Deutsche-Bank-Großaktionär HNA
Chinesen bieten mit für HSH Nordbank

Erst kürzlich ist die chinesische Firmengruppe HNA bei der Deutschen Bank eingestiegen. Jetzt gehört der Konzern zu den Bietern für die HSH Nordbank. Doch es liegen noch mehr Angebote vor.
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Hamburg/KielDie chinesische Firmengruppe HNA gehört zu den Bietern um die angeschlagene HSH Nordbank, die von den Eignern Hamburg und Schleswig-Holstein losgeschlagen werden muss. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg arbeitet HNA mit dem Vermögensverwalter C-Quadrat Investment an der Offerte. Über das Vehikel halte HNA auch einen Anteil in Höhe von 4,76 Prozent an der Deutschen Bank. HNA ziele auf Einsparmöglichkeiten seiner Schiffsfinanzierungssparte mit dem großen Schiffportfolio der HSH Nordbank.

Ein weiterer von mindestens fünf Bietern ist dem Bericht zufolge der Finanzinvestor Apollo. Weder Sprecher der Bank noch von Apollo oder HNA wollten sich zu den Informationen äußern. Noch am vergangenen Donnerstag hatte HSH-Nordbank-Vorstandschef Stefan Ermisch die Werbetrommel für einen erfolgreichen Verkauf der Bank gerührt. Das große Problem dabei offenbarten aber die Jahreszahlen: Die Kernbank verdreifachte ihr Ergebnis, die Abbaubank mit den maroden Schiffskrediten schrieb rote Zahlen – doch verkauft werden muss die komplette Bank, die einen mageren Vorsteuergewinn von 121 Millionen Euro für 2016 auswies. Bis Freitag um 24 Uhr hatten die Interessenten Zeit gehabt, vorläufige Angebote abzugeben.

„Wir sind nach erster Sichtung – wie schon bei den Interessensbekundungen – mit der Resonanz sehr zufrieden“, erklärten die Finanzministerin von Schleswig-Holstein, Monika Heinold (Grüne) und Hamburgs Finanzsenator, Peter Tschentscher (SPD), in einer gemeinsamen Erklärung. Die Länder würden die eingegangenen Angebote nunmehr sorgfältig prüfen und bewerten. Dann würden sie entscheiden, welchen Kaufinteressenten ein vertiefter Blick in den Datenraum gewährt werde. Über die Zahl der Kaufinteressenten verlautete nichts. Zuvor hatte es bereits geheißen, dass zu den Interessenten strategische Investoren auch aus dem Ausland und Finanzinvestoren zählten – ohne dass HNA oder Apollo genannt wurden.

Die EU-Kommission pocht auf einen positiven Kaufpreis für die Gesamtbank. Doch der Preis ist nur ein Kriterium. Um die Chance einer erfolgreichen Privatisierung zu sichern, orientiert sich die Bieterauswahl für die zweite Verfahrensstufe nicht nur an dem gebotenen Kaufpreis, sondern auch an der Eignung der Bieter, die Privatisierung unter den gegebenen beihilfe- und aufsichtsrechtlichen Anforderungen erfolgreich durchführen zu können, argumentieren die Eigner.

Aus eigener Initiative wären die Eigner in Zeiten von Dauerniedrigzinsen, hohen Regulierungsanforderungen und eines harten Wettbewerbs kaum auf die Idee gekommen, die HSH Nordbank zum Verkauf zu stellen. Doch die norddeutschen Bundesländer müssen sich auf Druck Brüssels von der Bank trennen. Eine wiederaufgestockte Bilanzgarantie, die Eigenkapitalcharakter hat, wertete die EU-Kommission als Beihilfe. Sie wurde unter der Auflage genehmigt, dass die Bank bis zum Frühjahr 2018 verkauft wird. Andernfalls droht die Abwicklung.

Zu den Interessenten zählte auch die NordLB. Die Bank, die ebenfalls in der aktuell problematischen Schiffsfinanzierung aktiv ist, hat allerdings kein Angebot abgegeben, stellte ein Sprecher klar. Damit dürfte kein öffentlich-rechtliches Institut mehr im Rennen sein. Das ist insofern bemerkenswert, da der Verkaufsprozess noch misslingen könnte. In diesem müsste möglicherweise die Einlagensicherung der Sparkassen-Finanzgruppe einspringen, da die Sparkassen in Schleswig-Holstein im Zuge der Gewährträgerhaftung noch für alte Verbindlichkeiten der HSH haften muss. Die Rede ist von rund 600 Millionen Euro.

Zudem emittierte die HSH Nordbank Zertifikate im Wert von sieben Milliarden Euro. Sollte der Emittent abgewickelt werden, müsste die Sparkassen-Finanzgruppe auch hier einspringen, um mögliche Reputationsschäden zu vermeiden. Das wäre einfacher zu lösen, wenn ein öffentlich-rechtliches Institut beim Kauf der HSH Nordbank eine Rolle spielen würde. Auf Verbandsseite wurde das aber als nicht entscheidend angesehen. „Mögliche Rettungsaktionen lassen sich in jeder Phase organisieren“, meinte ein Vertreter der regionalen Sparkassenverbände.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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