Deutsche-Bank-Hauptversammlung
Glatter Durchmarsch für Paul Achleitner

Entspanntes Finale für die Deutsche Bank auf der Hauptversammlung: Dank der Dominanz der neuen Großaktionäre setzt sich der Aufsichtsrat auch bei allen umstrittenen Abstimmungen durch. Alles Wichtige zum Nachlesen.
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FrankfurtDie Hauptversammlung der Deutsche Bank bot zwar allerlei Konfliktstoff und Streitthemen. Doch die Abstimmung zeigt: Gegen die Stimmenmacht der Großaktionäre aus China und Qatar können kritische Aktionäre sich nicht durchsetzen. Alle Tagesordnungspunkte gingen im Sinne der Bank aus.

  • Aufsichtsratschef Paul Achleitner erhält bei seiner Wiederwahl 93,5 Prozent der Stimmen.
  • Zum Ärger der Fondsgesellschaften Deka und Union Investment segnet die Mehrheit der Aktionäre ein genehmigtes Kapital von 36 Prozent des Grundkapitals für mögliche weitere Kapitalerhöhungen ab.
  • Die Aktionärin Marita Lampatz, die einen Antrag auf Sonderprüfung stellte, erzielte mit 25 Prozent der Stimmen nicht mehr als einen Achtungserfolg. Sie wollte die Skandale um den Libor-Zinssatz und eine russische Geldwäsche-Affäre extern und unabhängig untersuchen lassen. Die beiden mächtigen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis hatten den Antrag unterstützt.
  • Die Bank kündigt an, dass Ex-Vorstände des Instituts für frühere Skandale einen „wesentlichen Finanzbeitrag“ leisten sollen.

+++ 93,5 Prozent der Aktionäre stimmen für eine zweite Amtszeit Paul Achleitners +++

Paul Achleitner bleibt für weitere fünf Jahre Aufsichtsratschef der Deutschen Bank. Die Aktionäre wählten ihn bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt mit 93,51 Prozent der anwesenden Stimmen erneut in den Aufsichtsrat – diesem soll der Österreicher für eine zweite Amtszeit vorstehen. Achleitner hatte den Posten im Juni 2012 übernommen. Damals hatte er bei seiner Wahl in den Aufsichtsrat 98,57 Prozent der Stimmen bekommen. Achleitner hatte sich bei dem Aktionärstreffen teils heftige Kritik anhören müssen. Dem Chefkontrolleur war zuvor wiederholt vorgeworfen worden, zu lange an der glücklosen Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen festgehalten zu haben. Erst im Sommer 2015 hatte der Aufsichtsrat die Reißleine gezogen, installierte John Cryan als neuen starken Mann an der Konzernspitze und trieb die Aufarbeitung der juristischen Altlasten voran. Nach gut zehn Stunden beendet der Aufsichtsratschef das Aktionärstreffen: „Ich weiß, es trifft Sie hart, aber die heutige Hauptversammlung ist hiermit geschlossen“, sagt er in einer fast leeren Festhalle. 2016 hatte die Veranstaltung fast zwei Stunden länger gedauert.

+++ Deutsche Bank bekommt bei Kapitalerhöhungen freie Hand +++
Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank haben bei großen Kapitalerhöhungen auch künftig freie Hand. Die Aktionäre stimmten am Donnerstag mit der nötigen Dreiviertel-Mehrheit für zwei Vorratsbeschlüsse, die dem Institut in den kommenden fünf Jahren Kapitalerhöhungen um bis zu 50 Prozent ermöglichen. 93 Prozent votierten für die Möglichkeit zu einer Kapitalerhöhung mit Bezugsrecht um bis zu knapp 39 Prozent des Grundkapitals.

+++ Aktionäre billigen Vorstands-Vergütungssystem +++
Das Vorstandsvergütungssystem der Deutschen Bank hat im zweiten Anlauf die Zustimmung der Aktionäre gefunden. Die Hauptversammlung billigte am Donnerstag das System, das die Bank nach der Kritik im Vorjahr noch einmal überarbeitet hatte. 96,8 Prozent des Kapitals hätten der Regelung zugestimmt, verkündete Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Er hatte zuvor für die neuen Regelungen geworben: Sie seien nun „transparenter und weniger komplex“. Die feste Vergütung für Vorstandschef John Cryan sinkt nach dem neuen System auf 3,4 von 3,8 Millionen Euro. Insgesamt kann ein Deutsche-Bank-Vorstand maximal 9,85 Millionen Euro im Jahr verdienen.

Vor einem Jahr war das Vergütungssystem bei den Aktionären durchgefallen. Mehr als 50 Prozent hatten dagegen gestimmt.

+++ Es gibt keine Sonderprüfungen +++
Zwei der größten Rechtsstreitigkeiten der Deutschen Bank werden nicht noch einmal von externen Sonderprüfern durchleuchtet. Eine Aktionärin scheiterte auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Frankfurt mit entsprechenden Anträgen, obwohl sie die Unterstützung der einflussreichen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis hatte. Die Niederlage fiel deutlich aus: Gegen die drei Anträge stimmten jeweils mehr als 74 Prozent des Kapitals.

In den Anträgen ging es um den Skandal um manipulierte Zinsen (Libor) und die Geldwäsche-Affäre in Russland. In beiden Fällen hat die Deutsche Bank Strafen an die Aufsichtsbehörden gezahlt. Die kritische Aktionärin Marita Lampatz monierte aber mangelnde Transparenz bei den internen Ermittlungen. Sie wollte untersuchen lassen, ob die Bank im Zinsskandal eine höhere Strafe bezahlen musste, weil Vorstand und Aufsichtsrat mit den Aufsichtsbehörden nicht ordentlich zusammengearbeitet haben. Denn der Abschlussbericht insbesondere der britischen Aufseher fiel vernichtend aus.

+++ Ex-Vorstände sollen für Skandale zahlen +++
Für Ex-Vorstände der Deutschen Bank könnten die früheren Skandale noch ein teures Nachspiel haben. „Der Aufsichtsrat unter meiner Führung ist intensiv dabei, die Vergangenheit und auch die Verantwortung der zu dieser Zeit Amtierenden aufzuarbeiten“, sagte Aufsichtsratschef Paul Achleitner. Unzählige Anwälte, Spezialisten unter anderem für deutsches, englisches, italienisches und amerikanisches Recht, haben Skandale von den Zinsmanipulationen bis hin zum Geldwäscheskandal in Russland durchleuchtet. Sie sollen prüfen, ob die Bank von Ex-Vorständen Boni rückerstatten oder Schadensersatz fordern lassen kann.

Bis heute ist diese Untersuchung noch nicht vollständig abgeschlossen. Doch womöglich wird es eine freiwillige Lösung geben, wie Achleitner andeutet. „Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen mit den seinerseits amtierenden Vorstandsmitgliedern, ob diese freiwillig zur Leistung eines wesentlichen finanziellen Beitrags bereit sind. Nach Erwartung des Aufsichtsrates wird es hierzu in den nächsten Monaten eine Regelung geben, die einen wesentlichen Finanzbeitrag der Betroffenen sicherstellt“, so Achleitner.

+++ Eine Untersuchung durch unabhängige Dritte ist alternativlos +++
Der Vertreter der kritischen Aktionärin Marita Lampatz, der Anwalt Oliver Krauss, ist nun ans Pult getreten. Er erklärt, warum seine Mandantin mit drei Sonderanträgen zwei der großen Skandale der Bank mithilfe unabhängiger Sonderprüfungen noch einmal durchleuchten möchte. Er erinnert daran, wie im Vorjahr ein Aufsichtsrat, der Anwalt Georg Thoma, gedrängt wurde, weil er nach Ansicht seiner Aufsichtsratskollegen mit seinen Ermittlungen überzogen habe. „Das erinnert fatal an die Wagenburg-Mentalität, des US-Präsidenten Donald Trumps wenn es um FBI-Ermittlungen geht“, sagt er. „Grundlage jedes Vertrauens in die Deutsche Bank ist aber die ernsthafte, unabhängige Prüfung der Verantwortlichkeiten der für die bestehenden Missstände verantwortlichen Personen.“ Er argumentiert, dass die Bank diese Vorfälle immer nur intern untersucht habe, jedoch nie Ergebnisse veröffentlicht worden seien. „Glauben Sie, dass unter diesem Aufsichtsrat eine gründliche Aufklärung, ohne Ansehen der Person, ohne Rücksicht auf die Befindlichkeiten abgeschlossen werden“, fragt er rhetorisch. „Eine Untersuchung durch unabhängige Dritte ist alternativlos“, ruft er den anderen Aktionären zu. Mehr als ein Achtungserfolg dürfte den Anträgen jedoch kaum beschieden sein. Zwar hatten sich mit Glass Lewis und ISS zwei wichtige Stimmrechtsberater diesen Forderungen angeschlossen. Doch auf der Hauptversammlung sind nur 42 Prozent des stimmberechtigten Aktienkapitals anwesend – und die Großaktionäre der Bank kommen gemeinsam auf 25 Prozent. An deren Stimmpaketen vorbei ist heute nichts zu machen.

+++„Auch bei Kandidaten von Großaktionären muss es einen robusten Prüfungsprozess geben“+++++

Jetzt ist Hans-Christoph Hirt an der Reihe. Der Manager des britischen Aktionärsberaters Hermes EOS ist schon lange ein mächtiger Kritiker auf deutschen Hauptversammlungen. So hat er im vergangenen Jahr mit dafür gesorgt, dass das Bonussystem der Deutschen Bank mehrheitlich abgelehnt wurde. Am Donnerstag gab er sich vor den rund 3600 Aktionären in der Festhalle der Frankfurter Messe etwas versöhnlicher. „Wie begrüßen die Fortschritte, die die Deutsche Bank seit der letzten Hauptversammlung bei der Umsetzung der Strategie gemacht hat“, sagte der in London lebende Deutsche.
Allerdings sieht er immer noch große Defizite im Management der Bank. So kritisierte er die überraschende strategische Kehrtwende dieses Jahres, als binnen 18 Monaten entschieden wurde, die Postbank doch nicht zu verkaufen sondern zu integrieren. Statt ständig an der Strategie herumzuschrauben, solle sich das Management auf die Umsetzung konzentrieren. „Jetzt gilt es, die angekündigten Änderungen endlich auch einmal erfolgreich umzusetzen“, so der Manager, der 42 Pensionsfonds mit einem Aktienvermögen von mehr als 300 Milliarden Euro berät.
Und auch der Kulturwandel sei bei weitem noch nicht da, wo er sein sollte, monierte Hirt. Die Stimmung der Mitarbeiter seit schlecht und das Thema Nachhaltigkeit noch nicht Teil der Strategie. „Wir stellen fest, dass beim Thema Kultur weiterhin sehr viel Arbeit nötig sein wird, um ein für die Zukunft belastbares Fundament zu legen.“
Besonders kritisch äußerte sich Unternehmensschreck Hirt aber zu der Vertretung der neuen Großaktionäre HNA und Katar im Aufsichtsrat: Zwar spreche nichts dagegen, dass große Investoren Vertreter in den Aufsichtsrat entsenden. Aber für deren Qualifikation müssten die gleichen Regeln gelten wie für alle anderen Mitglieder des Kontrollgremiums: „Auch bei Kandidaten die von den Großaktionären entsandt werden, muss es einen robusten Prüfungsprozess geben.“

+++„Es reicht nicht, auf Boni zu verzichten, die sie ohnehin nicht verdienen“+++++

Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger tritt ans Rednerpult. Er blickt ins Publikum, dann zum Vorstand. „Sie haben gesagt, 9.000 Leute haben sich zur Hauptversammlung angemeldet, es sind noch nicht mal 2.000 hier. Wo sind die alle? Sind die im Freibad? Abgesoffen, weil die Aktienkurse so schlecht sind?“ Buhlmann redet sich immer mehr in Rage. „Kommt die Deutsche Bank jetzt langsam mit dem Hintern wieder hoch oder haben Sie den Glauben daran selbst verloren?“, fragt er. Er kritisiert, es gebe viel zu viele Vorstände, der die Bank zu viel Geld zahle. Man müsse die Zahl an der Spitze reduzieren.
Allerdings findet er anerkennende Worte für Aufsichtsratschef Achleiter: Unter seiner Leitung habe sich einiges verbessert - nur leider zu langsam. Die Bank müsse endlich wieder wachsen, er wolle bald wieder eine richtige Dividende sehen. Die Deutsche Bank habe in den letzten Jahren 30 Milliarden Kapital eingesammelt - „das Geld ist weg“. Es sei zu wenig, auf die Boni zu verzichten. „Es reicht nicht, auf das zu verzichten, was sie ohnehin nicht verdienen.“ Trotz aller Kritik spricht er sich zuletzt für eine Wiederwahl Achleitners aus.

+++Union Investment lehnt neuen Kapitalrahmen für die Deutsche Bank ab+++

Watschen zum Dessert: Zum Schluss seiner Rede kündigt Union-Investment-Manager Ingo Speich an, dass die Fondsgesellschaft der Bank eine Genehmigung für Aktienrückkäufe und für einen neuen Kapitalrahmen ablehnt. „Wir sind gegen Aktienrückkäufe und bevorzugen die Bardividende“, begründet er seine Haltung. „Das krasse Missverhältnis zwischen Boni und Dividenden muss künftig wieder ins Lot gebracht werden.“ Er stellt sich auch gegen den neue Kapitalrahmen, der es der Bank erlauben würde, in erheblichem Umfang neue Aktien zu platzieren. „Der Vorratsbeschluss für eine Kapitalerhöhung ist überdimensioniert und entspricht nicht unseren Vorstellungen von Kapitaldisziplin. Wir sind nicht bereit, dem Management einen Blankoscheck für weitere große Kapitalerhöhungen auszustellen“, sagt er.

Da spricht der gebrannte Aktionär. Wir haben einmal nachgerechnet: Seit 2007 hat sich die Zahl der Deutsche-Bank-Aktien auf gut zwei Milliarden Aktien fast vervierfacht. Sechs Kapitalerhöhungen hat es seither gegeben, mit denen die Bank 32,8 Milliarden Euro eingesammelt hat – in den ersten Jahren, um den Kauf der Postbank zu stemmen, später dann in erster Linie, um die zahllosen und teuren Geldbußen zu begleichen. Erst vor wenigen Wochen, im März, hatte die Bank sämtliche noch existierende Kapitalvorratsbeschlüsse ausgereizt für ihre acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung. Genug ist genug, meint Fondsmanager Speich: „Eine zusätzliche Verwässerung für die Altaktionäre in dieser Größenordnung ist nicht hinnehmbar.“

+++ Union Investment sorgt sich um Rechtsrisiken der Bank +++

Ingo Speich, der für die Themen Nachhaltigkeit und aktives Aktionärstum zuständige Portfoliomanager der Fondsgesellschaft Union Investment, ist ans Rednerpult getreten. „Die Aktionäre der Deutschen Bank blicken auf eine verlorene Dekade zurück“, moniert er. Nur mit einem halben Dutzend Kapitalerhöhungen im Gesamtvolumen von 30 Milliarden Euro sei es gelungen, die Löcher in der Bilanz der Bank zu stopfen. Entsprechend froh ist er darüber, dass die Bank nun zumindest den Rechtsstreit mit den US-Behörden über fragwürdige US-Hypotheken beigelegt hat. Dass es mittlerweile weniger Rechtsstreitigkeiten gibt, ist für ihn „ein Meilenstein“. Ganz entspannt ist er bei dem Thema aber noch nicht.

Deutsche-Bank-Chef John Cryan hatte an die Aktionäre geschrieben, dass „von den zwanzig wesentlichen Rechtsfällen, auf die etwa 90 Prozent des finanziellen Risikos entfallen“, neun vollständig oder teilweise beigelegt seien. „Was sind mit den anderen elf? Bis wann wollen Sie diese beilegen? Haben Sie dafür genügend Rückstellungen gebildet? Oder droht im schlimmsten Fall eine weitere Kapitalerhöhung?“, fragt Speich, der die Interessen von vier Millionen Anlegern vertritt.

 

+++Deka lehnt Aktienrückkaufe ab+++

Jetzt kommt Andreas Thomae von der Fondsgesellschaft Deka an die Reihe, die in diesem Jahr deutlich engagierter auf den deutschen Hauptversammlungen auftritt. Er spricht für knapp ein Prozent des Eigenkapitals, und diese Macht nutzt er nicht nur zur Kritik am schwachen Aktienkurs und den im vergangenen Jahr gezahlten Halteprämien für wichtige Mitarbeiter. Thomae kündigt auch einige Entscheidungen an, die der Deutschen Bank wehtun dürften: Deka will der Bank keinen Blankoscheck für künftige Kapitalerhöhungen ausstellen. Deshalb stimmt der Großinvestor gegen den geplanten Kapitalrahmen von 50 Prozent des Grundkapitals. Grund: Die Richtlinien des Fonds befürworten nur ein genehmigtes Kapital von maximal 20 Prozent befürworten. Größere Beträge sollten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung begründet und beschlossen werden. Damit wollen die Investoren verhindern, dass sich Konzerne in teure Abenteuer wie Übernahmen stürzen, ohne vorher ihre Aktionäre zu fragen. Auch von den geplanten Aktienrückkäufen will die Deka nichts wissen. Grund: Dividenden wären besser.
Noch unbequemer für die Bank: Thomae unterstützt einen der Anträge auf Sonderprüfung. Deka schließt sich damit einer kritischen Aktionärin an, die durch externe Prüfer untersuchen lassen will, ob Vorstand und Aufsichtsrat bei der Aufklärung des Skandals um die Fälschung des Referenzzinses Libor Fehler gemacht hat.
Thomae endet mit aufmunternden Worten, man könnte von einem versöhnlichen Ende seiner Rede aber auch von einem frommen Wunsch sprechen. „Herr Cryan, Sie haben einen angeschlagenen Tanker übernommen, der früher einmal ein Luxusliner war, und ihn durch die raue See geführt. Nun haben Sie das Geld für eine Generalüberholung an die Hand bekommen. Machen Sie etwas daraus! Wir brauchen eine starke Deutsche Bank!

+++ „Mit dieser Bilanz können wir nicht zufrieden sein“ +++

Traditionell beginnt Klaus Nieding mit der Aussprache der Aktionäre. Er beklagt zunächst einmal die geringe Profitabilität und die starke Verwässerung der Aktie nach sechs Kapitalerhöhungen der Bank. „Wir haben unsere Kosten nicht im Griff“, beklagt er auf die hohe Aufwands-Ertrags-Relation der Bank. Ein Anleger, der Anfang 2012 für 10.000 Euro Deutsche-Bank-Aktien erworben hat, die Dividende zum Kauf neuer Aktien eingesetzt und sich an den Kapitalerhöhungen beteiligt hat, besaß Ende 2016 noch ein Depotwert von 6.776 Euro. „Mit dieser Bilanz können wir alle nicht zufrieden sein“, sagt Nieding unter dem Applaus der Aktionäre. „Wenn wir uns nicht langsam mal wieder auf’s Geldverdienen konzentrieren, dann wird das nichts mit dem Aktienkurs“, sagt er. Natürlich habe die Bank unter der Krise zu leiden gehabt. Doch die Wettbewerber hätten die Aufräumarbeiten früher beendet.

Auch das Vergütungssystem nimmt Nieding sich noch einmal vor: Im vergangenen Jahr hatten die Aktionäre den Vorschlag der Bank abgelehnt. Durch die Entwicklung im vergangenen Jahr sieht er sich bestätigt. Dass die Vorstände der Bank für 2016 auf ihre Boni verzichtet hätten, sei nichts als „Offenbarungseid des aktuellen Vergütungssystems“. Schließlich lief das vergangene Jahr geschäftlich ja alles andere als rund.

+++ Achleitner darf Hauptversammlung leiten +++
Aufsichtsratschef Paul Achleitner darf die Hauptversammlung weiter leiten. 99,75 Prozent der 3600 Aktionäre lehnen den Abwahlantrag ab. Für Anwalt Klaus Nieding, der für die DSW spricht, war das klar: „Es gäbe nur einen Grund, den Versammlungsleiter abzuwählen: wenn er bei der Leitung der Hauptversammlung Fehler gemacht hat.“

+++Großaktionäre dominieren die Hauptversammlung+++

 Bei der Hauptversammlung mischen weniger als die Hälfte der Aktionäre aktiv mit: Die Präsenz liegt gerade einmal 42 Prozent des Aktienkapitals, Briefwähler inklusive. Das ist sehr komfortabel für Aufsichtsratschef Paul Achleitner: Die Großaktionäre der Deutschen Bank, der chinesische Mischkonzern HNA, die Herrscherfamilie von Qatar sowie der Vermögensverwalter Blackrock, kommen gemeinsam auf etwa 25 Prozent der Aktien. Das bedeutet, sie repräsentieren heute knapp 60 Prozent der anwesenden Stimmen. Mit Ausnahme eines Tagesordnungspunkts, bei dem es um die Einladungsfristen zu Hauptversammlungen geht und für den eine Zustimmung von 75 Prozent nötig ist, dürften die Anträge der Bank auf der Hauptversammlung damit glatt durchgehen.

+++ Begrenzte Redezeit für Aktionäre +++

Die Auszählung über die Abwahl von Paul Achleitner als Versammlungsleiter dauert an. Die Verzögerung müssen die Aktionäre ausbaden: Die Redezeit ist von Beginn an auf acht Minuten begrenzt.

+++Aktionär fordert Absetzung von Achleitner+++

Die erste Verzögerung im Ablauf: Der kritische Aktionär Michael Bohndorf fordert die Absetzung von Paul Achleitner als Versammlungsleiter. Achleitner sei befangen und handle im Eigeninteresse, er habe sich selbst zur Wiederwahl in den Aufsichtsrat gestellt. Das sei nicht zulässig. Außerdem habe Achleitner seine Pflichten grob verletzt, zum Beispiel bei der Aufarbeitung des Libor-Skandals.

+++Man spricht wieder deutsch+++

Der Deutschen Bank ist oft vorgeworfen worden, ihre deutschen Wurzeln vernachlässigt zu haben. Selbst Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat dem Handelsblatt einmal gesagt, er habe gedacht, „die Deutsche Bank sei in Deutschland deutlich fester verankert“. Kein Wunder, dass John Cryan peinlichst darauf bedacht ist, Heimatverbundenheit zu demonstrieren. Seine Reden auf der Hauptversammlung hält er regelmäßig auf Deutsch, wie auch heute. Er hebt auch hervor, dass die Bank seit mehr als 70 Jahren die Hausbank des Spielwarenherstellers Steiff ist. „Wir helfen dem Familienunternehmen dabei, Risiken zu steuern und Wachstum zu finanzieren“, sagt er. Und er sagt: „Wir verstehen uns als die Deutsche Bank.“ Als er dann noch bemerkt: „Sogar die Namen unserer Geschäftsbereiche versteht man jetzt auf Deutsch“, gibt es spontanen Applaus seitens der Aktionäre.

+++ John Cryan stellt Aktionäre auf „ein weiteres Jahr des Umbaus“ ein +++

Nun spricht Vorstandschef John Cryan. „Ich freue mich, heute wieder bei Ihnen zu sein – nach einem turbulenten Jahr für die Deutsche Bank. Einem Jahr, in dem viele an uns gezweifelt haben“, sagt der Brite – er spricht, wie üblich auf Deutsch. Diese Aussage kann man wohl als britisches Understatement bezeichnen. Das vergangene Jahr war mehr als nur turbulent. Im Herbst litt die Deutsche Bank unter einer schweren Vertrauenskrise, weil die US-Behörden der Bank mit einer extrem hohen Strafe gedroht hatten.

Aber Cryans Motto ist ohnehin „look at the bright side of life“ – immer auf das Gute sehen. Er spricht von der „historischen Chance“, eine bessere Deutsche Bank zu schaffen“. Also einer Bank, der die Kunden vertrauen, die stärker in ihrem deutschen Heimatmarkt verankert ist, die nachhaltige Gewinne erzielt und verlässlich Dividenden auszahlt. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Im vergangenen Jahr schlug ein Milliardenverlust zu Buche und die Dividende zahlt das Institut nur deshalb, weil Aktionäre sich eine Mindestausschüttung vor Gericht erklagt hatten.

Zu den unbestreitbaren Fortschritten zählt immerhin: Einige wichtige Rechtsstreitigkeiten hat die Bank mittlerweile hinter sich gelassen hat. Allein für fragwürdige US-Hypotheken musste sie 7,2 Milliarden Dollar zahlen. Aber immerhin: „Auch wenn es weitere offene Fälle gibt. Wir gehen davon aus, dass wir das Schlimmste hinter uns haben“, sagt Cryan. Auch an anderen Stellen gab es Fortschritte. Die Altlastensparte NCOU der Bank ist mittlerweile abgewickelt, neue Finanzkriminalitätsbekämpfer wurden eingestellt, Beteiligungen erfolgreich verkauft. Das Sparpaket beginnt zu greifen – allmählich sinken auch die Kosten.

Trotz aller Fortschritte sind die Aufräumarbeiten der Bank aber noch nicht abgeschlossen. „2017 ist ein weiteres Jahr des Umbaus, aber unter besseren Vorzeichen“, sagt Cryan. „Wir sehen bessere Ertragschancen, auch dank einer leichten, konjunkturellen Erholung in Europa und einer robusten US-Wirtschaft.“ Die niedrigen Zinsen würden Banken jedoch weiter belasten.

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  • Ups, Richtiger Kommentar im falschen Artikel-- sorry!

  • "CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sprach sich jetzt einem Medienbericht zufolge für einen Verbleib der deutschen Soldaten am türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik aus. Abgeordnete müssten den Stützpunkt „nicht zwingend“ besuchen dürfen, sagte Kiesewetter der „Deutschen Welle“."

    Aha, die ersten Politiker üben schon den Kotau vor dem kleinen Sultan - um des lieben Friedens willen. Armes Deutschland.

  • Die Deutsche Bank ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wohin die Geldgier von Spitzenmanagern führt!

    Eine ehemals grundsolide Bank wurde durch "Spielereien" nahezu ruiniert! Die für den Absturz verantwortlichen Spitzenmanager haben sich auf Kosten der Eigentümer (=Aktionäre) persönlich daran bereichert, ohne dabei zu vergessen, sich auch juristisch abzusichern.

    Es wird Zeit, dass die Eigentümer (=Aktionäre) mehr Einfluß bekommen, nicht nur auf die Gehälter, Boni, Pensionszusagen und sonstigen geldwerten Vorteile der Manager, sondern auch auf die Geschäftspraktiken.

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