Deutsche-Bank-Prozess
Co-Chef Fitschen reagiert erleichtert auf Freispruch

Das Landgericht München hat den Co-Chef der Deutschen Bank vom Vorwurf des Prozessbetrugs freigesprochen. Auch die anderen Angeklagten sind unschuldig. Fitschen ist schon auf dem Weg ins Büro.
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MünchenDas Verfahren wegen Prozessbetrug gegen amtierende und Ex-Top-Manager der Deutschen Bank hat mit einem Freispruch geendet. Richter Peter Noll verkündete den Beschluss am Montagvormittag am Münchener Landgericht. Auch die anderen Angeklagten wurden freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft habe nicht beweisen können, dass die fünf angeklagten Manager in einem Schadenersatzprozess des früheren Medienmagnaten Leo Kirch ein anderes Gericht belogen haben, urteilte die Strafkammer. „Die Tatvorwürfe haben sich nicht bestätigt“, sagte Noll.

Angesichts der Betrugsvorwürfe habe aber durchaus Anlass für die Ermittlungen und für das Gerichtsverfahren bestanden. Das Gericht folgte mit seinem Urteil den Anträgen der Verteidigung. Die Anklage hatte Freiheitsstrafen gefordert und sich eine Revision vor dem Bundesgerichtshof vorbehalten. Es sei noch nicht sicher, ob man Revision einlege, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde am Montag. „Jetzt müssen wir uns überlegen, ob wir in eine weitere Instanz gehen.“ Die Staatsanwaltschaft hatte Freiheitsstrafen gefordert. „Ob wir jetzt bei unserer Bewertung bleiben, das müssen wir uns überlegen“, sagte der Sprecher.

Traditionell hebt der BGH Urteile der Vorinstanzen nur selten wieder auf. In einem Revisionsverfahren sammelt das oberste Bundesgericht keine neuen Beweise, sondern klärt lediglich, ob das Landgericht rechtlich sauber gearbeitet hat.

Fitschen: „Ich bin den Rest des Tages in meinem Büro“

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, reagierte erleichtert auf das Ende des Strafprozesses. „Sie können sich vorstellen, wie froh ich bin, dass der Prozess nach einem Jahr zum Ende gekommen ist“, sagte er nach der eineinhalbstündigen Urteilsbegründung. Er habe stets gesagt, dass er die Wahrheit gesagt habe. Der Prozess sei eine Belastung für ihn gewesen. Eine Pause hatte Fitschen nach dem Urteilsspruch aber nicht geplant. „Ich fliege gleich nach Frankfurt und bin den Rest des Tages in meinem Büro“, sagte er auf dem Weg aus dem Gerichtssaal.

Fitschen und vier frühere Topmanager des Instituts hatten zuvor die Anklagevorwürfe erneut zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft folge einem „unzutreffenden, von Unterstellungen und Spekulationen geleiteten Bild“, so der mitangeklagte Ex-Chef der Bank, Josef Ackermann.

Ackermann äußerte sich als einziger Angeklagter ausführlicher in seinem Schlusswort vor der Urteilsverkündung. Fitschen und die übrigen Angeklagten sagten lediglich, sie schlössen sich den Worten ihrer Verteidiger an. Diese hatten bereits vor einer Woche auf Freisprüche plädiert.

Für Fitschens Anwalt Hanns Feigen ist das Verfahren der zweite große Sieg in wenigen Wochen. Er hatte auch für den Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking einen Freispruch erstritten in einem Verfahren wegen des Verdachts der Marktmanipulation. (Hier lesen Sie ein Porträt Hanns Feigens).

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Bis zu dreieinhalb Jahre Haft waren gefordert

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  • der größte Skandal an diesem Kirch-Deutsche Bank Prozess ist das ein deutsches Gericht dafür benutzt wurde das eine Einzelperson Namens Dieter Hahn 200 Millionen Euro von der Deutschen Bank kassiert hat.

  • Zum Glück habe ich bei dieser Schmarotzer-Bank kein Konto. Oder um es mit Ackermann zu sagen: Ich würde mich schämen, dort ein Konto zu haben.

  • Stimmt, wozu der ganze aufwand, oder geht es nur um PR-Maßnahmen?

    viel spannender finde ich die Diskussionen um TTIP. Auch wenn es der dt. wirtschaft am Anfang etwas schwerer fallen wird, sich gegen die Kriegsgesetze der USA durch zu setzen, so dürften wir hier am Ende die Sieger sein.

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