Deutsche-Bank-Manager
Fitschen warnt vor Euro-Austritt Griechenlands

Für Jürgen Fitschen läuft die Debatte über Griechenland in die falsche Richtung. Es müsse darüber gesprochen werden, wie das Land in der Eurozone bleiben kann. Fitschen hat sich in Athen selbst ein Bild verschafft.
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BerlinDer designierte Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat vor einer gefährlichen Logik in der Debatte um den Verbleib Griechenlands in der Währungsunion gewarnt. Seit ein paar Wochen ginge es bei Marktteilnehmern und einigen politischen Führern scheinbar nicht mehr darum, ob Griechenland in der Eurozone bleibe, sondern nur noch um den Zeitpunkt, wann das Land sie verlasse.

„Das ist gefährlich“, sagte Fitschen am Freitag auf einer Veranstaltung in Berlin, kurz nachdem er von einer Reise aus Athen zurückgekommen war. „Wir sollten nicht darüber sprechen, wie wir den Exit Griechenlands organisieren, sondern wie wir den Verbleib des Landes in der Eurozone sicherstellen können“, so der Manager.

Nach wie vor hätten die Griechen kein Vertrauen in die politische Führung. Wenn sich die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands verstetigen sollten, hätte das einen Sturm auf die Schalter der griechischen Banken zur Folge. Diese Entwicklung wäre nicht ohne Einfluss auf andere Staaten und müsse verhindert werden. Andererseits sei klar, dass Griechenland nicht mehr Hilfen für sich reklamieren könne, wenn die eigene Bevölkerung ihr Geld abziehe. Angeblich sollen es 200 Millionen Euro täglich sein.

Fitschen hat sich am Donnerstag in Athen Informationen aus erster Hand besorgt. Er traf Vertreter von Banken, Unternehmen und der Schiffsindustrie. Er habe bei seinen zahlreichen Gesprächen keinen Griechen getroffen, der die Eurozone verlassen möchte. Nach seinen Erfahrungen seien die Bilder, die die Medien über Griechenland transportierten, nicht ausgewogen.

„Es gibt sie, die Spitzenunternehmer, die beispielsweise in der Schifffahrt im vergangenen Jahr einen Gewinn von 15 Milliarden erzielten und einen 20-prozentigen Weltmarktanteil in dieser Branche für sich reklamieren“, so Fitschen. Wahrscheinlich liege der Erfolg dieser Branche daran, dass der Staat kaum Möglichkeiten habe, in diesem Weltmarkt einzugreifen, vermutete Fitschen mit einem Augenzwinkern.

Griechenland sei ein gescheiterter Staat. Es habe ihn nachdenklich gestimmt, dass seine Gesprächspartner höchstens eine Handvoll politischer Führer nennen konnten, denen ein Ausweg aus der Krise zugetraut werde. Die neue Regierung müsse den Mut haben, alte Zöpfe abzuschneiden und den Weg für Reformen freizumachen.

Die verkrusteten Strukturen wären ein Haupthindernis, um die Wettbewerbsfähigkeit herzustellen. Das wäre auch der Schlüssel, um Wirtschaftswachstum zu generieren. „Ich kritisiere nicht die Menschen, ich kritisiere das System“, so Fitschen.

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  • DER HALB-NACHFOLGER VOM VOLL-VORGÄNGER.
    Bleibt abzuwarten, was der andere Halb-Nachfolger verlauten läßt.
    GEHT SCHON LOS!

  • Dass Deutschland " in einen Schuldensumpf ohne Boden hineingezogen werden könnte" ist richtig.
    Aber dieser "Schuldensumpf ohne Boden" ist gerade wegen des permanenten und enormen Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands entstanden (17 Milliarden im MONAT die irgendwo als Defizit erscheinen müssen).
    Das war nur möglich weil die Verträge, die von der deutsch-französische Achse den anderen Mitgliedern diktiert wurden, die stärkere Wirtschaften begünstigen (Bestechung soll auch eine Rolle gespielt haben).
    Nichts in den Verträge war für den Schutz der schwächeren Wirtschaften vorgesehen.
    17 Milliarden im MONAT (zugegeben nur zum Teil aus der Währungsunion) und das seit Jahrzehnten müssen irgendwann zum Kollaps führen.
    Die deutsche und auch französische Konzerne, auch deren Aktionäre, haben stark davon profitiert und konnten so dank der Überschuldung mancher weltweit expandieren. (VW will größter PKW-Hersteller der Welt werden, Siemens baut eine Riesen Fabrik in Brasilien u.v.m.) Die danke der Gewinne die in der Währungsunion erzielt wurden, was eine Kapitalflucht gleich kommt.
    Die Schulden müssen aber wir bezahlen.
    In einer "(Schein)Gemeinschaft" wo das Gesetzt des Stärkeren gilt, muss es zwangsläufig dazu kommen.
    Und wenn mir einer sagt dass dies nicht vorhersehebar war dann ist es eine Lüge.

  • Nicht nur die „Debatte über Griechenland läuft in die falsche Richtung“.
    Auch die Debatte über Ziel und Zweck der Währungsunion findet nicht mehr statt.
    Was wir jetzt haben, eine Freihandelszone die eigentlich nicht mehr ist als eine Art Reservat für den Export der deutschen Industrie, darf nicht das Endziel sein, wenn ja, dann kann die Währungsunion ganz und sofort abgeschafft werden.
    Zur Zeit werden die Divergenzen zwischen den einzelnen Länder größer weil die schwache Wirtschaften von den stärkeren kannibalisiert werden (ganz besonders Italien wo ein Konzern nach dem anderen schließen muss oder von einem deutschen oder französischer Konzern übernommen wird).
    Wenn die Währungsunion eine Vorstufe zur Föderation war dann sollten wir schnellsten den nächsten Schritt wagen, der "Point of no return" ist nahezu überschritten.
    Wenn nicht dann soll der Euro verschwinden und wir sollen dann zum ECU zurückkehren.
    Die Entscheidung liegt bei Deutschland und Frankreich, die uns in diese katastrophale Lage geführt haben.
    Die Schuld dafür aber tragen alle Mitglieder der Währungsunion weil sie sich das gefallen lassen haben.
    Es kann und darf nicht sein dass sich 17 Mitglieder sich vom deutsch-französischen „Duo Infernal“ alles diktieren lassen.
    Frankreich scheint jetzt verstanden zu haben, wir wollen hoffen dass Deutschland dies auch bald tut.

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