Deutsche Bank
Jain warnt vor Trennbank-System

Der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank Anshu Jain spricht sich gegen die Abschaffung des Universalbankensystems aus und warnt vor einer Überregulierung. Die Banken hätten die Fehler der Vergangenheit längst behoben.
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FrankfurtDie Deutsche Bank hat abermals eindringlich davor gewarnt, das Universalbankensystem aufzugeben. Geldhäuser, die sich auf das Einlagen- und das Kapitalmarktgeschäft stützten und damit ein breites Fundament hätten, hätten sich über Jahrzehnte bewährt, sagte Co-Vorstandschef Anshu Jain am Dienstagabend in Frankfurt laut vorab verbreitetem Redetext. Die Deutsche Bank sei eines der prominentesten Beispiele dafür.

Zwar hätte auch sein Haus vor der Finanzkrise Fehler gemacht und sei in einigen Bereichen zu große Risiken eingegangen, räumte Jain ein, der selbst jahrelang das Investmentbanking geleitet hat, bevor er vor einem Jahr an die Konzernspitze rückte.

Doch die Fehler der Vergangenheit wurden nach seinen Worten nicht nur teuer bezahlt, sondern sind längst behoben: Die Bilanzsumme wurde reduziert, der Eigenhandel eingestellt und die Kapitaldecke gestärkt. Andere Banken hätten es ähnlich gemacht und seien den verschärften Anforderungen der Aufseher nachgekommen.

„In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Bankensektor in einem beispiellosen Tempo reformiert – aber jetzt gibt es in Europa die Gefahr, dass das Pendel zu weit schwingen könnte.“ Die Branche ächze unter Überregulierung. Jain verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Finanztransaktionssteuer sowie die verschärften Kapitalvorgaben für systemisch relevante Geldhäuser (Sifis).

Am Vortag hatte bereits Jains Kollege Jürgen Fitschen vor einer massiven Verteuerung von Bankgeschäften durch eine Überregulierung des Finanzsektors gewarnt. Auf einer Konferenz der FDP-Fraktion in Berlin betonte er, es gebe keine tragfähigen Gründe dafür, das Universalbankensystem durch ein Trennbanken-Modell zu ersetzen. Wer dennoch diesen Weg verfolge, müsse wissen, dass dadurch Kosten entstünden.

Das Trennbanken-Modell ist in Deutschland längst keine theoretische Überlegung mehr: Bundestag und Bundesrat haben inzwischen ein Gesetz verabschiedet, das den Instituten vorschreibt, ab 2016 riskante Geschäftsteile vom klassischen Einlagengeschäft abzutrennen. Damit sollen die Sparer und Steuerzahler besser vor Spekulationen der Banken geschützt werden. Experten zufolge wird es am Ende in punkto Kosten darauf ankommen, wo genau die Trennlinien gezogen werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsche Bank: Jain warnt vor Trennbank-System"

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  • "Die Deutsche Bank hat abermals eindringlich davor gewarnt, das Universalbankensystem aufzugeben. Geldhäuser, die sich auf das Einlagen- und das Kapitalmarktgeschäft stützten und damit ein breites Fundament hätten, hätten sich über Jahrzehnte bewährt, sagte Co-Vorstandschef Anshu Jain am Dienstagabend in Frankfurt laut vorab verbreitetem Redetext. "

    Aus seiner Sicht hat er Recht!

    Wo kämen die Profite der Investmentsparte her, wenn man nicht die kommerzielle Seite der Bank plündern könnte?

    Ein Trennbankensystem, bei dem die Investmentbanken unter sich wären, wäre ein Nullsummenspiel. Die Gewinne des einen sind die Verluste des anderen. Zieht man die Kosten ab, ist das Thema Investmentbanken schnell beendet.

    Investmentbanken schaffen keinen volkswirtschaftlichen Mehrwert.

    Wenn Investmentbanken der Volkswirtschaft keinen Nutzen bringen, weshalb sollten Steuerzahler sie dann retten. Deshalb ist es existentiell, dass sich Investmentbanken bei kommerziellen Banken bedienen können.

  • Wir bezahlen Zinsen für unser eigenes Geld, daher gehört
    den Banken das Recht Geld zu schöpfen und damit den Staat zu finanzieren entzogen. Selbstverständlich ist auch die Trennung von Zockerbuden (DB) und normalen Geldverleihern wünschenswert.

  • Na, wenn Anshu Jain das sagt, dann muss das wohl stimmen. Und vergessen wir die hässlichen Gerüchte über den Glass-Steagall-Act und die Gründe, warum er überhaupt geschaffen wurde.

    P.S.: Wer möchte, dass die Finanzbranche nicht mehr systemrelevant wird, sollte mal die Frage stellen, ob es dann klug ist jährlich Milliarden in Riester und betriebliche Altersversorgung zu stecken, anstatt die umlagefinanzierte Rente zu stärken. Oder aber wie sich Deckungsstöcke mit negativen Realzinsen, einem Auseinanderbrechen des Euro oder Schuldenschnitten vertragen.

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