Deutsche Bank muss 3900 Euro zahlen
Russland verhängt die kleinste Bankenstrafe der Welt

Mitarbeiter der Deutschen Bank sollen russischen Kunden bei dubiosen Geschäften geholfen haben. Der Verdacht: Geldwäsche. Die Strafe der russischen Zentralbank? – 300.000 Rubel, umgerechnet knapp 3900 Euro.

DüsseldorfDer Skandal um Spiegelgeschäfte der Deutschen Bank in Russland führt zu ersten Ergebnissen. Die russische Zentralbank hat der Deutschen Bank eine 300.000-Rubel-Strafe verordnet, umgerechnet knapp 3900 Euro. Grund seien Compliance-Fehler in der Ermittlung wegen mutmaßlicher Handelsverstöße in seiner Moskauer Niederlassung. Dies berichten mit der Untersuchung vertraute Personen.

Nach Ansicht der russischen Zentralbank wurde die Deutsche Bank Opfer einer Intrige. Die Bank habe die Verstöße erkannt und Mitarbeiter, die in den Fall verstrickt waren, zur Rechenschaft gezogen. Das habe dem Institut eine härtere Strafe erspart, erklärte eine mit dem Fall vertraute Person. Sowohl die Deutsche Bank als auch die russische Zentralbank wollten den Bericht nicht kommentieren.

Im Kern der Ermittlungen stehen sogenannte „Mirror Trades“ – Spiegelgeschäfte. Dabei sollen russische Kunden bei der Deutschen Bank in Moskau Aktien in Rubel gekauft haben, welche sie wiederum in Dollar und anderen ausländischen Währungen verkauft hätten, und zwar an den Behörden vorbei. Es geht um Geschäfte im Wert von sechs Milliarden Dollar. Dabei, so vermuten die Ermittler, sollen Mitarbeiter der Deutschen Bank ihren Kunden geholfen haben. Der Verdacht lautet auf Geldwäsche. Denn über diese Spiegelgeschäfte könnten Gelder von zweifelhafter Herkunft ins Ausland gebracht worden sein.

Der Fall reiht sich in eine Liste von Skandalen der vergangen Jahre ein, die dem größten deutschen Finanzinstitut Ermittlungen gegen einst hochrangige Manager einbrachte. Doch mit der Strafe der russischen Zentralbank ist die Sache für die Deutsche Bank noch längst nicht erledigt. Bei den Aufsehern in den USA und in Großbritannien hat der Fall größte Aufmerksamkeit erregt. Sie wollen zudem die Frage klären, ob mit den Transaktionen nicht auch gegen internationale Sanktionen gegenüber Russland verstoßen wurde. Die beiden Staaten gelten als streng, insbesondere wenn es um Sanktionen geht. Der Fall könnte die Deutsche Bank also noch deutlicher teurer zu stehen kommen.

Die Ermittlungen Russlands und der USA sowie Großbritanniens entscheiden sich auch in anderen Grundsätzen. So bezieht sich die Strafe der russischen Zentralbank nur auf einen Zeitraum von einem Jahr. Großbritannien und die USA ermitteln jedoch gegen Geschäfte innerhalb von drei Jahren, zwischen Anfang 2011 und Anfang 2015.

Noch ist unklar, wie die Ermittlungen ausgehen. Gleichwohl habe die Deutsche Bank schon im Laufe dieses Jahres eine „kleine Zahl“ von Angestellten im Moskauer Aktienhandel entlassen. Das Finanzinstitut erklärte im Oktober, sie habe bei eigenen Untersuchungen Verstöße gegen interne Richtlinien sowie Fehler bei der Kontrolle der betroffenen Spiegelgeschäfte festgellt.

Für Rechtsstreitigkeiten hat das Institut mittlerweile 4,8 Milliarden Euro zurückgestellt. Allein im dritten Quartal 2015 kamen 1,2 Milliarden Euro hinzu. Die Aktie der Deutschen Bank ist in diesem Jahr mehr als 12 Prozent abgerutscht.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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