Deutsche-Bank-Prozess: Kein kurzer Prozess

Deutsche-Bank-Prozess
Kein kurzer Prozess

Die Hoffnungen der Angeklagten, dass das Verfahren gegen sie wegen des Vorwurfs des Prozessbetrugs schnell beendet werden könnte, schwindet. Der Richter legte zusätzliche Verhandlungstermine bis Mitte März fest.

MünchenDeutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und vier weitere, frühere Topmanager der Deutschen Bank müssen länger als erwartet in München vor Gericht erscheinen. Die Hoffnungen der Angeklagten, dass das Verfahren gegen sie wegen des Vorwurfs des Prozessbetrugs schnell beendet werden könnte, schwinden zusehends.

Ursprünglich war erwartet worden, dass der Strafprozess im vergangenen Jahr zu Ende gehen könnte, und mehrmals hatte das Gericht ein baldiges Prozessende in Aussicht gestellt. Zuletzt war in diesem Zusammenhang über den 17. Februar diskutiert worden. „Ich glaube nicht, dass wir am 17. Februar fertig werden“, sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll nun aber. „Wir nähern uns schon den Osterferien – und dem Jahrestag.“

Hintergrund dieser Verzögerungen sind seitenlange Beweisanträge der Staatsanwaltschaft. Sie wirft Fitschen, seinen Vorgängern Josef Ackermann und Rolf-E. Breuer sowie zwei weiteren Bankern vor, 2011 Richter des Oberlandesgerichts München angelogen zu haben.

Sie sollen in dem – vor dem Oberlandesgericht geführten und 2014 mit einem Vergleich beendeten – Zivilprozess „Kirch vs. Deutsche Bank“ die Unwahrheit gesagt haben um Schadenersatzforderungen abzuwehren. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe bestritten.

Doch das überzeugt die Staatsanwaltschaft nicht: Sie hält an ihren Vorwürfen fest und legt immer wieder neue Beweisanträge vor. Am Dienstag forderte sie so, dass sich das Gericht zahlreiche Mails der Banker, Kalendereinträge, Protokolle von Vorstandssitzungen und Gerichtsverhandlungen genauer anschauen soll.

Denn den Angeklagten sei sehr wohl bewusst gewesen, dass sie vor Gericht falsch aussagen, meint die Staatsanwaltschaft. Auf der Gegenseite sorgt das für Kopfschütteln – und Unmut. Man nehme wohl gar nicht zur Kenntnis, was in diesem Verfahren gesagt und gehört werde, kritisierte ein Verteidiger. Der Richter schwieg – und vertagte die Sitzung auf den nächsten Dienstag.

In dem Zivilprozess, der im Fokus der Anklage steht, hatte Leo Kirch die Deutsche Bank für die Pleite seines Medienimperiums verantwortlich gemacht. Der ehemalige Vorsitzende der Bank, Rolf Breuer, hatte 2002 in einem Interview Zweifel über Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert. Der Schadenersatzstreit vor dem Oberlandesgericht München endete nach Kirchs Tod mit einem 925 Millionen Euro schweren Vergleich mit den Erben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%