Deutsche-Bank-Prozess
„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“

Seit April müssen sich ehemalige Top-Manager der Deutschen Bank in München vor Gericht verantworten. Ein Urteil ist noch nicht in Sicht, bis zum Februar soll der Prozess aber beendet sein. Die Stimmung bleibt gereizt.

MünchenDer Strafprozess gegen ehemalige Top-Manager der Deutschen Bank in München zieht sich unerwartet in die Länge. Doch mittlerweile scheint festzustehen: Bis Februar 2016 wird eine Entscheidung fallen. „Am Aschermittwoch ist alles vorbei... Vielleicht bewahrt sich ja der alte Song“, hatte der Vorsitzende Richte Peter Noll am Dienstag bei der Suche nach weiteren Verhandlungsterminen für den spektakulären Wirtschaftsprozess erklärt.

Seit Ende April müssen sich der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, die Ex-Bankchefs Josef Ackermann und Rolf E. Breuer sowie Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck in München vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Prozessbetrug vor: Sie sollen in dem – vor dem Oberlandesgericht geführten und 2014 mit einem Vergleich beendeten - Zivilprozess „Kirch vs. Deutsche Bank“ die Unwahrheit gesagt haben, um Schadenersatzforderungen abzuwehren.

Ursprünglich war erwartet worden, dass der Strafprozess gegen die Banker noch in diesem Jahr zu Ende gehen könnte. Doch damit ist nicht zu rechnen, stellte der Richter klar, der immer wieder mit launigen Bemerkungen die Stimmung auflockert. „Sehen Sie, nicht nur wir sitzen hier länger als man denkt“, sagte er so am Dienstag, als ein Zeuge schilderte, dass sich die Dauer von Aufsichtsratssitzungen in der Deutschen Bank in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet habe.

Bis zum 17. Februar legte das Gericht nun weitere Verhandlungstermine fest. „Das müsste dann reichen“, erklärte Noll. Schon der 10. Februar – Aschermittwoch - und der 17. Februar seien „Reservetermine“.

Unklar ist aber noch immer, wie das Gericht unter dem Vorsitz von Noll die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft beurteilt. Jedoch scheint die Anklage selbst ihre Chancen schlecht einzuschätzen: Immer wieder legt sie neue Beweisanträge vor und versucht damit ihre Vorwürfe aus der Anklageschrift zu untermauern.

Aus Sicht der Verteidigung jedenfalls ist schon lange klar, dass die Vorwürfe gegen die fünf Banker haltlos sind. Entsprechend hitzig verlaufen daher viele Verhandlungstage. Aber nicht dieser Dienstag: Nach kurzer Befragung von zwei Zeugen – zwei Bankern – wurde die Sitzung bereits am Mittag beendet und auf den 8. Dezember vertagt.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin
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