolle. „Dieser Beitrag wird überhaupt nicht gewürdigt.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ich kann Herrn Fitschen durchaus verstehen, daß er von den neuen Regeln genervt ist. Die Umsetzung binden Energien in der Bank und kosten vor allem Geld.
    Aber eigentlich interessiert es mich nicht, was Herr Fitschen empfindet. Ich will erst mal klare Regeln sehen, wie Vorstände und Leitende in Regreß genommen werden, wenn die Bank in Schieflage gerät, denn diese sind doch die Handelnden, die die Schieflage verursacht haben. Ich will eine Selbstverpflichtung sehen, daß Banken keine Konstrukte mehr verkaufen, die so gebaut sind, daß man damit als Anleger keinen Gewinn mehr machen kann!
    Und schließlich sollen die Banken ALLE Kredite und Bürgschaften ablösen, die sie vom Staat und der EZB erhalten haben.
    Wenn das erfüllt ist, dann können wir mal wieder über einen sachten Umgang mit den Banken reden!

  • @Nirgo
    da sind Sie aber ganz schlecht informiert über die Verantwortung dieser beiden Herren oder besser gesagt dieses einen Herrn da der andere ja nur deshalb Co-Vorstand ist um die Öffentlichkeit zu täuschen in Bezug auf Macht in der Deutschen Bank.
    Alles wirklich alles was in der Deutschen Bank in den letzten 18 Jahren schiefgelaufen ist hat seinen Ursprung im Investmentbanking, welches der heutige Co-Vorstand ausländischer Herkunft 16 Jahre lang verantwortet hat.

  • Ich möchte nur darauf hinweisen, dass viele rechtlich fragwürdige Fälle, die heute bearbeitet werden (= undankbarer Job) von der Ära Ackermann oder davor stammen. Hr. Flitschen und Hr. Jain sind nicht allein verantwortlich für die ganzen Vorkommnisse.
    Und das sage ich als jemand, der kein Kunde oder Aktionär ist, eher mal als objektiver Beitrag, den man nicht unbedingt unter den Tisch schweigen sollte.

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