Deutsche Bank-Prozess

Heute spricht Jürgen Fitschen

Am zweiten Tag des Betrugsprozesses gegen Jürgen Fitschen und vier ehemalige Top-Banker der Deutsche Bank will der Co-Chef zu den Betrugsvorwürfen Stellung nehmen – aber keine Fragen der Staatsanwaltschaft beantworten.
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Jürgen Fitschen (Mitte) mit seinem Anwalt Hanns W. Feigen und seiner Anwältin Barbara Livonius am ersten Verhandlungstag. Quelle: dpa
Der Prozessgeht in die zweite Runde

Jürgen Fitschen (Mitte) mit seinem Anwalt Hanns W. Feigen und seiner Anwältin Barbara Livonius am ersten Verhandlungstag.

(Foto: dpa)

MünchenTag zwei im Münchner Betrugsprozess gegen Spitzenmanager der Deutschen Bank: Heute will sich der wegen Betrugsversuchs angeklagte Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vor dem Landgericht München äußern. Ihm wird versuchter Prozessbetrug im Fall Kirch vorgeworfen.

Zu Prozessbeginn vor einer Woche hatte die Staatsanwaltschaft die Anklage verlesen, nun haben neben Fitschen auch die vier übrigen beschuldigten Top-Banker Gelegenheit zur Stellungnahme. Wie der amtierende Konzernchef hat auch sein Vorgänger Josef Ackermann eine Erklärung angekündigt. Ackermanns Vorgänger Rolf Breuer will dagegen vorerst schweigen.

Die Protagonisten im Deutsche-Bank-Prozess
Prozessauftakt im Landgericht München
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Das Landgericht München wird am Dienstag Schauplatz für einen Prozess gegen einen derzeitigen und vier frühere Deutsche-Bank-Manager. Die Staatsanwaltschaft wirft den Bankern versuchten Prozessbetrug in einem besonders schweren Fall vor. Die Anklagebehörde ist überzeugt, dass die Manager vor vier Jahren in einem Prozess um milliardenschwere Schadenersatzforderungen für die Pleite des Medienkonzerns Kirch nicht die Wahrheit gesagt haben. Dadurch wollten sie aus Sicht der Staatsanwaltschaft erreichen, dass die Bank nicht an Kirch beziehungsweise dessen Erben zahlen muss. Die wichtigsten Protagonisten des Prozesses.

Ein Ex-Deutsche-Bank-Chef: Rolf-E. Breuer
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Breuer war von 1997 bis 2002 Vorstandssprecher. Dann wurde er Chef des Aufsichtsrats. 2006 trat er zurück, wofür der Rechtsstreit mit Kirch ein Grund gewesen sein soll. Breuers 2002 in einem Interview geäußerte Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs waren Auslöser für einen jahreslangen Rechtsstreit um Schadenersatz, den die Deutsche Bank 2014 mit einem Vergleich über 925 Millionen Euro beilegte.

Rolf Breuer
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Das Oberlandesgericht München sah es als erwiesen an, dass Breuer vorsätzlich gehandelt und Kirch damit sittenwidrig geschädigt hat, weil die Bank mit Breuer ins Geschäft kommen wollte. Breuer sagte im Prozess aus, der Vorstand hatte damals beschlossen abzuwarten, ob ein Dritter an die Bank herantrete, bevor man mit Kirch über ein mögliches Mandat spreche. Das Gericht sah jedoch genügend Beweise, dass er log.

Der Deutsche-Bank-Co-Chef: Jürgen Fitschen
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Seit 2012 ist Jürgen Fitschen Co-Chef der Deutschen Bank. 2002 zur Zeit des Interviews war er Mitglied des Vorstands. Im Kirch-Prozess sagte er aus, er könne sich an die entsprechende Vorstandssitzung nicht mehr erinnern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe sich sehr wohl „richtig“ erinnert, sich aber vor Gericht um eine Aussage gedrückt, um der Darstellung der anderen nicht zu widersprechen. Es wäre seine Pflicht gewesen, die Falschaussagen der anderen zu korrigieren. Fitschen ist sich keiner Schuld bewusst und beteuert immer wieder, er habe weder gelogen noch betrogen.

Der Richter: Peter Noll
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Über das Schicksal der fünf Angeklagten entscheidet Peter Noll, Vorsitzender der Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht München I. Der 54-Jährige mit Nickelbrille ist keiner, der sich vor spektakulären Fällen wegduckt: Schon im Siemens-Prozess wegen der schwarzen Kassen mussten hochrangige Manager ihm Rede und Antwort stehen. Für Schlagzeilen sorgte Noll aber vor allem mit dem Verfahren gegen Formel-1-Legende Bernie Ecclestone vergangenen Sommer.

Der Staatsanwalt: Stephan Necknig
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Die Deutsche Bank in Frankfurt: Stephan Necknig wird als Gruppenleiter der Münchener Staatsanwalt die Anklage vor Gericht vertreten. Er sorgte für Schlagzeilen, als er (in seiner damaligen Funktion als Richter) bei einem Nazi-Prozess auf die Pressebank sprang und schreiend ein Handgemenge zwischen einem Neo-Nazi und einem Gerichtsreporter beendete. Als besonders hartnäckige Ermittlerin im Fall „Deutsche Bank“ erwies sich allerdings Oberstaatsanwältin Christiane Serini, die auch die insgesamt 627 Seiten lange Anklage ausgearbeitet hat.

Der zweite Ex-Chef: Josef Ackermann
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Von 2002 bis 2012 war Ackermann Vorstandschef der Deutschen Bank. Heute ist er Chefaufseher der Bank of Cyprus. 2002 war Ackermann im Vorstand fürs Investmentbanking zuständig. Im Kirch-Prozess bestätigte er Breuers Darstellung der Vorbedingung. Außerdem soll ihm bewusst gewesen sein, dass nur Breuers Darstellung den Vorwurf der sittenwidrigen Schädigung Kirchs entkräften konnte. Gegenüber der Staatsanwaltschaft sagte er später, dass er sich inzwischen erinnere, dass es doch keine Vorbedingung gab.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Fitschen und vier Ex-Manager aus der Führungsriege der größten deutschen Bank wiegen schwer. Sie sollen vor vier Jahren versucht haben, das Oberlandesgericht München zu täuschen, um eine milliardenschwere Schadenersatzklage des Medienmoguls Leo Kirch abzublocken. Der Unternehmer, der 2011 starb, hatte die Deutsche Bank für den Zusammenbruch seines Imperiums verantwortlich gemacht.

Angeklagt sind neben Fitschen auch seine beiden Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann sowie Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und der ehemalige Vorstand Tessen von Heydebreck. Alle fünf haben aus Sicht der Staatsanwaltschaft einen gemeinsamen Tatplan verfolgt, um die Richter im Kirch-Verfahren mit übereinstimmenden Aussagen zu täuschen. Der Medienunternehmer Leo Kirch hatte bis zu seinem Tod stets Breuer und die Deutsche Bank für die Pleite seines Konzerns verantwortlich gemacht.

Die Verteidiger haben die Betrugsvorwürfe zurückgewiesen und einen Konfrontationskurs gegen die Staatsanwaltschaft vorgezeichnet. Fitschens Verteidiger Hanns Feigen warf den Ermittlern einen willkürlichen Umgang mit Beweismitteln vor. Fitschen werde deshalb nur Fragen des Gerichts, nicht aber der Staatsanwaltschaft beantworten.

„Es wird jetzt ungemütlich“, hatte Fitschen kurz vor Beginn des Betrugsprozesses bereits in einem Interview prophezeit. Nun muss er mitten im Umbau der Deutschen Bank seinen Chefsessel auch noch regelmäßig mit der Anklagebank in München tauschen.

Fitschen und Ackermann: So erschienen sie vor Gericht

  • dpa
  • rtr
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