Deutsche-Bank-Hauptversammlung
Ein wenig Liebe für Fitschen und Jain

Sie verschonen die Co-Chefs und schelten die Kirch-Dynastie: Die Aktionäre der Deutschen Bank wettern auf der außerordentlichen Versammlung gegen die Vertreter des verstorbenen Medienzars – und sprechen von „Geiselhaft“.
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FrankfurtWegen seiner Klage strömen Hunderte Aktionäre zur ersten außerordentlichen Hauptversammlung in der Geschichte der Deutschen Bank in die Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst: Franz Enderle, Anwalt der Erben des zerfallenen Imperiums des Medienunternehmers Leo Kirch, kippte vor Gericht die Beschlüsse der Hauptversammlung des Jahres 2012. Doch ausgerechnet als Versammlungsleiter Paul Achleitner den Kirch-Vertreter als ersten Redner ans Pult ruft, ist der noch nicht bereit. Den Unmut der Aktionäre hat sich die Kirch-Dynastie aber ohnehin schon längst zugezogen.

Denn der Streit zwischen Deutscher Bank und Kirch-Gruppe zieht sich nun seit mehr als zehn Jahren hin. Es war im Grunde nur ein Satz, ausgesprochen in einem Fernsehinterview. Doch die Zweifel ihres ehemaligen Vorstandssprechers Rolf Breuer an der Kreditwürdigkeit des Medienunternehmens von Leo Kirch vor mehr als zehn Jahren beschäftigen die Deutsche Bank noch heute. Diese Aussage soll dem Film- und Fernsehimperium den Todesstoß versetzt haben.

Wegen dieses einen Satzes pilgern am Donnerstag mehrere Tausend Anteilseigner in die Jahrhunderthalle in Frankfurt. „Diese Veranstaltung ist eine Pflicht ohne Kür“, warnt Aufsichtsratschef Paul Achleitner gleich zu Beginn der außerordentlichen Hauptversammlung die Aktionäre. „Vorrangiges Thema heute ist die Rechtssicherheit.“ Denn im Grunde geht es vor allem um ein juristisches Hickhack.

Die Aktionäre müssen erneut über die Verwendung des Gewinns, die Bestellung des Wirtschaftsprüfers und die Wahl des Aufsichtsrats, darunter Chefaufseher Achleitner selbst, abstimmen. Denn die Vertreter der Kirch-Erben hatten die Beschlüsse der letzten Versammlung angefochten – und Erfolg gehabt. Erstmals räumt die Bank auch ein, Geld für den Rechtsstreit zurückgelegt zu haben. 

Diesmal ging es dagegen um einen Satz, der nicht ausgesprochen wurde. Der Vertreter der Kirch-Dynastie sah sich bei der Hauptversammlung 2012 in seinem Rederecht beschnitten, weil er nicht mehr ein weiteres Mal zu Wort kam. Das Frankfurter Landgericht gab den Kirch-Anwälten um Enderle Recht und kassierte die wesentlichen Beschlüsse der Hauptversammlung.

Das schürt Unmut unter den übrigen Aktionären. Denn ohne Bestellung eines Abschlussprüfers gibt es keinen testierten Jahresabschluss. Damit gibt es keinen wirksamen Gewinnverwendungsbeschluss, und damit fehlt die Grundlage für Auszahlung die der Dividende. Die ist zwar schon geflossen, doch wäre sie ohne korrekte Basis. „Eine außerordentliche Hauptversammlung ist für uns alle ein Novum. Wir wollen daraus auch keine Gewohnheit machen“, kommentiert Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen trocken.

„Der Kirch-Gruppe geht es nicht um Aktionärsrechte, sondern um die Zweckentfremdung der Aktionärsrechte“, wettert etwa Klaus Nieding, Anlegeranwalt und Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Kirch-Gruppe wolle allein ihre Eigeninteressen durchsetzen, auf Kosten der anderen Aktionäre. Die Erben feierten eine "Privat-Party". 

Die Bank beziffert die Kosten für die außerordentliche Versammlung auf rund fünf Millionen Euro. Nieding verlangt von der Kirch-Seite, sich an den Aufwendungen zu beteiligen. Feiern auf Kosten anderer sei im wahrsten Sinne des Wortes "asiozial". „Wir fordern die Kirch-Dynastie auf, ihre Angelegenheiten da auszufechten, wo es hingehört, im Gerichtssaal“, so Nieding. „Entlassen Sie uns endlich aus der Geiselhaft.“

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Ein wenig Liebe für Fitschen und Jain

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„Es gibt derzeit keine Vergleichsverhandlungen“

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  • nieding in nadelstreifen ist doch kein aktionärsvertreter,das is doch einausschließlich auf seinen eigenen vorteil bedachter prozeßhansel,der auf hauptversammlung anwalt wichtig gibt um mandate abzugreifen.

    die DEUTSCHE BANK braucht noch viel mehr kirchs,um endlich ihre aktive und beihilfe zur steuerhinterziehung,betrug an kommunen,an pensionseinrichtungen,an zinssätzen,an anlegern,an aktionären zu beenden.

    15 bis 20 milliarden strafzahlungen werden dich aufaddiert haben,bis alle verfahren beendet sind und da soll ne hauptversammlung für 10 millionen ein problem sein

    da können die laienvoratände ordentlich arbeiten üben

  • Geschieht meines Erachtens der Deutschen bank völlig zurecht, dass da Sand im Getriebe ist. Den Streit hätte man schon vor 10 Jahren mit einem Vergleich schlichten können. So stinkt der Fisch halt weiter am Kopf... Wie lange lassen sich das die Aktionäre noch gefallen?

  • Früher hat man Kriege geführt, wenn man seinen Feind loswerden wollte. Heute gibt es da viel subtilere Methoden .....

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