Deutsche Bank in der Bafin-Kritik
So nicht, Herr Jain!

Die Bafin wirft der Deutschen Bank einem Insider zufolge Versäumnisse vor. Im Skandal um die Libor-Manipulation habe sie nicht ausreichend zur Aufklärung beigetragen. Vier (Ex-)Top-Manager stehen wohl im Fokus.
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FrankfurtDie Finanzaufsicht Bafin wirft dem Management der Deutschen Bank im Skandal um die Manipulation von Referenzzinsätzen einem Insider zufolge schwere Versäumnisse vor. In ihrem Abschlussbericht kritisiere die Behörde unter anderem organisatorische Mängel und unzureichende Kontrollen bei Deutschlands größtem Geldhaus, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Freitag.

Zudem werde dem Institut eine schleppende Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Vorstände der Bank seien nicht direkt in die Manipulation von Referenzzinsätzen wie dem Libor verwickelt gewesen, jedoch für die strukturellen Mängel bei der Bank verantwortlich. Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Kritisiert werden in dem Bericht dem Insider zufolge unter anderem der scheidende Co-Chef Anshu Jain, Personalvorstand Stephan Leithner, der ehemalige Vorstandsboss Josef Ackermann sowie Ex-Vorstand Hermann-Josef Lamberti. Von den vier Managern war keine Stellungnahme zu erhalten.

Über die Vorwürfe gegen sie hatte zuerst der „Spiegel“ berichtet. Dem Insider zufolge hat Bafin-Chef Felix Hufeld seine Kritik an dem Geldhaus auch in einem Gespräch mit Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner zum Ausdruck gebracht.

Bereits zuvor hatten das Wall Street Journal und die New York Times berichtet, die Bafin hätte aktiv auf Jains Rücktritt hingewirkt. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte jedoch, es sei kategorisch falsch zu behaupten, Jain und Fitschen hätten sich wegen Druck von den Aufsichtsbehörden zum Rückzug entschlossen.

Achleitner hatte kürzlich in einem Brief an die Mitarbeiter erklärt, Fitschen und Jain hätten ihn aus eigenem Antrieb heraus angesprochen, da nach der Bekanntgabe der neuen Strategie „ihrer Meinung nach jetzt der richtige Zeitpunkt ist, eine neue Führung zu etablieren, die die Umsetzung der Strategie in den nächsten fünf Jahren begleitet.“

Jain und Fitschen hatte am vergangenen Sonntag überraschend das Handtuch geworfen. Jain wird bereits Ende des Monats abtreten, Fitschen im Mai nächsten Jahres. Investoren werfen beiden vor, die anvisierten Ziele nicht erreicht und Rechtsstreitigkeiten nicht schnell genug aus der Welt geräumt zu haben. Ihre Nachfolge soll der Brite John Cryan antreten, der bereits seit 2013 im Aufsichtsrat der Bank sitzt.

Die Bafin hat die Deutsche Bank bereits seit Jahren wegen einer Vielzahl von Affären im Visier. Sie prüft unter anderem, welche Rolle die Bank bei der Manipulation von Devisenkursen und Betrügereien im Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten spielte. Den Libor-Bericht hat die Bonner Behörde kürzlich fertiggestellt und mit Bitte um Stellungnahme an die Deutsche Bank geschickt. Danach wollte die Behörde über mögliche Konsequenzen entscheiden, sagte der oberste BaFin-Bankenaufseher Raimund Röseler im Mai. Am Freitag wollte sich die Bafin zu dem Thema nicht äußern.

Die ehemalige Bafin-Chefin Elke König hat im Rahmen der Libor-Affäre bereits 2013 organisatorische Mängel bei den Geldhäusern kritisiert. „Die Institute haben diesem Prozess nicht die Bedeutung beigemessen, die er im Rückblick hätte haben sollen.“ Händler verschiedener Banken sollen die Referenzzinssätze über Jahre hinweg manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen. Die EU-Kommission und die Aufseher in Großbritannien und den USA haben die Deutschen Bank wegen der Libor-Affäre bereits zu Strafen von insgesamt rund drei Milliarden Euro verdonnert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Das sehe ich genau so!

    Wenn diese Manipulationen gestern geschehen wären, dann würde ich heute den Hut vor der "verantwortlichen" in der BAFin ziehen. Wenn diese Manipulationen aber alte Kamellen sind, dann frage ich nach, wie denn die "verantwortlichen" in der BAFin selbst ihren Job gemacht haben.

    Es ist mir durchaus bewusst, dass diese Argumentation hirnrissig ist. Weshalb? Die BAFin erklärt sich zwar für zuständig, aber in der ganzen BAFin ist niemand verantwortlich.

    Sobald in Prozessen Zuständigkeiten, aber keine Verantwortlichkeiten geregelt sind, ist jeder Prozess das Papier nicht wert, auf dem er steht. Die Politik macht dieses Spiel vor und die "Speichellecker" machen die Kopie davon.

    Hoffen wir, dass mit dem Zusammenbruch Griechenlands all diese Zuständigen ihre Ämter verlieren und Verantwortliche die Ruder übernehmen. Hoffen wir, dass dann nicht mehr "alternativlos" abgenickt wird und statt "nach bestem Wissen und Gewissen" mit Sachverstand die Jobs erledigt werden.

  • Nicht vergessen: die Bafin verfügt inzwischen über eine härtere Faktenbasis als damals.

  • ich frage mich schon seit Ausbruch der Finanzkrise für was die Damen und Herren in den Aufsichtsbehörden weltweit von den Steuerbürgern bezahlt wurden. Dann wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist kommen diese Blindgänger um die Ecke mit schlauen Sprüchen.

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