Deutsche Bank
Kurs stürzt nach Bericht über Kundenschwund

Laufen der Deutschen Bank die Hedgefonds weg? Einem Bericht zufolge übertragen einige Fonds ihre Derivate-Geschäfte langsam auf andere Firmen. Die Meldung hat an der Börse Folgen – und die Deutsche Bank reagiert prompt.

BerlinDie Deutsche Bank hat nach einem Medienbericht über den Rückzug von Clearing-Kunden auf eine solide Finanzsituation verwiesen. "Unsere Kunden gehören zu den anspruchsvollsten Investoren der Welt", erklärte ein Sprecher des Instituts am Donnerstagabend. "Wir sind zuversichtlich, dass die meisten von ihnen Kenntnis haben von unserer stabilen Finanzposition, dem derzeitigen makroökonomischen Umfeld, dem Rechtsstreit in den USA und den Fortschritten, die wir mit unserer Strategie machen."

Ähnlich äußerte sich der Chef der Vermögensverwaltung, Fabrizio Campelli. "Wir haben derzeit keine auffälligen Abflüsse von Kundengeldern", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Freitagausgabe). "Natürlich fragen einige unserer Kunden, was gerade mit der Deutschen Bank los ist. Wir erklären ihnen dann, dass wir besser dastehen als es von außen wahrgenommen wird." Die Kunden würden die Lage verstehen.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, dass sich einige Fonds, die ihre Derivate-Geschäfte über die Deutsche Bank abwickeln, langsam zurückziehen. Sie hätten einige ihrer gelisteten Derivate in dieser Woche anderen Firmen übertragen, hieß es unter Berufung auf interne Bank-Dokumente, in die Bloomberg Einsicht nahm.

Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte Bloomberg, es handele sich um rund zehn Hedgefonds, die ihr Engagement zurückfahren. Die meisten der mehr als 200 Hegdefonds-Kunden der Bank hätten hingegen keine Änderungen vorgenommen.

Ein Insider sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Eine Handvoll Kunden, die meisten davon Hedgefonds, stellen Fragen."

In den USA gehandelte Titel der Deutschen Bank brachen um mehr als sieben Prozent ein. Mehr als 41 Millionen Aktien wechselten den Besitzer - so viele wie noch nie zuvor.

Die Deutsche Bank steckt in der Krise: Zuletzt war der Aktienkurs wegen des Streits mit den US-Behörden über faule Hypothekenpapiere eingebrochen, der die Bank im schlimmsten Fall 14 Milliarden Dollar kosten könnte. Eine solche Strafe würde die Rückstellungen des Instituts deutlich übersteigen - und viele andere Rechtsstreitigkeiten schwelen noch.

Ängsten vor einer neuerlichen Bankenkrise in Europa trat EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger entgegen. "Die Banken sind heute (...) im Schnitt sehr viel besser kapitalisiert als vor der Krise, und auch bei der Aufsicht hat sich viel getan", sagte Lautenschläger, die auch stellvertretende Vorsitzende des EZB-Bankenaufsichtsarms SSM ist, im Interview der "Börsen-Zeitung" (Freitagausgabe). In unruhigen Zeiten würden Marktakteure solche "Verbesserungen im Gesamtbild" oft vergessen. Zudem differenzierten sie teils nicht zwischen den Instituten.

Zu den Sorgen rund um die Deutsche Bank wollte sich Lautenschläger nicht äußern. Sie deutete aber an, dass die EZB-Aufsicht etwa die Diskussion über die in den USA drohende Geldstrafe von 14 Milliarden Dollar für frühere Hypothekengeschäfte eng verfolgt. Die EZB tausche sich da mit der US-Aufsicht aus, sagte sie.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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