Deutsche Bank
Kein Misstrauensvotum gegen Aufsichtsratschef Börsig

Trotz der Turbulenzen um die Nachfolge von Josef Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank: Laut eines Medienberichts wird der Aufsichtsrat Deutschlands größter Bank wohl entlastet. Die Gegner machen bereits mobil.
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FrankfurtDer scheidende Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig kommt um ein Misstrauensvotum auf der Hauptversammlung einem Zeitungsbericht zufolge wahrscheinlich herum.

Der weltweit einflussreichste Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS) werde den Aufsichtsrat trotz der Turbulenzen um die Nachfolge von Vorstandschef Josef Ackermann entlasten, hieß es in einem Vorabbericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Zwar habe die Suche nach einer neuen Führung für die Bank Schwachstellen offengelegt, die kritisiert werden müssten. Doch eine Nichtentlastung wäre nur bei einem fahrlässigen oder missbräuchlichen Verhalten gerechtfertigt, wird ISS von der Zeitung zitiert.

An den Empfehlungen von ISS orientieren sich zahlreiche, vor allem amerikanische Fonds. Andere Aktionärsberater wie Glass Lewis und Hermes haben angekündigt, auf dem Aktionärstreffen gegen die Entlastung des Gremiums um Börsig zu stimmen. Der britische Versicherer Legal & General wirft dem Aufsichtsrat in einem Hermes zugerechneten Gegenantrag unter anderem vor, die Nachfolge-Regelung Ackermanns schlecht vorbereitet zu haben. Das gelte auch für Nominierung Ackermanns als Aufsichtsratschef, von der er angesichts des Widerstands namhafter Aktionäre später wieder abrückte. Eine verweigerte Entlastung hat keine juristischen Folgen für Vorstände oder Aufsichtsräte, gilt aber als Denkzettel und ist sehr selten.

Die Nachfolger-Suche hatte die Bank und die Öffentlichkeit über Monate in Atem gehalten. Ackermann tritt am 3. Mai mit der Hauptversammlung ab. Dann wird die Bank von einer Doppelspitze aus dem Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen geleitet. Aufsichtsratschef wird der bisherige Allianz -Vorstand Paul Achleitner. „Durch das Zögern in einer Situation, in der Klarheit nötig gewesen wäre, hat sich die Deutsche Bank selbst um mögliche Alternativen gebracht“, erklärte Legal & General in dem Gegenantrag. „Der Aufsichtsrat ist damit seiner wichtigsten Aufgabe im Jahr 2011 nicht gerecht geworden.“ Ackermann hatte den ehemaligen Bundesbank-Chef Axel Weber als seinen Nachfolger favorisiert.

Gegen die Entlastung des Aufsichtsrats richten sich mehrere Gegenanträge von Aktionären, unter anderem von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger (VIP). „Es bestand wiederholt der Eindruck, dass der Aufsichtsrat die Situation nicht bestimmte, dass er nicht Treiber des Verfahrens war“, heißt es darin. Er habe dem Ansehen der Bank geschadet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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