Deutsche-Bank-Prozess
„Uns ist ein Zeuge zugelaufen”

Richter, Anwalt und sogar die Angeklagten staunten nicht schlecht: Ein Unbekannter auf dem Zeugenstuhl im Münchener Landgericht sorgte am Dienstag im Prozess gegen Deutsche-Bank-Manager vorübergehend für einige Unruhe.

MünchenIm Deutsche-Bank-Prozess herrscht am Dienstag unerwartet Spannung: Ein Mann im grauen Anzug und blauer Krawatte saß schon vor Beginn des Prozesstages auf dem Zeugenstuhl, während sich die Prozessbeteiligten – unter anderem die Angeklagten Banker Jürgen Fitschen, Josef Ackermann und Rolf E. Breuer – wie gewöhnlich auf ihre Plätze begaben. Still, mit in sich verschränkten Händen, saß der Unbekannte da, vor sich auf dem Tisch eine blaue Kladde, wartete. „Uns ist ein Zeuge zugelaufen“, scherzte ein Verteidiger. Mehrere Gerichtsbeamte standen bereit.

„Was tun Sie da?”, begrüßte ihn der Vorsitzende Richter Peter Noll, nachdem er sich auf seinen Platz gesetzt hatte. „Sie gehören hier nicht her. Wen ich als Zeuge höre oder nicht, bestimme ich“. Doch der ungebetene Zeuge blieb sitzen. Er könne nicht gehen, antwortete der Mann leise, aber bestimmt. „Sie gehen jetzt“, insistierte der Richter. „Sie sind kein Zeuge, Sie gehen jetzt oder Sie werden entfernt“. Der Mann blieb sitzen – und wurde schließlich von mehreren Beamten an den Armen gepackt und aus dem Saal und dem Gerichtsgebäude eskortiert. Dort verschwand er. Die Angeklagten verfolgten die Szene mit staunenden Augen.

Der ungebetene Zeuge hatte sich zuvor schon einmal in dem laufenden Prozess zu Wort gemeldet. Aus dem Zuschauerraum hatte er dem Richter zugerufen, er wolle eine Erklärung abgeben. Richter und Staatsanwälte gingen darauf aber nicht ein - zumal der Mann den Vorsitzenden Richter mit dem Vornamen ansprach. Bei der Staatsanwaltschaft habe sich der Mann während der jahrelangen Ermittlungen auch nicht als Zeuge gemeldet, sagte Staatsanwalt Florian Opper in einer Prozesspause. Juristische Konsequenzen habe der Auftritt für den Mann aber nicht. „Das war zwar lästig, aber nicht strafbar.“
Die angeklagten Top-Banker der Deutschen Bank mussten während des Vorfalls aber nicht um ihre Sicherheit fürchten: Fitschen wird routinemäßig von einem Leibwächter begleitet, der während des gesamten Prozesses in der vordersten Reihe im Saal bleibt. Zudem sitzt in dem Prozess stets ein Wachtmeister oder eine Wachtmeisterin mit Schlagstock im Raum.

Nach dem Vorfall nahm das Verfahren wieder seinen Lauf: Zum dritten Mal wurde Staatsanwältin Christiane Serini als Zeugin befragt und schilderte den Richtern, wie ihre ersten Vernehmungen der Angeklagten abgelaufen waren. Seit Ende April müssen sich die Banker vor dem Landgericht wegen des Vorwurfs des Prozessbetrugs verantworten. Anklage und Verteidiger überhäufen sich mit Anträgen und Erklärungen, beide Seiten beharren auf ihrem Standpunkt: Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, die Ex-Bankchefs Josef Ackermann und Rolf-E. Breuer sowie Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Ex-Vorstand Tessen von Heydebreck, in dem vor dem Oberlandesgericht geführten und 2014 mit einem Vergleich beendeten Zivilprozess „Kirch vs. Deutsche Bank“ die Unwahrheit gesagt zu haben, um Schadenersatzforderungen abzuwehren. Die Banker weisen das zurück.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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