Deutsche Bank in der Bafin-Kritik

So nicht, Herr Jain!

Die Bafin wirft der Deutschen Bank einem Insider zufolge Versäumnisse vor. Im Skandal um die Libor-Manipulation habe sie nicht ausreichend zur Aufklärung beigetragen. Vier (Ex-)Top-Manager stehen wohl im Fokus.
Update: 12.06.2015 - 15:42 Uhr 5 Kommentare
Wie weit geht die Kritik der Bafin? Quelle: dpa
Deutsche Bank

Wie weit geht die Kritik der Bafin?

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FrankfurtDie Finanzaufsicht Bafin wirft dem Management der Deutschen Bank im Skandal um die Manipulation von Referenzzinsätzen einem Insider zufolge schwere Versäumnisse vor. In ihrem Abschlussbericht kritisiere die Behörde unter anderem organisatorische Mängel und unzureichende Kontrollen bei Deutschlands größtem Geldhaus, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Freitag.

Zudem werde dem Institut eine schleppende Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Vorstände der Bank seien nicht direkt in die Manipulation von Referenzzinsätzen wie dem Libor verwickelt gewesen, jedoch für die strukturellen Mängel bei der Bank verantwortlich. Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Kritisiert werden in dem Bericht dem Insider zufolge unter anderem der scheidende Co-Chef Anshu Jain, Personalvorstand Stephan Leithner, der ehemalige Vorstandsboss Josef Ackermann sowie Ex-Vorstand Hermann-Josef Lamberti. Von den vier Managern war keine Stellungnahme zu erhalten.

Über die Vorwürfe gegen sie hatte zuerst der „Spiegel“ berichtet. Dem Insider zufolge hat Bafin-Chef Felix Hufeld seine Kritik an dem Geldhaus auch in einem Gespräch mit Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner zum Ausdruck gebracht.

Bereits zuvor hatten das Wall Street Journal und die New York Times berichtet, die Bafin hätte aktiv auf Jains Rücktritt hingewirkt. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte jedoch, es sei kategorisch falsch zu behaupten, Jain und Fitschen hätten sich wegen Druck von den Aufsichtsbehörden zum Rückzug entschlossen.

Achleitner hatte kürzlich in einem Brief an die Mitarbeiter erklärt, Fitschen und Jain hätten ihn aus eigenem Antrieb heraus angesprochen, da nach der Bekanntgabe der neuen Strategie „ihrer Meinung nach jetzt der richtige Zeitpunkt ist, eine neue Führung zu etablieren, die die Umsetzung der Strategie in den nächsten fünf Jahren begleitet.“

Jain und Fitschen hatte am vergangenen Sonntag überraschend das Handtuch geworfen. Jain wird bereits Ende des Monats abtreten, Fitschen im Mai nächsten Jahres. Investoren werfen beiden vor, die anvisierten Ziele nicht erreicht und Rechtsstreitigkeiten nicht schnell genug aus der Welt geräumt zu haben. Ihre Nachfolge soll der Brite John Cryan antreten, der bereits seit 2013 im Aufsichtsrat der Bank sitzt.

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Elliott-Chef Paul Singer hielt den Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, der 2016 den Metallspezialisten Arconic vom Aluminiumkonzern Alcoa abgespalten hatte, schon lange für eine Fehlbesetzung. Seit Anfang 2017 hat der Hedgefonds-Manager alles daran gesetzt, den Deutschen an der Spitze von Arconic loszuwerden - unter anderem mit einem sehr kritischen Brief. Das Ergebnis: Kleinfeld trat am 17. April 2017 zurück.

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Anfang des Jahres hatte Klaus Kleinfeld auf dem Podium einer New Yorker Finanzkonferenz zunächst mit einem Scherz reagiert: „Das erinnert mich an diese Mafia-Filme, wo es heißt: ‚Das ist nicht persönlich gemeint.‘“ Fast alle Gäste im Saal lachten. Nur zwei im Publikum verzogen keine Miene: Sie arbeiteten für den Angreifer Elliott.

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Ein Vertrauensbeweis liest sich anders, als das Interview, das der Ausrichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, kurz vor der Hauptversammlung im Mai 2015 der Wirtschaftswoche gab. Statt sich deutlich hinter die Vorstandsdoppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen zu stellen, ging er auf Distanz. „Niemand ist unersetzbar“, sagt er.

Ferdinand Piëch: „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn"
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Mit einfachen Worten machte VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch (rechts) im April 2015 klar, dass er von seinem langjährigen Weggefährten und VW-Chef Martin Winterkorn (links) abrückt. „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", ließ Piëch verlauten und verdeutlichte damit, dass er mit der Arbeit des Konzernchefs nicht mehr zufrieden ist. Winterkorn trat wegen des VW-Abgasskandals am 23. September 2015 zurück.

Berthold Beitz: „Cromme bleibt"
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Der Industriekonzern Thyssen-Krupp kämpfte Anfang 2013 um die Existenz. Aufgrund von gut fünf Milliarden Euro Verlust durch Fehlinvestitionen, Korruption und Kartellabsprachen, stand auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme vor dem Aus. Viele Jahre hatte Patriarch Berthold Beitz nicht mit der Presse gesprochen, doch in dieser Situation griff er zum Hörer und rief beim Handelsblatt an: „Cromme bleibt“, sagte er und wollte damit Spekulationen um das Aus von Cromme ein Ende setzen. In Wahrheit offenbarte der Satz, in welcher prekärer Situation das Unternehmen war. Nur vier Monate später musste der Aufsichtsratschef Cromme den Konzern trotzdem verlassen.

Josef Ackermann: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen, Persönlichkeit aber kann man nicht lernen."
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Josef Ackermann verkündete im Jahr 2011, dass er zwei Jahre später als Chef der Deutschen Bank ausscheiden würde. Gleichzeitig machte er Angaben dazu, wie er sich das Profil seines Nachfolgers vorstellte: „Die richtige Persönlichkeit kann alles lernen, Persönlichkeit aber kann man nicht lernen." Damit verdeutlichte Ackermann seine Abneigung gegen den designierten Nachfolger Anshu Jain. Vor allem warb er auch für seinen eigenen Favoriten, den Bundesbank-Chef Axel Weber. Doch all das nützte Ackermann wenig: Bereits Ende Mai 2012 musste er seinen Posten zugunsten einer Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen räumen. Axel Weber ging zur Schweizer Großbank UBS.

Metro-Aufsichtsratsmitglied: „Soweit ich das übersehe, gibt es keine Mehrheit mehr für ihn."
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Zwar ist unklar, wer genau der Urheber dieses Zitats war, die Botschaft vom Aufsichtsrat der Metro AG für den damaligen Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes war dennoch eindeutig. „Soweit ich das übersehe, gibt es keine Mehrheit mehr für ihn", hieß es im Jahr 2011. Für Eckhard Cordes war das der Anfang vom Ende. Zu eindeutig hatte sich eine Mehrheit gebildet, die sich gegen eine Verlängerung seines 2012 auslaufenden Vertrages aussprach. Grund dafür waren charakterliche Zweifel, nachdem sich Cordes in einer Bar im russischen St. Petersburg beleidigend über Aufsichtsratsmitglieder geäußert hatte. Hinzu kamen Zweifel, ob Cordes seine Verkaufspläne für die Konzerntöchter je würde umsetzen können. Zum 31. Dezember 2011 legte Cordes sein Amt als Vorstandschef der Metro AG nieder.

Die Bafin hat die Deutsche Bank bereits seit Jahren wegen einer Vielzahl von Affären im Visier. Sie prüft unter anderem, welche Rolle die Bank bei der Manipulation von Devisenkursen und Betrügereien im Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten spielte. Den Libor-Bericht hat die Bonner Behörde kürzlich fertiggestellt und mit Bitte um Stellungnahme an die Deutsche Bank geschickt. Danach wollte die Behörde über mögliche Konsequenzen entscheiden, sagte der oberste BaFin-Bankenaufseher Raimund Röseler im Mai. Am Freitag wollte sich die Bafin zu dem Thema nicht äußern.

Die ehemalige Bafin-Chefin Elke König hat im Rahmen der Libor-Affäre bereits 2013 organisatorische Mängel bei den Geldhäusern kritisiert. „Die Institute haben diesem Prozess nicht die Bedeutung beigemessen, die er im Rückblick hätte haben sollen.“ Händler verschiedener Banken sollen die Referenzzinssätze über Jahre hinweg manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Die EU-Kommission und die Aufseher in Großbritannien und den USA haben die Deutschen Bank wegen der Libor-Affäre bereits zu Strafen von insgesamt rund drei Milliarden Euro verdonnert.

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  • Das sehe ich genau so!

    Wenn diese Manipulationen gestern geschehen wären, dann würde ich heute den Hut vor der "verantwortlichen" in der BAFin ziehen. Wenn diese Manipulationen aber alte Kamellen sind, dann frage ich nach, wie denn die "verantwortlichen" in der BAFin selbst ihren Job gemacht haben.

    Es ist mir durchaus bewusst, dass diese Argumentation hirnrissig ist. Weshalb? Die BAFin erklärt sich zwar für zuständig, aber in der ganzen BAFin ist niemand verantwortlich.

    Sobald in Prozessen Zuständigkeiten, aber keine Verantwortlichkeiten geregelt sind, ist jeder Prozess das Papier nicht wert, auf dem er steht. Die Politik macht dieses Spiel vor und die "Speichellecker" machen die Kopie davon.

    Hoffen wir, dass mit dem Zusammenbruch Griechenlands all diese Zuständigen ihre Ämter verlieren und Verantwortliche die Ruder übernehmen. Hoffen wir, dass dann nicht mehr "alternativlos" abgenickt wird und statt "nach bestem Wissen und Gewissen" mit Sachverstand die Jobs erledigt werden.

  • Nicht vergessen: die Bafin verfügt inzwischen über eine härtere Faktenbasis als damals.

  • ich frage mich schon seit Ausbruch der Finanzkrise für was die Damen und Herren in den Aufsichtsbehörden weltweit von den Steuerbürgern bezahlt wurden. Dann wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist kommen diese Blindgänger um die Ecke mit schlauen Sprüchen.

  • Die Deutsche Bank ist eine staatliche Clown-Bank genauso wie die Commerbank.

    Alles Vasallen der EZB, FED und der Welt-Geld-Elite - Bilderberger.

  • "Die Bafin wirft der Deutschen Bank einem Insider zufolge Versäumnisse vor. Im Skandal um die Libor-Manipulation habe sie nicht ausreichend zur Aufklärung beigetragen."

    Ist nicht wahr, oder?

    Es wäre der Job der BAFin gewesen, die Ermittlung der Hauptabrechnungsgröße "LIBOR" in den Banken selbst unter die Lupe zu nehmen.

    Da die Kanzlerin bereits betonte gibt es viele in den Behörden, die "nach bestem Wissen und Gewissen" arbeiten. Wissen tun sie nichts und ein Gewissen haben sie auch nicht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die "drei Affen" demnächst als Trophäe unter den Staatsdienern überreicht werden.

    Diese Kritik hat nichts damit zu tun, dass in der Deutschen Bank einiges schief lief, sondern es ist lediglich der zarte Hinweis darauf, dass da viele mitgemacht haben müssen. Eigene Dummheit wäre dabei noch die mildeste Form der Unterstützung dieser kriminellen Handlungen.

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