Deutsche Bank-Prozess
Dämpfer für die Anklage

Im Deutsche-Bank-Prozess im Fall Kirch kochen die Emotionen hoch. Der Richter stutzte am Dienstag die Staatsanwaltschaft zurecht und gab sich wenig überzeugt von den Beweisanträgen der Ankläger.

MünchenIm Strafprozess gegen fünf Top-Banker der Deutschen Bank wegen versuchten Betrugs im Fall Kirch hat der Richter Zweifel an den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft geäußert. Bei der Verlesung eines Beweisantrags der Ankläger habe er sich beherrschen müssen, sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll am Dienstag vor dem Landgericht München. „Ich habe innerlich mit der Stirn gerunzelt, aber meine Gesichtsmuskulatur unter Kontrolle.“ Auch auf eine Äußerung der Oberstaatsanwältin Christiane Serini reagierte er sichtlich gereizt. Sie hatte dem ehemaligen Bankchef Josef Ackermann vorgeworfen, im Zusammenhang mit der Kirch-Pleite „von vorne bis hinten“ falsch vorgetragen zu haben. „Das sehe ich nach dieser Beweisaufnahme bisher nicht“, entgegnete Noll.

Es ist ein Rückschlag für die Staatsanwaltschaft, die immer wieder mit neuen Beweisanträgen ihre Anklage untermauern will. In dem Verfahren muss sich der amtierende Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, zusammen mit seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf-E. Breuer sowie zwei weiteren Ex-Bankern wegen versuchten Prozessbetrugs verantworten. Alle fünf haben nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft versucht, die Wahrheit über die Pleite der Kirch-Gruppe zu verschleiern und in einem Prozess um Schadenersatzforderungen des Medienunternehmers Leo Kirch zum Schutz der Deutschen Bank falsch ausgesagt. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe zurückgewiesen.

Doch das überzeugt die Staatsanwaltschaft nicht. Auch am Dienstag legte sie einen Beweisantrag vor – den 32. in diesem Verfahren. Nachdem der Richter einen früheren Antrag auf Befragung von weiteren Zeugen im vergangenen Jahr abgelehnt hatte, beantragte die Anklage nun erneut die Vorladung dieser Bankmitarbeiter. Sie sollen unter anderem beweisen, dass Breuer bei Gesprächen mit Leo Kirch Hintergedanken hatte und ein Mandat von dem Medienmanager wollte.

Auch Fitschen will man mit Hilfe weiterer Dokumente nachweisen, dass er auf seinen Auftritt vor dem Oberlandesgericht vorbereitet wurde. Bei einem Telefonat zwischen Fitschen und Ackermann müsse es um das Thema Kirch gegangen sein, argumentierte die Staatsanwaltschaft, was Ackermann mit Kopfschütteln quittierte. Und auch die anderen Angeklagten werden nicht vom Haken gelassen: Wie die Staatsanwaltschaft forderte, sollen weitere Akten, Protokolle und E-Mails in das Verfahren eingeführt werden, welche die Schuld der ehemaligen Top-Banker beweisen sollen. Über den Antrag wurde noch nicht entschieden – und es werde auch nicht der letzte Antrag der Staatsanwaltschaft sein, kündigte Oberstaatsanwältin Serini an. Am kommenden Dienstag geht der Prozess weiter.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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