Deutsche-Bank-Prozess
Ackermann greift den „Bankenschreck“ an

Im Prozess gegen die ehemaligen Top-Manager der Deutschen Bank ergreift Ex-Bank-Chef Ackermann überraschend das Wort – und richtet schwere Vorwürfe an den damals Vorsitzenden Richter am Oberlandesgericht.
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MünchenDie Tagesordnung für den achten Verhandlungstag im Prozess gegen die ehemaligen Top-Manager der Deutschen Bank sah unspannend aus. Erst am Nachmittag sollte ein Zeuge befragt werden. Doch dann ergriff Ex-Bank-Chef Josef Ackermann überraschend das Wort. Er richtete harte Vorwürfe an das Oberlandesgericht, wegen dem die Bank letztlich einen teuren Vergleich geschlossen hatte. Vorsitzender Richter vor dem Oberlandesgericht war Guido Kotschy, der mit seiner Aussage als Zeuge vor wenigen Tagen erst für Tumulte gesorgt hatte. Wegen seiner harten Vorgehensweise gegen Banken gilt Kotschy in der Branche auch als „Bankenschreck“.

Auf dem Verfahren unter Kotschys Vorsitz, das 2014 durch den Vergleich von Deutscher Bank und der Kirch-Gruppe beendet wurde, basieren die Vorwürfe, wegen derer sich die fünf prominenten Angeklagten nun vor dem Münchener Landgericht verantworten müssen: Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen, die Ex-Bankchefs Ackermann und Rolf E. Breuer sowie Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und das ehemalige Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck des Prozessbetrugs. Die Banker sollen in dem Schadenersatzprozess vor dem Oberlandesgericht die Unwahrheit gesagt haben.

Er wolle einzelne Aspekte beleuchten, auf die es seiner Meinung nach ankomme, erklärte Ackermann nun. Er halte an seinen bisherigen Angaben uneingeschränkt fest, las der ehemalige Top-Banker mit seinem unüberhörbaren Schweizer Einschlag aus seinem seitenlangen Statement vor. Es sei zwar richtig, dass man im Vorstand beschlossen habe, auf den Medienmanager Leo Kirch zuzugehen. Doch das 'Warum' sei entscheidend: Man habe kein Mandat von Kirch gewollt, sondern nur einen Interessenkonflikt vermeiden wollen, sollte man von dritter Seite angesprochen werden.

„Ich war immer gegen ein Mandat der Kirch-Gruppe“, betonte Ackermann. Denn das hätte bedeutet, dass man Kirch mit weiteren Krediten hätte unterstützen müssen. Als dieser Punkt vor dem Münchner Oberlandesgericht diskutiert wurde, und er dazu befragt wurde, sei er überrascht gewesen von der Stimmung im Gerichtssaal, die ihm „regelrecht feindselig“ vorgekommen sei. „Meine Aussagen trafen von Anfang an auf Skepsis“, erklärte Ackermann. Seine Äußerungen seien in einer Art und Weise angezweifelt worden, „die ich keineswegs erwartet hatte“.

Gleichwohl: Weder habe er falsch ausgesagt, noch sich mit den anderen Angeklagten abgesprochen. Und warum auch: Nach Einschätzung seiner Juristen war das Interview, auf dessen Basis Kirch Schadenersatz fordert, nicht so brisant gewesen, so Ackermann weiter. Er erinnere sich nicht, dass es im Anschluss an die Ausstrahlung des Interviews von Breuer innerhalb der Bank „besondere Aufregung“ gegeben habe. „Dass es uns mehr als ein Jahrzehnt beschäftigen würde, war nicht abzusehen.“

Deswegen seien auch frühere Verhandlungen über einen Vergleich abgebrochen worden und keine Rückstellungen in der Bilanz der Bank gebildet worden. Dennoch zahlte die Bank letztlich: Insgesamt 925 Millionen Euro, etwa 100 Millionen Euro mehr als der erste Vergleichsvorschlag, den 2012 Ackermann als damaliger Vorstandschef im Gepäck hatte.

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Prozess: Ackermann greift den „Bankenschreck“ an"

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  • @ zimmer:

    Um in Ihrem Bild zu bleiben: die Nutten gehen nicht ans Gericht, sondern an Väterchen Staat. Wer sich dort bedient, sind regelmäßig Politiker, die mit dem Zugewendeten oft nichts anfangen können, jedenfalls kaum sachgerecht.

  • Jeder Richter ist auch - wenn kaum zu glauben mitunter - ein Mensch, der irrt, aufregt und affig werden kann.
    Natürlich basiert der Erfolg der Kirch-Erben auch auf persönlichen Charaktereigenschaften der Richter, die dabei zu urteilen hatten.

    Hinzu trat die angestammte Ungeschicklichkeit von Managern, die nicht gewohnt sind, Rede und Antwort zu stellen - schon gar nicht gegenüber fachlich laienhaften Juristen, die von Bankmaterie kaum eine Ahnung haben und sich ungern nur belehren ließen.

    Kaum ein erfahrener Jurist würde Ackermann widersprechen, wenn er davon spricht, daß der Bräuer-Äußerung keine Bedeutung beigemessen wurde.
    Erst die mediale Aufbereitung des Bräuer-Interviews führte zu einer Aufregung unter vor allem Laien und Möchtegernen, die sich offenbar in der Richterschaft fortsetzen konnte.

  • "Denn das hätte bedeutet, dass man Kirch mit weiteren Krediten hätte unterstützen müssen."

    Die Ironie des Falls liegt vielmehr in der Parallelität zum Thema Griechenland.

    Ackermann wird, vielleicht sogar zu Recht vor Gericht gezerrt, während die Politiker sich im letzten Jahr selbst 10 % höhere Diäten gönnten. Vor dem Gesetz sind alle gleich, nur die einen können nicht einmal für ihr Fehlverhalten vor Gericht gezerrt werden.

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