Deutsche-Bank-Hauptversammlung: Wie viele Stimmen wird Achleitner erhalten?

Deutsche-Bank-Hauptversammlung
Glatter Durchmarsch für Paul Achleitner

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Wie viele Stimmen wird Achleitner erhalten?

+++Wiederwahl von Achleitner ungefährdet+++

Um seine Wiederwahl muss sich Achleitner trotzdem nach menschlichem Ermessen keine Sorgen machen. Denn die beiden wichtigsten Anteilseigner, die Herrscherfamilie des Scheichtums Katar und der chinesische Konzern HNA stärken dem alten und wohl auch künftigen Aufsichtsratschef den Rücken. Allerdings fragen sich andere Großinvestoren inzwischen besorgt, was HNA und Katar mit ihren Paketen von jeweils knapp zehn Prozent vorhaben. Denn beide Parteien werden aller Wahrscheinlichkeit nach einen Vertreter in den Aufsichtsrat schicken, und damit steht die Frage im Raum, wie die zwei mit Abstand wichtigsten Anteilseigner ihren Einfluss nutzen. Die neue Macht am Main ist nicht zu unterschätzen.

Sollten auf der Hauptversammlung erneut so wenige Aktionäre erscheinen wie 2016 - damals lag die Präsenz bei 36 Prozent - dann ließe sich gegen diese Gruppe keine Mehrheit erzielen. Wie kritisch das einige Investoren sehen, zeigen die Aussagen von Hans-Christoph Hirt vom einflussreichen britischen Aktionärsberater Hermes EOS: „ Im Prinzip spricht nichts dagegen, dass große Anteilseigner im Aufsichtsrat vertreten sind, aber wir fordern vom Nominierungsausschuss, dass er die Zusammensetzung des Gremiums genau beobachtet und für eine sorgfältige Auswahl der Mitglieder sorgt“.

+++Die Konfliktfelder für die Bank+++

Für Konflikte dürfte auch der Plan der Deutschen Bank sorgen, sich nach der erneuten milliardenschweren Kapitalerhöhung auf dem Aktionärstreffen ein genehmigtes Kapital von 50 Prozent des Grundkapitals absegnen zu lassen. „Das sehen wir kritisch, und wir haben auch schon unsere Bedenken gegenüber dem Aufsichtsrat geäußert", gab Michael Schmidt, der für Corporate Governance, der guten Unternehmensführung, zuständige Geschäftsführer von Deka Investment bereits vor einigen Wochen zu Protokoll.

Auch bei anderen heimischen Fondsgesellschaften wird über die Pläne der Frankfurter hitzig diskutiert. Die Großinvestoren werden deutlich kritischer, wenn es um die üblichen großzügigen Vorratsbeschlüsse für Kapitalerhöhungen geht, die sich börsennotierte Unternehmen einräumen lassen. Die Fonds wollen damit verhindern, dass Konzerne Übernahmen in die Wege leiten können, ohne dass die Aktionäre ein Mitspracherecht haben. „Deutsche Konzerne bekommen auf ihren Hauptversammlungen keinen Freifahrtschein für Kapitalerhöhungen mehr", warnte Ingo Speich, Portfolio-Manager bei Union Investment Anfang Mai. Die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken hat hier grundsätzlich eine Obergrenze von 20 Prozent im Vergleich zum vorhandenen Eigenkapital festgelegt.

+++ Wird der Sonderprüfungsantrag angenommen?+++

Anfang Februar drückte Vorstandschef Cryan in einem offenen Brief im Namen des gesamten Führungsgremiums sein "tiefes Bedauern" für die Skandale der vergangenen Jahre aus. Doch aus Sicht wichtiger Aktionäre und Stimmrechtsberater ist es für einen Schlussstrich noch zu früh: Die beiden mächtigen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis empfehlen Investoren auf der Hauptversammlung die Anträge einer kritischen Aktionärin zu unterstützen, die die Vergangenheit noch einmal mit Hilfe externer Prüfer aufarbeiten will. ISS und Glass Lewis gelten als einflussreich, weil viele institutionelle Investoren ihren Ratschlägen folgen. Ein Sonderprüfungsantrag für die Deutsche Bank, den beide im Vorjahr unterstützt hatten, schrammte nur knapp an einer Mehrheit vorbei. Die drei Sonderprüfungen, um die es diesmal geht, hatte die Aktionärin Marita Lampatz gestellt, deren Ehemann mit der Deutschen Bank seit langem wegen verlustreicher Sal.-Oppenheim-Fonds im Clinch liegt.

Lampatz will mit den Sonderprüfungen die Verantwortung von Vorstand und Aufsichtsrat bei zwei großen Skandalen extern und unabhängig beleuchten lassen. Das betrifft den Libor-Skandal, bei dem Händler der Bank wichtige Referenzzinssätze manipulierten, und eine russische Geldwäsche-Affäre.

ISS bemängelt die "Weigerung der Bank, Details der Ergebnisse der Untersuchungen zu veröffentlichen". Es gebe bedeutsame Zweifel an den Fähigkeiten des Aufsichtsrats, potenzielles Fehlverhalten der eigenen Mitglieder zu untersuchen. Das scheint auf Aufsichtsratschef Achleitner gemünzt zu sein. Der war unter Beschuss geraten, weil die britische Aufsichtsbehörde FCA ihn dafür kritisiert hatte, dass er einen Bericht der deutschen Finanzaufsicht Bafin nicht weitergeleitet hatte. "Es bleibt unklar, wie und in welchem Ausmaß die Rolle Achleitners intern untersucht wurde, als die Bank nicht angemessen bei den Untersuchungen der britischen Behörden kooperierte", moniert ISS. Aus Sicht von Glass Lewis sollten die Investoren Vorstand und Aufsichtsrat sogar die Entlastung verwehren. Das liegt nicht daran, dass der Aktionärsberater gegen alle Topmanager und Kontrolleure etwas einzuwenden hat, gegen einzelne aber schon. Doch weil keine Einzelabstimmungen vorgesehen sind, ist Glass Lewis für eine Ablehnung.

+++ Top-Aktionär: „Die Deutsche Bank steht jetzt unter Beobachtung“+++

Und dann gibt es ja noch die neue Strategie. Die Grundpfeiler sind eingezogen, das Personal-Tableau rund um den neuen Finanzchef sortiert. Die wichtigsten Rechtsstreitigkeiten wurden beigelegt. Aber zu einem wirklichen Neustart würden auch wieder üppiger sprudelnde Gewinne gehören. Zwar verdiente die Bank im ersten Quartal immerhin rund 570 Millionen Euro. Aber für viele Analysten war das trotzdem eine Enttäuschung, vor allem weil die Einnahmen noch einmal zurückgingen. Die tiefe Vertrauenskrise im vergangenen Herbst hat die Bank wertvolle Marktanteile gekostet. Verängstigte Kunden zogen Milliarden ab. Deshalb wollen die Investoren jetzt vor allem eines wissen: Gelingt es die Erosion im Kerngeschäft aufzuhalten und verlorenes Terrain zurückzuerobern? „Die Deutsche Bank steht jetzt unter Beobachtung“, warnt ein Top-10-Aktionär. „Die letzten Jahre waren eine Katastrophe.“

Nichts wünschen sich die geschundenen Investoren nach den langen Krisenjahren mehr als einen echten Neuanfang. Das gleiche dürfte für die beinahe komplett runderneuerte Führungsmannschaft der Deutschen Bank gelten. Aber ob die beiden Seiten schon bei dieser Hauptversammlung zu einander kommen und Frieden schließen? Die nächsten Stunden werden es zeigen.

Daniel Schäfer ist Ressortleiter Finanzen.
Daniel Schäfer
Handelsblatt / Leiter Finanzzeitung
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Ups, Richtiger Kommentar im falschen Artikel-- sorry!

  • "CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter sprach sich jetzt einem Medienbericht zufolge für einen Verbleib der deutschen Soldaten am türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik aus. Abgeordnete müssten den Stützpunkt „nicht zwingend“ besuchen dürfen, sagte Kiesewetter der „Deutschen Welle“."

    Aha, die ersten Politiker üben schon den Kotau vor dem kleinen Sultan - um des lieben Friedens willen. Armes Deutschland.

  • Die Deutsche Bank ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wohin die Geldgier von Spitzenmanagern führt!

    Eine ehemals grundsolide Bank wurde durch "Spielereien" nahezu ruiniert! Die für den Absturz verantwortlichen Spitzenmanager haben sich auf Kosten der Eigentümer (=Aktionäre) persönlich daran bereichert, ohne dabei zu vergessen, sich auch juristisch abzusichern.

    Es wird Zeit, dass die Eigentümer (=Aktionäre) mehr Einfluß bekommen, nicht nur auf die Gehälter, Boni, Pensionszusagen und sonstigen geldwerten Vorteile der Manager, sondern auch auf die Geschäftspraktiken.

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