Deutsche-Bank-Hauptversammlung Glatter Durchmarsch für Paul Achleitner

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Achleitner gibt sich kämpferisch

+++Neue Aufsichtsräte vorgestellt+++

Jetzt folgt ein bisschen Eigenlob: Der Aufsichtsrat hat sich 2016 einer externen Untersuchung unterzogen, mit folgendem Ergebnis: „uns wurde eine in weiten Teilen exzellente Arbeit attestiert, die häufig Maßstäbe für Unternehmenskontrolle setzt“, freut sich Achleitner. Nein, dafür gibt es keine Buhrufe.

Achleitner stellt die neuen Aufsichtsräte vor. Das Augenmerk richtet sich vor allem auf die beiden Vertreter der beiden mächtigsten Anteilseigner. Der erste ist Anwalt Stefan Simon, für die Herrscherfamilie von Katar in das Kontrollgremium einzieht, die knapp zehn Prozent der Anteile an der Bank kontrolliert. Auf ungefähr die gleiche Beteiligung kommt der chinesische Konzern HNA, der Alexander Schütz in den Aufsichtsrat entsendet. Schütz stellt sich vor und erklärt, warum die Chinesen eingestiegen sind. Nach dem Schwächeanfall 2016 müssten alle daran interessiert sein, dass die „Deutsche Bank wieder die Bank wird, die wir kennen“. Dafür gibt es höflichen Applaus.

So gefährlich sind die größten Banken der Welt
Klasse 1 – UBS, Santander, Royal Bank of Scotland
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Der Finanzstabilitätsrat teilt die Banken in fünf Klassen ein. In der ersten Klasse befinden sich laut der vorgesellten Liste 17 Banken, die nicht als besonders systemrelevant gelten – das ist eine weniger als im Vorjahr. Diese Banken müssen ein Prozent mehr Kapital zusätzlich zu der erforderlichen Eigenkapitalquote vorhalten. Unter diesen für das System vergleichsweise nicht besonders gefährlichen Banken befinden sich zum Beispiel die Schweizer Großbank UBS, die Société Générale, die Santander, ING Bank, die Royal Bank of Scotland und Bank Morgan Stanley.

Klasse 1 – Standard Chartered
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Welche Konsequenzen der Brexit für die britische Standard Chartered haben wird, ist noch nicht absehbar. Die Bank belegt wie im Vorjahr einen Platz in Klasse 1, die einen Kapitalaufschlag von einem Prozent voraussetzt.

Neu in Klasse 1: Die Credit Suisse.
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Neu in der Klasse 1 ist die US-Bank Credit Suisse, die im Vorjahr noch mehr Kapital vorhalten musste. Jetzt beträgt dieser Zuschlag für das Schweizer Geldhaus nur noch ein Prozent. Sie hat aus Sicht der Regulierer an Relevanz verloren.

Klasse 2 – Barclays
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James Staley, seit Dezember 2015 Chef der britischen Bank Barclays, konnte die Risikoeinstufung des Geldhauses reduzieren. Barclays gehört, wie auch 2016 schon, nur noch der Klasse zwei an. Dort ist ein Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent erforderlich.

Klasse 2 – Wells Fargo
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Wells Fargo spielt mit Barclays in einer Liga. Beide gehörten Klasse 2 an, was einen Kapitalzuschlag von 1,5 Prozent bedeutet.

Klasse 2 – Goldman Sachs
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Auch die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs wird als „systemisch“ eingestuft, sie muss 1,5 Prozent Kapitalzuschlag vorhalten.

Klasse 2 – Industrial and Commercial Bank of China
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Für genauso systemrelevant halten die Regulierer die Industrial and Commercial Bank of China. Aufschlag auch hier: 1,5 Prozent.

Auch Simon sagt ein paar Worte über sich. Er lobt, dass das Management bei den Aufräumarbeiten schon Fortschritte gemacht hat, aber er betont auch, dass der Weg noch weit ist. Und besonders wichtig: Er betont, dass er sich für das Wohl aller Aktionäre einsetzen wird. Das ist nicht selbstverständlich, denn die neue Macht am Main sorgt bei einigen Großinvestoren durchaus für Stirnrunzeln. Sie fragen sich, wie nahe HNA der kommunistischen Regierung in Peking ist, und sie wollen wissen, wie die beiden neuen Schwergewichte ihre Macht nutzen wollen. Schließlich hatte die Deutsche Bank schon lange keine derart einflussreichen Großaktionäre mehr. Auch bei diesem Thema steht das Geldhaus vor einem Neuanfang mit unbekanntem Ausgang.

Am Ende widmet sich Achleitner noch seinem ganz persönlichen Steckenpferd: Der Bedeutung der Kapitalmärkte für ein starkes Europa. Er sieht die Bank und jeden einzelnen in der Pflicht, zu einem schlagkräftigen Europa beizutragen. Und dazu, das ist eine von Achleitners Grundüberzeugungen „gehört auch ein gemeinsamer Kapitalmarkt, dem in einer modernen Gesellschaft eine ähnlich wichtige Funktion zukommt wie dem Internet“. Und so die Achleitners simple Gleichung: Wer wäre besser geeignet diesen gemeinsamen Kapitalmarkt nach vorne zu bringen als die Deutsche Bank. Sein Schlusswort: „Deutschland und Europa stehen mit einer starken Deutschen Bank ein bisschen besser da.“ Dafür gibt es noch einmal höflichen Applaus, die Buhrufe sind inzwischen verstummt.

+++Achleitner gibt sich kämpferisch+++

Zuerst ist Aufsichtsratschef Paul Achleitner an der Reihe, an ihm ist es, den Ton zu setzen, mit der die Bank in diese kritische Hauptversammlung geht. Er wünscht den Aktionären „einen wunderschönen guten Morgen“, dann ruft er erst einmal die Schrecken der Vergangenheit in Erinnerung: Vertrauenskrise im Herbst, Absturz des Kurses auf ein Allzeittief, Gerüchte über eine laut Achleitner „völlig fehlgeleiteten“ Debatte um eine mögliche Staatsrettung. Ob die Aktionäre diese Erinnerungshilfe wirklich brauchen? Der Schrecken dürfte nicht nur den Bankmanagern, sondern auch den Aktionären noch in den Gliedern stecken.

Aber auf den Schrecken soll die Versöhnung und dann hoffentlich irgendwann auch die Erlösung folgen. Achleitner gibt sich kämpferisch. „Es lohnt sich, für diese Deutsche Bank zu kämpfen“ ruft er den Aktionären zu. Und er proklamiert das Jahr 2016 als Wendejahr. Dafür erntet er die ersten bösen Zwischenrufe dieser Hauptversammlung, es werden nicht die letzten sein.

Das hindert Achleitner nicht, ein Tütchen Lob über den Vorstandschef auszuschütten, den er selbst an Bord geholt hat: „Wir sind stolz – ja stolz – auf die Leistung des Vorstands unter der Leitung von John Cryan in diesem so turbulenten Jahr“. Das Vorstandsteam, das 2015 quasi komplett runderneuert wurde, habe eine „wahre Feuertaufe“ hinter sich. Aber ausruhen sollen sich die Manager auf diesem Lob nicht: „Investoren und Aufsichtsrat erwarten, dass Sie die selbst gesetzten Ertrags- und Kostenziele auch erreichen“, fordert der Aufsichtsratschef. Dafür dürfen die Vorstände dann aber auch mit einer Belohnung rechnen nach dem Bonusverzicht für 2016. „So wie sich die Situation normalisiert, so werden wir auch bei der Deutschen Bank unsere Mitarbeiter wieder marktgerecht bezahlen.“

Den früheren Vorstandsmitgliedern droht dagegen finanzielles Ungemach. Der Aufsichtsrat hat sich intensiv mit der Frage befasst, ob den seinerzeit amtierenden Vorstandsmitgliedern eine persönliche oder kollektive Verantwortung für Fehler der Vergangenheit zukommt. Noch gibt es kein abschließendes Ergebnis, aber immerhin „befindet sich der Aufsichtsrat mit den betroffenen Ex-Vorständen in fortgeschrittenen Gesprächen“, versichert Achleitner. Inzwischen gibt es keinen Zweifel mehr, wie sehr die neue Mannschaft an der Spitze ihre Vorgänger für die Skandale der Vergangenheit verantwortlich macht. „Es waren mit Sicherheit nicht immer alles ehrbare Kaufleute in der Deutschen Bank“, meinte Vize-Vorstandschef Christian Sewing in einer TV-Dokumentation des ZDF.

+++„Kriegen die auch was zu essen“+++

Vorstandschef John Cryan sorgt sich um die Ernährung der Journalisten auf dem Aktionärstreffen. Bei einem Besuch im Medienzentrum der Festhalle hat der Brite nur eine Frage: „Do you feed them?“ („Kriegen die auch was zu essen?“) Die Pressestelle hat vorgesorgt: Es gibt Kaffee, Croissants und belegte Brötchen.

Aktionäre müssen den Gürtel enger schnallen
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5 Kommentare zu "Deutsche-Bank-Hauptversammlung: Glatter Durchmarsch für Paul Achleitner"

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  • Ups, Richtiger Kommentar im falschen Artikel-- sorry!

  • "CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sprach sich jetzt einem Medienbericht zufolge für einen Verbleib der deutschen Soldaten am türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik aus. Abgeordnete müssten den Stützpunkt „nicht zwingend“ besuchen dürfen, sagte Kiesewetter der „Deutschen Welle“."

    Aha, die ersten Politiker üben schon den Kotau vor dem kleinen Sultan - um des lieben Friedens willen. Armes Deutschland.

  • Die Deutsche Bank ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wohin die Geldgier von Spitzenmanagern führt!

    Eine ehemals grundsolide Bank wurde durch "Spielereien" nahezu ruiniert! Die für den Absturz verantwortlichen Spitzenmanager haben sich auf Kosten der Eigentümer (=Aktionäre) persönlich daran bereichert, ohne dabei zu vergessen, sich auch juristisch abzusichern.

    Es wird Zeit, dass die Eigentümer (=Aktionäre) mehr Einfluß bekommen, nicht nur auf die Gehälter, Boni, Pensionszusagen und sonstigen geldwerten Vorteile der Manager, sondern auch auf die Geschäftspraktiken.

  • Ich kann es kaum glauben!

    Sollte man in den Vorstandsetagen des Hauses tatsächlich festgestellt haben, daß, wenn nichts erwirtschaftet wurde, es auch nichts zu verteilen gibt? Damit hätte dann ein ganz neues Zeitalter begonnen.



    :)

  • "++Auch Aktionäre müssen den Gürtel enger schnallen – keine Gratis-Fahrt mit öffentlichem Nahverkehr+++"


    Der Deutschen Bank muß es richtig schlechtgehen. Es wird Zeit, sich von deren Aktien zu trennen.

    Sollen sich doch die Scheichs und Chinesen sich finanziell eine blutige Nase holen.

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