Deutsche Bank Konzernumbau
„They are absolutely Kernaufgaben of the Vorstand“

Tausende Jobs gestrichen, Boni drastisch gekürzt: Wegen milliardenschwerer Verluste schwört Co-Vorstandschef John Cryan die Deutsche Bank auf harte Zeiten ein – und zeigt britischen Humor.

FrankfurtDeutsche-Bank-Finanzvorstand Markus Schenck überbrachte am Donnerstag die Hiobsbotschaft: sechs Milliarden Euro Verlust im dritten Quartal 2015, ein Rekordminus, aufgeschlüsselt auf einer DinA4-Seite. Unter anderem wurden die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten um eine Milliarde Euro auf jetzt 4,8 Milliarden Euro erhöht. Heftige Abschreibungen auf unterschiedliche Unternehmensteile trugen ebenfalls zu dem riesigen Minus bei. Co-Vorstandschef John Cryan blieb da nur britisch-schwarzer Humor: „Ich bewundere ihn dafür, dass er das auf einem Blatt schafft“, lobte er Schenck bei der Vorstellung der Bilanz.

Bei Anlegern indes kam keine Freude auf: Die Aktie des Geldhauses verlor im Anschluss an die Nachricht bis zum Mittag 6,5 Prozent an Wert. Belastet hatte sie zudem die Nachricht vom späten Mittwochabend, dass die Deutsche Bank die Dividende sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr ausfallen lässt – zum ersten Mal seit den 1950er-Jahren.

Wenig zu lachen haben aber vor allem die Mitarbeiter des Bankhauses: Sie treffen die Verluste besonders hart: Die Bank streicht 9.000 zusätzliche Stellen im Konzern, die Hälfte davon in Deutschland. Hinzu kommen 6.000 Stellen bei externen Dienstleistern. Addiert man die Arbeitsplätze der zum Verkauf stehenden Postbank hinzu, summiert sich der Abbau sogar auf 26.000 Jobs (hier eine Aufschlüsselung des Stellenabbaus). Damit wird die rund 100.000 Köpfe zählende Belegschaft um fast ein Drittel schrumpfen. Cryan trug die Zahlen nüchtern vorn, betonte aber mit Blick auf den Stellenabbau in der Kernbank: „Mir ist sehr bewusst, dass dies 9.000 Schicksale sind, hinten denen Menschen und Familien stehen.”

Streng genommen verlieren im Konzern aber insgesamt sogar 14.000 Menschen ihren Job. Auf die Netto-Zahl von 9.000 kommt die Bank nur, weil zugleich 5.000 Neueinstellungen geplant sind. Noch größere Einschnitte gab es nur Anfang des neuen Jahrtausends im Zuge der Übernahme der New Yorker Investmentbank Bankers Trust, wenn auch über mehrere Jahre verteilt.

Cryan bittet jetzt aber auch alle anderen zur Kasse: Der Bonus-Pool der hochbezahlten Investmentbanker und Manager wird wegen des absehbaren Jahresverlustes – verursacht durch Aufräumarbeiten in der Bilanz – zusammengestrichen. Er hält seine Rede auf Deutsch, anders als sein Vorgänger Anshu Jain. Die meisten Fragen der Journalisten beantwortet er dann zwar lieber auf Englisch. Manchmal springt er dabei auch zwischen beiden Sprachen hin und her – etwa, als er über die Bedeutung von Moral und Mitarbeitermotivation spricht. „They are absolutely Kernaufgaben of the Vorstand.“

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Der Chef fährt einen harten Sparkurs

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