Deutsche-Bank-Prozess: Sekt oder Selters?

Deutsche-Bank-Prozess
Sekt oder Selters?

Vor Gericht müssen Angeklagte eigentlich ihre Finanzen offenlegen. Im Deutsche-Bank-Prozess sollen die Vermögen der ehemaligen Deutschen-Bank-Manager aber geheim bleiben – gegen den Willen der Staatsanwaltschaft.

MünchenLebt man als ehemaliger Top-Manager der Deutschen Bank im Alter in Saus und Braus oder muss man sie sich die Butter auf dem Frühstückstoast verkneifen? Die Öffentlichkeit wird es möglicherweise nicht erfahren: Die Angaben zu den „persönlichen Verhältnissen“ von Co-Chef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen, den Ex-Bankchefs Josef Ackermann und Rolf E. Breuer sowie Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und das ehemalige Vorstandsmitglied Tessen von Heydebreck werden nicht öffentlich verlesen, wie Richter Peter Noll am Dienstag verkündete.

Vielmehr sollen die Erklärungen in einem „Sonderband“ abgelegt werden, den die Staatsanwaltschaft einsehen kann. Diese will das aber nicht akzeptieren: Man habe zwar „durchaus Verständnis“, dass die Finanzen nicht offengelegt werden, habe aber gleichzeitig „rechtliche Bedenken“ ob dieses Vorgehens. Schließlich sei dieses auch nicht mit ihnen abgesprochen worden. Auf Basis der Angaben wird die Höhe einer Geldstrafe oder Geldauflage berechnet.

Wie viel der einzige, noch in der Bank aktive Angeklagte Fitschen zuletzt verdiente, ist öffentlich bekannt: 2014 zahlte die Deutsche Bank ihm 6,7 Millionen Euro, wie aus dem letzten Geschäftsbericht hervorgeht.

Die fünf Banker müssen sich wegen des Vorwurfs des Prozessbetrugs verantworten. Sie sollen in einem früheren Prozess vor dem Oberlandesgericht München gelogen haben, um Schadenersatzansprüche des Medienunternehmers Leo Kirch abzuwehren. Seit vergangenen April untersucht das Landgericht München diese Vorwürfe der Staatsanwaltschaft – und es sieht gut aus für die Angeklagten. Schon mehrfach hatte Richter Noll erkennen lassen, dass er Zweifel an Vorwürfen der Staatsanwaltschaft hat.

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