Deutsche Bank

Größtes Rechtsrisiko teilweise aus der Welt geschafft

Wenige Wochen nach dem Milliardenvergleich mit dem US-Justizministerium gelingt der Deutschen Bank ein weiterer Erfolg bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit. Dieses Mal geht es um dubiose Aktiendeals in Russland.
Kommentieren
Die Deutsche Bank hat sich in Russland wohl auf einen Vergleich geeinigt. Es ging um dubiose Russland-Geschäfte mit einem Volumen von rund zehn Milliarden Euro. Quelle: Reuters
Deutsche Bank

Die Deutsche Bank hat sich in Russland wohl auf einen Vergleich geeinigt. Es ging um dubiose Russland-Geschäfte mit einem Volumen von rund zehn Milliarden Euro.

(Foto: Reuters)

FrankfurtRund 7000 Rechtsfälle plagen die Deutsche Bank. Doch nur ganz wenige davon bereiten dem Top-Management schlaflose Nächte. Einer davon ist die Affäre um dubiose Aktiendeals in der Moskauer Niederlassung der Deutschen Bank. Durch sogenannte Spiegelgeschäfte soll das Geldhaus Klienten geholfen haben, Kapital außer Landes zu bringen. Der Verdacht der Geldwäsche stand im Raum. Insgesamt hatten die dubiosen Geschäfte ein Volumen von rund zehn Milliarden Dollar.

Jetzt steht die Bank offenbar kurz davor, sich mit wichtigen Behörden über einen Vergleich zu einigen. Bereits am Dienstag könnte eine Übereinkunft mit der britischen Finanzaufsicht FCA und dem New York State Department of Financial Services verkündet werden, heißt es in Finanzkreisen, die damit eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters bestätigen.

So lief der Immobilienskandal der Deutschen Bank ab
Welche Rolle die Deutsche Bank spielte
1 von 6

Die Vorwürfe des US-Justizministeriums richten sich nicht gegen die Deutsche Bank als originären Kreditgeber. Das Institut vergab in den USA nämlich selbst gar keine Darlehen an Immobilienkäufer mit zu geringer Bonität. Das taten andere. Dennoch verdiente die Deutsche Bank daran.

Wie aus einer bunten Kreditmischung ein Wertpapier wird
2 von 6

Eine Bank kauft Immobilienkredite, die ein anderes Institute an seine Kunden – private Hauskäufer – vergeben hat. Diese Darlehen werden dann zu einem Wertpapier gebündelt und an Investoren verkauft. Diese treten damit in die Rolle des Kreditgläubigers und tragen das Kreditausfallrisiko. Der Ertrag des Investments speist sich aus den Zinszahlungen der Kreditnehmer. Die Deutsche Bank baute dieses Geschäftsfeld konsequent aus und war 2007 vom neunt- zum weltweit drittgrößten Emittenten solcher hypothekenbesicherten Wertpapiere geworden, schreibt das US-Justizministerium in seinem Bericht.

Vorwurf 1: Lasche Prüfung
3 von 6

Angeblich hatten die US-Institute, denen die Deutsche Bank ganze Kreditpakete abkaufte, genau geprüft, ob ihre Kunden die Darlehen fürs Haus überhaupt zurückzahlen könnten. Die Deutsche Bank wusste, dass dies ein leeres Versprechen war.

Vorwurf 2: Fehlende Vorbeugung
4 von 6

Die Wertpapierstrukturierer der Deutschen Bank prüften die zum Kauf anstehenden Kreditpakete durchaus: Sie machten Stichproben und schätzten auf dieser Basis grob ein, wie viele ausfallgefährdete – faule – Kredite es beinhaltete. Die Crux: Fanden sie viel faules Material, verzichteten sie auf eine tiefergehende Prüfung, sagen die US-Aufseher.

Vorwurf 3: Laxe Kontrollen
5 von 6

Nicht genug, dass die Deutsche Bank offenbar die Qualität der angekauften und dann zu Wertpapieren verpackten Kredite nicht ausreichend prüfte. Sie ließ es offenbar auch zu, dass der Verkäufer der Hypotheken zum Teil selbstständig und nachträglich ungeprüfte Kredite in die Pools einlagerte.

Vorwurf 4: Die Risiken verschwiegen
6 von 6

Zu guter Letzt monieren die US-Behörden, dass die Deutsche Bank wider besseres Wissen ihren Investoren gegenüber verschwieg, welche Risiken tatsächlich in den Hypothekenverbriefungen lauerten. „Die Deutsche Bank legte ihre eigene Risikotoleranz auf Basis korrekter Bewertungsdaten fest, gewährte Investoren aber nicht die gleiche Aufmerksamkeit“, heißt es im Bericht.

Offenbar wird die finanzielle Belastung aus dem Vergleich deutlich niedriger ausfallen als die eine Milliarde Euro, die die Bank nach Informationen des Handelsblatts für die Affäre zurückgelegt hat. Insgesamt summieren sich die Rückstellungen für Rechtsrisiken derzeit auf 5,9 Milliarden Euro.

Damit ist die Russland-Affäre für die Bank allerdings noch nicht ausgestanden, denn eine Verständigung mit dem US-Justizministerium steht nach wie vor aus. Bislang gebe es keine Indikationen, ob die Behörde den Fall ähnlich bewerte wie die FCA und die New Yorker Finanzaufsicht, heißt es in Finanzkreisen.

Vergleichsverhandlungen mit dem Justizministerium in einem anderen Fall hatten die Deutsche Bank im Herbst in eine tiefe Vertrauenskrise gestürzt. Damals ging es um faule Hypothekendeals aus der Zeit vor der Finanzkrise. Als durchsickerte, dass das Washingtoner Justizministerium die Vergleichsverhandlungen mit einer Forderung von 14 Milliarden Dollar eröffnet hatte, fürchteten die Anleger, dass die Buße die Bank überfordern könnte.

Der Aktienkurs brach auf ein Rekordtief ein und Kunden zogen Milliarden ab. Kurz vor Weihnachten einigte sich das Frankfurter Geldhaus mit der US-Behörde dann auf einen Vergleich über sieben Milliarden Dollar. Am Donnerstag wird die Deutsche Bank ihre Zahlen für das vergangene Jahr präsentieren. Analysten rechnen trotz der rasanten Kurserholung der vergangenen Monate im Schnitt mit einem Verlust von rund 900 Millionen Euro.

Startseite

Mehr zu: Deutsche Bank - Größtes Rechtsrisiko teilweise aus der Welt geschafft

0 Kommentare zu "Deutsche Bank: Größtes Rechtsrisiko teilweise aus der Welt geschafft"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%