Deutsche Bank mit Rekordverlust: Nach der Diagnose muss Cryan jetzt liefern

Deutsche Bank mit Rekordverlust
Nach der Diagnose muss Cryan jetzt liefern

Das stolze Geldhaus ist zu einem Sanierungsfall verkommen. Sogar im Investmentbanking ging es bergab. Bislang verzeihen die Investoren die Milliardenverluste noch. Aber das wird nicht ewig so bleiben. Ein Kommentar.

FrankfurtAm Ende kam es noch ein kleines bisschen schlimmer als befürchtet. Die Deutsche Bank hat unter ihrem neuen Chef John Cryan 2015 einen Verlust von 6,8 Milliarden Euro eingefahren. Das sind noch einmal 100 Millionen mehr, als in der überraschenden Mitteilung aus der vergangenen Woche angekündigt.

Nun macht dieser dreistellige Millionenbetrag den Kohl auch nicht mehr fett, aber er illustriert, dass es Deutschlands größtem Geldhaus in seiner jüngeren Geschichte wohl noch nie so schlecht ging wie heute. Das zeigt auch ein Blick auf den Aktienkurs. Seit Beginn der Ära Cryan gingen gut 40 Prozent des Börsenwerts verloren. Allein seit Anfang dieses Jahres summierte sich das Minus an der Börse auf über 20 Prozent. Das sind erschreckende Zahlen.

Erschrecken dürfte die Investoren auch, dass für den horrenden Verlust 2015 nicht nur die üblichen Verdächtigen, das heißt hohe Rückstellungen für die diversen Rechtsrisiken und Abschreibungen für den Konzernumbau verantwortlich waren. In all der Düsternis leuchtete bisher zumindest ein Hoffnungsschimmer: In ihrem Kerngeschäft zeigte sich die Deutsche Bank bislang ziemlich robust.

Das hat sich im vierten Quartal geändert. Der bislang wichtigste Ertragsbringer der Deutschen Bank ist Ende 2015 eingebrochen. Die Investmentbanking-Sparte lieferte im vierten Quartal einen Vorsteuerverlust von knapp 1,2 Milliarden Euro ab. Die Erträge der Sparte schrumpften um 30 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, damit nahmen die Investmentbanker im vierten Quartal sogar etwas weniger Geld ein als ihre Kollegen im Privatkundengeschäft, wo sich das Geldhaus von der Tochter Postbank trennen und rund 200 eigene Filialen schließen will.

Trotz der tiefroten Zahlen versuchte Cryan den Aktionären Mut zu machen: „Wir wissen, dass eine Restrukturierung sehr herausfordernd sein kann. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir die Deutsche Bank zu einer stärkeren, effizienteren und besser geführten Institution machen, wenn wir unsere Strategie weiter diszipliniert umsetzen.“  Die Investoren werden die Botschaft hören, aber ob sie sie auch glauben?

Bislang gibt es kaum Zweifel daran, dass der Brite Cryan der richtige ist, um die Deutsche Bank mit harter Hand zu sanieren, auch an seiner Strategie, das Geldhaus mit harten Schnitten im Investmentbanking und im Privatkundengeschäft gesundzuschrumpfen, scheint kein Weg vorbeizuführen. Cryan hat die richtige Diagnose gestellt und die Schwächen der Bank korrekt identifiziert. Jetzt muss er seinen Plan umsetzen, aber diese Sisyphos-Aufgabe ist in den vergangenen Wochen noch ein gutes Stück schwieriger geworden.

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Keines der Probleme ist bisher verschwunden

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