Deutsche Bank
Gewerkschaften kämpfen um Aufsichtsratsplätze

Erst Mitte kommenden Jahres findet die Wahl um die Arbeitnehmersitze im Aufsichtsrat der Deutschen Bank statt. Doch schon jetzt liefern die Gewerkschaften sich einen Machtkampf. Dabei lautet die Parole: Alle gegen Verdi.
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FrankfurtDer Machtkampf um die Arbeitnehmersitze im Aufsichtsrat der Deutschen Bank ist voll entbrannt. Die kleineren Gewerkschaften DBV, dpvkom und komba wollen mit einer gemeinsamen Kandidatenliste dem großen und mächtigen Rivalen Verdi Paroli bieten. Die Liste sei auch offen für unabhängige Bewerber und Verdi-Mitglieder, teilte der DBV am Dienstag mit. An der Spitze steht Henriette Mark, Vorsitzende des Europäischen Betriebsrats der Bank.

Auch wenn die Wahl erst im Mai 2013 stattfindet, ist das Ringen um die zehn Arbeitnehmer-Mandate in dem 20-köpfigen Aufsichtsrat schon längst losgegangen. "Ziel des breiten Bündnisses ist, in der Deutschen Bank und ihren Arbeitnehmergremien weiterhin Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit sicherzustellen", erklärte der DBV.

Es dürfe künftig nicht soviel um übergeordnete politische Themen gehen, sondern mehr um die konkreten Arbeitsbedingungen, mahnt die Gewerkschaft, die im Vergleich zu Verdi als kompromissbereiter und weniger konfliktfreudig gilt. Jeder Arbeitnehmervertreter müsse sein Mandat zudem frei von Weisungen der Gewerkschaftszentralen ausüben. "Eine klare Spitze gegen Verdi", heißt es im Umfeld der Deutschen Bank.

Die Dienstleistungsgewerkschaft äußerte sich zunächst nicht dazu. Sie schickt nächstes Jahr unter anderem ihren Vorsitzenden Frank Bsirske ins Rennen, dem Interesse am Vize-Chefposten im Aufsichtsrat des größten deutschen Geldhauses nachgesagt wird. Amtsinhaberin Karin Ruck von DBV tritt aus persönlichen Gründen nicht mehr an. Gute Chancen auf den Job werden auch Konzernbetriebsratschef Alfred Herling eingeräumt.

Der DBV hat unter anderem den Vorsitzenden Stephan Szukalski nominiert. Der Vize-Chef kommt üblicherweise von den Arbeitnehmern und wird vom Gremium selbst gewählt. Die anderen zehn Mandate kommen von der Anteilseignerseite. An der Spitze des Aufsichtsrats steht Paul Achleitner, sein Votum gibt bei Stimmengleichheit den Ausschlag.

Im Gegensatz zu anderen Instituten spielt Verdi unter den 100.000 Mitarbeitern der Deutschen Bank bislang nicht die dominante Rolle. Seit der Übernahme der Postbank mit ihren 20.000 Beschäftigten hat sich das Machtgefüge aber etwas verändert. Dort liegt der Organisationsgrad Finanzkreisen zufolge bei deutlich über 50 Prozent, während er bei der alten Deutschen Bank nur rund zehn Prozent beträgt. "Verdi dürfte im neuen Aufsichtsrat des Instituts mehr zu sagen haben", sagt ein Arbeitnehmervertreter voraus. Das könnte dann auch Folgen für die Verhandlungen über den anstehenden Stellenabbau haben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Statt um Aufsichtsratsplätze zu kämpfen sollten diese Lobbyisten um die Rechte und Ansprüche der Arbeiterklasse kämpfen!! Längst verlernt, nur die eigenen, ausgestunkenen Pfründe zählen!

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