Deutsche Bank
Nach der Postbank-Übernahme wird gespart

Die Deutsche Bank will nach der Übernahme der Postbank die Personalkosten pro Mitarbeiter um 30 Prozent senken. Das Sparprogramm liest sich nicht gut für die Betroffenen.
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Frankfurt/MainDie Deutsche Bank will nach der Übernahme der Postbank die Personalkosten bei der neuen Tochter deutlich senken. Das berichtete das Wirtschaftsmagazin „Capital“ am Montag. Einige Bereiche sollten zu diesem Zweck in GmbHs ausgelagert werden.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte sich zu den Zahlen und Einzelheiten nicht äußern, bestätigte aber am Montag in Frankfurt am Main laufende Gespräche über einen Rahmeninteressensausgleich. Die Gespräche verliefen „grundsätzlich positiv“. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Alfred Herling sagte, es sei viel zu früh für Entscheidungen. Es sei bekannt, dass die Deutsche Bank nach der Übernahme Kosten senken
wolle. „Im Moment führen wir erste Grundsatzgespräche, was wir tun könnten, um das zu erreichen.“ Dabei gehe es selbstverständlich auch um Sachkosten und Mitarbeiter.

Auslagerung in GmbHs

Die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, dass die Deutsche Bank pro Mitarbeiter aus den Bereichen Datenverarbeitung und Informationstechnik oder die Kreditbearbeitung 30 Prozent an Kosten reduzieren will. Durch die Auslagerung in GmbHs würden die Angestellten aus bestehenden Tarifverträgen gelöst, berichtete Capital. Künftig sollen sie den Angaben zufolge statt 38,5 Stunden 42 Stunden arbeiten. Die Zahl der Urlaubstage soll verringert, 13. und 14. Monatsgehalt gestrichen werden.

Betroffene sollten fünf Jahre lang Ausgleichszahlungen erhalten. Im Gegenzug sollten zudem betriebsbedingte Kündigungen für alle Mitarbeiter von Postbank und Deutscher Bank in Deutschland bis Ende 2014 ausgeschlossen werden. Die nächste Verhandlungsrunde ist nach Angaben von „Capital“ für 28. bis 30. Juni angesetzt. Herling schließt eine Einigung im Juli nicht aus.

Die Deutsche Bank hat Erfahrung mit der Methode zur Kostensenkung. Sie hat in der Vergangenheit bereits verschiedene Bereiche in GmbHs ausgelagert, beispielsweise die Norisbank.

Privatkundenchef Rainer Neske hatte schon im Februar betont: „Ich kann nicht auf der einen Seite ein kostenloses Girokonto anbieten und auf der anderen Seite die Kostenthematik nicht adressieren.“ Nach der Übernahme der Bonner beschäftigt der Deutsche-Bank-Konzern fast 102.000 Vollzeitkräfte, davon gut 49.000 in Deutschland. Bank-Chef Josef Ackermann hatte praktisch mit der Vorlage des Übernahmeangebots deutlich gemacht, dass das Geschäft für die Personalstärke beider Häuser „gewisse Konsequenzen“ haben werde, vor allem im IT-Segment.

Eingliederung zieht sich hin

Unterdessen läuft die Eingliederung der Postbank in die Deutsche Bank schleppend. „Dieser Prozess wird noch einige Zeit andauern, bis der Weg für ein engeres Zusammenwachsen der beiden Einheiten definiert ist“, räumte Postbank-Chef Stefan Jütte noch auf der Hauptversammlung Ende Mai ein. Branchenkennern zufolge gibt es auch Überlegungen, die Deutsche-Bank-Tochter Norisbank in die Postbank zu integrieren.

Die Deutsche Bank hatte im Herbst bei der Postbank auf 52 Prozent aufgestockt, die ehemalige Muttergesellschaft Deutsche Post hält noch 39,5 Prozent an dem Institut. „Die Postbank betrachtet die Mehrheitsübernahme durch die Deutsche Bank (...) nicht als Bedrohung ihrer Identität, sondern vielmehr als Chance, ihre Kernkompetenzen weiter zu entwickeln“, betonte Jütte.

Keine Dividende

Die von Verlusten aus riskanten Anlagen in der Finanzkrise gebeutelte größte deutsche Filialkundenbank war erst 2010 in die Gewinnzone zurückgekehrt und will dort bleiben. Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2011 sollen keine Eintagsfliege bleiben. „Wir gehen unverändert davon aus, dass die Postbank in den Jahren 2011 und 2012 an die gute Entwicklung des Jahres 2010 anknüpfen kann“, sagte der Vorstandschef.

Die Aktionäre müssen für das vergangene, das laufende und das nächste Jahr allerdings auf eine Dividende verzichten. Mit dem einbehaltenen Gewinn will die Postbank die Kernkapitalquote auf 9,5 (Ende 2010: 8,1) Prozent steigern.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Typisch! Die Deutsche Bank verhält sich nicht anders, als die sog. "Heuschrecken". Die Kunden möchte man haben, das Personal stört. Da will man als Bankkunde am liebsten auch nicht länger stören - warum nicht Genosse bei einer Genossenschaftsbank werden?

  • Die Postbank ist auch nur ein "Spielplatz" für größenwahnsinnige Manager. Ein vernünftiges auf lange Sicht ausgelegtes Geschäftsmodell ist nicht erkennbar.-Kostenlose Konten + € 100,-- Prämie usw. So lässt sich Erfolg manipulieren ! - Schnäppchenjäger freuen sich, sind aber wieder weg, wenn man Ihnen später das Fell über die Ohren ziehen möchte (hoffentlich).Ist ja auch egal, denn die Vorstände werden ja fürstlich für Ihren angeblich kurzfristigen Erfolg entlohnt. Am Besten gelingt das immer, wenn man das Personal "billig" entlohnt und danach ist alles egal. Mich würde es nicht wundern, wenn demnächst noch eine moderne Form der Sklavenarbeit einführt. Billiglohn mit der Möglichkeit des Aufstockens (durch Hartz IV) haben wir ja schon. Eine Steigerung könnte "lohnfreie Arbeit, 80 Stunden Woche bei voller Versorgung durch Suppenküche und Schlafsaal" sein.....Das darauf noch keiner gekommen ist ????

  • Hier wird wieder nach dem Managerhandbuch gearbeitet: Kosten bei Mitarbeitern senken, damit der Gewinn und die Dividende opitimiert werden kann. Zum kotzen ...

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