Deutsche Bank Postbank-Übernahme könnte ein teures Nachspiel haben

Postbank-Aktionäre sahen sich bei der Übernahme des Geldhauses durch die Deutsche Bank übervorteilt und gingen vor Gericht. Das Landgericht Köln sprach ihnen nun Entschädigungszahlungen zu. Die Bank will sich dagegen wehren.
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Die Ansprüche der ehemaligen Postbank-Investoren verjähren zum Jahresende. Quelle: dpa
Deutsche Bank und Postbank

Die Ansprüche der ehemaligen Postbank-Investoren verjähren zum Jahresende.

(Foto: dpa)

Das juristische Nachspiel der Postbank-Übernahme könnte die Deutsche Bank mehr kosten als bislang gedacht. Das Landgericht Köln sprach am Freitag ehemaligen Aktionären der Postbank AG einen Anspruch auf Nachzahlung von 32,50 Euro je Aktie zu. Bekommen hatten sie bei der Übernahme lediglich 25 Euro für einen Postbank-Anteilsschein. Würden alle ehemaligen Postbank-Aktionäre eine solche Summe zugesprochen bekommen, könnten auf die Deutsche Bank Zahlungsanspräche von bis drei Milliarden Euro zukommen, erklärten die Kläger-Anwälte.

Bei dem Verfahren ging es um die Frage, ob die Deutsche Bank bereits zu dem Zeitpunkt, als sie den Postbank-Aktionären das Übernahmeangebot unterbreitete, die Kontrolle bei der Postbank übernommen hatte, obwohl die Aktienmehrheit formal noch von der Deutschen Post AG gehalten wurde.

Die Deutsche Bank war im September 2008 zunächst mit 29,75 Prozent bei der Postbank eingestiegen - zu einem Preis von 57,25 Euro je Aktie. Damit blieb sie unter der Marke von 30 Prozent, oberhalb der ein Pflichtangebot an die übrigen Aktionäre fällig wird.

Erst in einem zweiten Schritt stockte sie auf 48 Prozent auf, zahlte dafür nach dem Ausbruch der Finanzkrise aber nur noch 23,92 Euro je Aktie. Am 7. Oktober 2010 veröffentlichte die Deutsche Bank ein Übernahmeangebot für die Aktien der Postbank zum Preis von 25 Euro je Aktie. Damit mussten sich die Postbank-Kleinaktionäre letztlich begnügen.

Diese Banken mussten am meisten für die Finanzkrise zahlen
SunTrust
1 von 10

Im Zuge der Wirtschaftskrise musste SunTrust insgesamt über zwei Milliarden US-Dollar bezahlen. Im Gegensatz zu anderen Kreditinstituten ist das noch eine relativ geringe Summe.

(Quelle: ft)

Morgan Stanley
2 von 10

Auf dem nächsthöheren Platz in der Rangliste liegt Morgan Stanley. Im Zeitraum von 2008 bis 2017 musste die Bank etwa vier Milliarden US-Dollar bezahlen.

Credit Suisse
3 von 10

Seit dem Beginn der Wirtschaftskrise musste die Credit Suisse mehr als fünf Milliarden US-Dollar an Strafen überweisen.

Goldman Sachs
4 von 10

Ein Unternehmen, welches in der Finanzkrise häufiger in den Schlagzeilen stand, war Goldman Sachs. Es musste insgesamt mehr als sechs Milliarden US-Dollar an Strafen und Bußgeldern zahlen.

Wells Fargo
5 von 10

Im Mittelfeld dieses Rankings befindet sich die Bank Wells Fargo. Sie musste über neuen Milliarden US-Dollar zahlen.

Deutsche Bank
6 von 10

Nur etwas mehr als Wells Fargo musste die Deutsche Bank bezahlen. Ihre Strafen belaufen sich seit der Finanzkrise auf etwas weniger als zehn Milliarden US-Dollar.

RBS
7 von 10

Die Royal Bank of Scotland reißt sogar die magische Marke von Zahlungen in Höhe von mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Sie musste etwas über elf Milliarden US-Dollar bezahlen.

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte am Freitag in Frankfurt, das Institut werde aller Voraussicht nach in Berufung gehen. Die wäre dann an das Oberlandesgericht Köln zu richten. Dieses will am 8. November in einem ähnlichen Verfahren ein Urteil sprechen, dem in dem Streit richtungweisende Bedeutung zukommen dürfte, da das Oberlandesgericht Berufungsinstanz für die jetzt vom Landgericht entschiedenen Fälle ist.

Zur maximal denkbaren Zahlung seitens der Deutschen Bank wollte sich der Sprecher nicht äußern. Dies sei spekulativ. Ob die Bank bereits Rückstellungen in dem Fall gebildet hat, wollte er ebenfalls nicht sagen. Das Institut gehe weiterhin davon aus, dass kein Anspruch der Kleinaktionäre auf Nachzahlung bestehe.

Die potenziellen Ansprüche verjähren zum Jahresende, ehemalige Aktionäre der Postbank müssen diese also bis Ende Dezember geltend machen. Derzeit bereitet eine Berliner Anwaltskanzlei eine Sammelklage vor, der sich bereits ehemalige Postbank-Aktionäre mit einem Volumen von 100 Millionen Euro angeschlossen hätten.

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