Deutsche Bank-Hauptversammlung
Ackermann kann Kritiker nicht zufriedenstellen

Selbstverpflichtungen der Finanzbranche, verpönte Branchen nicht zu finanzieren, funktionieren nach Ansicht einer Initiative verschiedener Nichtregierungsorganisationen nicht. Das zeige sich am Beispiel Deutsche Bank.
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Frankfurt/BerlinKurz vor dem Abtritt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann haben Kritiker eine vernichtende Bilanz seines zehnjährigen Wirkens gezogen. „Ackermann hat in seiner Amtszeit viel geackert, aber er hat das erklärte Ziel, ein intaktes Haus zu hinterlassen, verfehlt“, urteilte Barbara Happe von der Initiative „Andere Banken braucht das Land“ am Dienstag in Berlin.

Das Bündnis von Nichtregierungsorganisationen wirft dem größten deutschen Geldhaus unter anderem unsaubere Geschäfte mit der Rüstungsindustrie vor. Zudem sei die Bank über Agrarspekulationen mitverantwortlich für den Hunger in der Welt. „Rüstung, Kohle, Atom, Agrarspekulationen - letztlich ging es immer um Profitmaximierung“, bilanzierte Happe. „Es gibt zahlreiche Selbstverpflichtungen, aber der Praxistest zeigt, dass es nicht stimmt.“

Ackermann hatte wiederholt betont: „Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen.“ Die Deutsche Bank in Frankfurt verweist auf jüngste Weichenstellungen. Wenige Monate nach dem Auftritt eines Streubomben-Opfers bei der Hauptversammlung des Konzerns im Mai 2011 kappte die Bank sämtliche Geschäftsbeziehungen auch zu Unternehmen, die neben anderen Produkten auch international geächtete Waffen wie Streubomben herstellen.

Zum Thema Agrarrohstoffe kündigte die Bank im März 2012 an, sie werde „in diesem Jahr keine neuen börsengehandelten Anlageprodukte auf Basis von Grundnahrungsmitteln auflegen“. Gleichzeitig analysiere eine Arbeitsgruppe weiter intensiv „Ursachen und Auswirkungen stark schwankender und vor allem steigender Preise für Agrarrohstoffe“.

Die geballte Kritik von Organisationen wie Foodwatch, Urgewald und dem Dachverband der Kritischen Aktionäre vom Dienstag ist ein Vorgeschmack auf die Hauptversammlung der Deutschen Bank an diesem Donnerstag: Ackermanns letzter Auftritt als Deutsche-Bank- Chef. Nach zehn Jahren im Amt (Mai 2002-Mai 2012) übernehmen nach dem Aktionärstreffen seine Vorstandskollegen Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Führung des Dax-Konzerns.

In einer Serie im Vorfeld der Hauptversammlung beleuchtet Handelsblatt Online verschiedene Aspekte rund um die Deutsche Bank. Leser haben zudem die Möglichkeit, Fragen an die Deutsche Bank zu stellen. Die Redaktion wird fünf Fragen an den Konzern weiterreichen und am Tag vor der Hauptversammlung am 31. Mai die Antworten veröffentlichen.

Bereits erschienen sind:

Teil 1 - Wie Jo Ackermann die Deutsche Bank halbierte
Teil 2 - Angst vor dem Durchmarsch der Investmentbanker
Teil 3 - Gerichtsprozesse sind die größte Baustelle
Teil 4 - Die böse Bank
Teil 5 - „Da gehen bei mir alle Alarmglocken an“
Teil 6 - Ackermanns einsamer Abgang

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsche Bank-Hauptversammlung: Ackermann kann Kritiker nicht zufriedenstellen"

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  • Mich interessiert nur der Kurs,mit Banken aller Coleur war man seit Mai 07 sehr,sehr schlecht gefahren als Anleger.

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