Deutsche-Bank-Kunden zum Umbau

Scheiden tut nicht weh

Die Deutsche Bank steckt mitten im Umbruch. Völlig überraschend tauschte das mächtigste heimische Geldhaus vor wenigen Wochen die Führungsspitze aus. Aber was halten die großen Kunden davon?
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Die neue Strategie der Deutschen Bank will Konzernchef John Cryan im Oktober bekanntgeben. Quelle: AFP
Richtungswechsel

Die neue Strategie der Deutschen Bank will Konzernchef John Cryan im Oktober bekanntgeben.

(Foto: AFP)

FrankfurtEs war ein Donnerschlag an einem sonnigen Sonntag Nachmittag. In einer dürren Mitteilung teilte die Deutsche Bank am 7. Juni mit, dass Co-Vorstandschef Anshu Jain sein Amt aufgeben wird, und der einst als Heilsbringer gefeierte Inder durch den Briten John Cryan ersetzt wird. Auch Jains Partner an der Spitze, Jürgen Fitschen, wird aufhören, allerdings erst im Frühjahr 2016. Von da an soll Cryan die Bank alleine führen.

Spätestens auf der Hauptversammlung Ende Mai war klar geworden, dass Jain nach einer langen Serie von Pleiten, Pech und Pannen das Vertrauen der Investoren verloren hat. Aber was sagen eigentlich die Kunden der Bank zu dem Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel an der Vorstandsspitze? Die Fachzeitschrift „Finance“ hat knapp 120 Finanzvorstände, Leiter Finanzen und Treasurer befragt. Die Teilnehmer an der anonymen Umfrage kommen zum Teil aus dem Mittelstand, zum Teil gehören sie den größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands an. Das Ergebnis zeigt, dass sich der Abschiedsschmerz in engen Grenzen hält: 60 Prozent begrüßen den Wechsel an der Spitze der Deutschen Bank, lediglich fünf Prozent bedauern den Abschied von Jain und Fitschen.

An der neuen Strategie der Bank soll sich durch den Führungstausch erst einmal nichts ändern. Cryan will an dem noch von Jain und Fitschen entwickelten Konzept 2020 im Prinzip festhalten. Wichtige Weichenstellungen wie die Trennung von der Postbank und Einschnitte im Investmentbanking stellt der neue mächtige Mann nicht in Frage. Die Umfrage von „Finance“ zeigt allerdings dass viele Firmenkunden mit der neuen Strategie noch nicht viel anfangen können. Jeder zweite befragte Finanzverantwortliche ist sich noch unsicher, wie die künftige Entwicklung der Deutschen Bank im Firmenkundengeschäft aussehen wird. Auch die Konsequenzen der Neuausrichtung für das eigene Unternehmen sind vielen Finanzchefs noch unklar. So gaben 45 Prozent an, dass die Bank die Änderungen noch nicht an das Unternehmen kommuniziert habe. Weitere 15 Prozent trauen sich zurzeit keine abschließende Beurteilung der Lage zu. Das ist vielleicht auch kein Wunder, denn die Details der neuen Strategie will Cryan erst Ende Oktober vorstellen.

Das Banken-Chamäleon
Zeugnis der Anfangstage
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Der 10. März 1870 ist der Gründungstag der Deutschen Bank. Standort war damals nicht Frankfurt, sondern Berlin. Gründer waren Privatbankier Adelbert Delbrück und der Politiker Ludwig Bamberger. Erster Vorstandssprecher ist Georg von Siemens. Im Gründungsstatut wird die Bedeutung des Auslandsgeschäfts unterstrichen: „Der Zweck der Gesellschaft ist der Betrieb von Bankgeschäften aller Art, insbesondere Förderung und Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland, den übrigen Europäischen Ländern und überseeischen Märkten.“ Eine klare Ausrichtung des jungen Instituts.

Hauptsitz in Berlin
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So sah die Zentrale der Deutschen Bank in Berlin aus, hier auf einer späteren Aufnahme aus dem Jahr 1929. Ab 1880 finanzierte die Bank zunehmend Industrieprojekte. Der Ausbau des Filialnetzes hatte zunächst keine Priorität, die meisten Geschäfte wurden aus Berlin abgewickelt.

Frankfurt kommt erst später
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Weiteres Standbein ist von Beginn an das Einlagengeschäft. Bis 1873 eröffnet die Bank Filialen in Bremen, Hamburg, Yokohama, Schanghai und London. London ist schon damals die wichtigste Auslandsniederlassung. Die Filiale in Frankfurt am Main, heute der Hauptsitz, öffnet erst 1886. Im Bild die Niederlassung an der Frankfurter Kirchnerstraße anno 1914.

Filiale in der Fuggerstadt
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Die Filialen prägten natürlich auch nicht überall das Stadtbild, so wie in Berlin und später in Frankfurt. Diese Aufnahme zeigt die Straßen von Augsburg zur Jahrhundertwende – also 1900.

Geschäftssitze im Wandel der Zeit
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Gegen Ende des ersten Weltkriegs entstand dieses Foto von kaiserlichen Militärs vor der Niederlassung in Bremen. An der Filiale in der Hansestadt lässt sich der Wandel im Stadt- und Bankenbild gut illustrieren.

Bremen 50 Jahre später
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Das historische Gebäude am Domshof blieb der Handelsstadt Bremen erhalten. Das Umfeld hat sich komplett verändert – das gilt auch für Geschäftsfelder. Auf Wandel musste das Institut in seiner Geschichte immer wieder reagieren.

Neuausrichtung nach dem Ersten Weltkrieg
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Mit Ende des Erste Weltkriegs war auch das Auslandsvermögen des Instituts verloren. Die schwierige Wirtschaftslage nebst Inflation in der Weimarer Republik macht es der Deutschen Bank nicht einfach. Im Bild ein Kassenschalter aus dem Jahr 1920.

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