Deutsche-Bank-Prozess
Spannung bis zum letzten Tag

Wenn alles nach Plan läuft, wird Richter Peter Noll am Dienstag seine Urteile gegen fünf Top-Manager der Deutschen Bank sprechen. Alle Beobachter erwarten Freisprüche. Doch die Staatsanwaltschaft könnte querschießen.

Mit dem Strafverfahren gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen neigt sich einer der spektakulärsten Wirtschaftsprozesse der vergangenen Jahre dem Ende zu. Dass Fitschen und seine vier Mitangeklagten freigesprochen werden, halten Beteiligte nach scharfer Kritik des Landgerichts München an der Anklage für so gut wie ausgemacht.

Die spannende Frage ist, ob das Urteil bereits am Dienstag fällt oder ob die Staatsanwaltschaft dem Gericht in letzter Minute in die Parade fahren kann. Die Strafverfolger haben zwar schon ihr Plädoyer gehalten, wollen aber überraschend noch eine Durchsuchung der Bank erzwingen. In jedem Fall stehen vor einem Urteil noch die Verteidiger-Plädoyers für drei der fünf Angeklagten und deren mögliche Schlussworte aus.

Vor Gericht stehen neben Fitschen dessen Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere ehemalige Vorstandsmitglieder von Deutschlands größtem Geldinstitut. Noch nie war ein Dax-Konzern so prominent auf der Anklagebank vertreten. Die Manager sollen in einem Schadenersatzprozess mit dem früheren Medienmogul Leo Kirch ein anderes Gericht belogen haben, lautet der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Sie will Ackermann und Breuer wegen versuchten schweren Prozessbetrugs ins Gefängnis bringen und Fitschen mit einer Bewährungsstrafe belangen. Die Angeklagten betonen ihre Unschuld.

Der Streit über den Zusammenbruch der Kirch-Mediengruppe verfolgt die Deutsche Bank seit 14 Jahren und gipfelte vor einem Jahr in diesem Strafprozess. Kirch, der 2011 starb, machte die Bank für die Pleite verantwortlich, weil sich deren damaliger Chef Breuer in einem Interview kritisch über Kirchs Kreditwürdigkeit geäußert hatte. Der Schadenersatzstreit endete mit einem Vergleich: Die Bank zahlte 928 Millionen Euro an Kirchs Erben. Eine Schuld an der Pleite wies sie von sich - Breuer habe Kirch nicht in Schwierigkeiten bringen wollen, sondern sich lediglich auf Bekanntes berufen. Von Breuer holt sich die Bank per Vergleich 3,2 Millionen wieder, von der für ihn abgeschlossenen Managerhaftpflichtversicherung bekommt das Institut nach Abzug des Selbstbehalts rund 90 Millionen Euro.

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Staatsanwaltschaft lässt nicht locker

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