Deutsche Bank in China
John Cryan verkauft Anteil an Hua Xia

Die Deutsche Bank trennt sich von ihrer Beteiligung an der chinesischen Privatkundenbank Hua Xia. Mit dem erwarteten Erlös von bis zu 3,7 Milliarden Euro stärkt Co-Vorstandschef Cryan das Eigenkapital des Geldhauses.

FrankfurtDer neue Co-Chef der Deutschen Bank, John Cryan, drückt bei der Sanierung des Instituts Tempo. Erst im Oktober hatte er verkündet, dass die Beteiligung an der chinesischen Privatkundenbank Hua Xia nicht mehr „strategisch“ sei. Am Montag nun gab das Geldhaus bekannt, einen Käufer gefunden zu haben. Der Versicherungskonzern Property and Casualty Company (PICC) wolle die 19,99-Prozent-Beteiligung übernehmen.

Mit dem Verkauf will die in Frankfurt ansässige Bank bis zu 25,7 Milliarden Yuan erlösen. Nach Angaben der Bank entspricht dies einer Summe von bis zu 3,7 Milliarden Euro. Co-Vorstandschef John Cryan führt damit seine Pläne fort, das Geldinstitut schärfer zu fokussieren und die Kapitalpuffer zu verstärken.

Laut Mitteilung der Bank würde die Transaktion die harte Kernkapitalquote CET1 von 11,5 Prozent zum 30. September um etwa 30 bis 40 Basispunkte verbessern. Cryan, der Co-Vorstandschef Anshu Jain im Juli ablöste, will die Finanzstärke der Deutschen Bank erhöhen, ohne sich Geld bei den Aktionären zu beschaffen. Die Aufsichtsbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Die Aktien des Instituts zogen nach der Ankündigung zunächst an. Am Nachmittag notierten sie unverändert, während der Leitindex Dax rund 0,5 Prozent verlor.

Die Deutsche Bank war unter ihrem damaligen Chef Josef Ackermann schrittweise 2006 bei Hua Xia eingestiegen. Beide Häuser kooperieren im Kreditkartengeschäft und bei der Beratung von vermögenden Chinesen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhielten die Frankfurter eine Dividende von 98 (Vorjahr: 78) Millionen Euro von Hua Xia.

„China bleibt auch künftig ein wesentlicher Wachstumsmarkt für uns“, erklärte Cryan in der Mitteilung. Auch wenn die Bank mit der Entwicklung und dem Ergebnis der Hua Xia Bank „zufrieden“ sei, sei jetzt „der richtige Zeitpunkt für uns gekommen, diese Beteiligung zu veräußern“, sagte Cryan.

Die Deutsche Bank steht derzeit unter massivem Kostendruck. Sie ist zu groß und ineffizient. Cryan hat daher ein umfangreiches Sanierungsprogramm ausgerufen. Aus zehn Ländern zieht sich die Bank vollständig zurück. Daneben soll die Postbank verkauft und einzelne Geschäftsbereiche im Investmentbanking eingestellt werden.

In der Hoffnung auf gute Geschäfte in der Volksrepublik beteiligten sich in der Vergangenheit mehrere europäische und amerikanische Banken an chinesischen Geldhäusern. Die Hoffnung auf Synergien erfüllten sich jedoch in den meisten Fällen nicht, so dass die Anteile zu reinen Finanzbeteiligungen mutierten. Da die Kurse chinesischer Banken in den vergangenen Jahren kräftig anzogen, machten viele westlichen Institute ihre Beteiligungen zu Geld. Banco Bilbao Vizcaya Argentaria, Goldman Sachs Group und Bank of America haben bereits Beteiligungen an chinesischen Finanzinstituten verkauft, seitdem neue internationale Vorschriften Minderheitsbeteiligungen an Banken teurer machen.

Agentur
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