Deutsche Bank
Russland-Chef kehrt Moskau den Rücken

Künftig soll sich der Russland-Chef der Deutschen Bank von Frankfurt aus um Kunden in Mittel- und Osteuropa kümmern. Seine Rückkehr habe aber nichts mit der aktuellen Geldwäsche-Affäre des Instituts zu tun.

MoskauDie Deutsche Bank ist nach wie vor im Visier der Aufseher. Russische Kunden stehen unter Verdacht, über die Bank Rubel im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen zu haben. Das US-Justizministerium, mehrere Aufsichtsbehörden und die Bank selbst ermitteln in dem Fall.

Nun soll sich der Russland-Chef der Deutschen Bank künftig von Frankfurt aus um Kunden in Mittel- und Osteuropa kümmern. Jörg Bongartz verlässt Moskau, wo er seit 2006 Geschäftsführer war und sich um den Zahlungsverkehr kümmerte, wie die Deutsche Bank mitteilte. Bongartz' Rückkehr nach Deutschland habe aber mit der aktuellen Geldwäsche-Affäre zu tun, erklärte die Bank: „Der Umzug war seit langem geplant.“

Nach Informationen von Insidern erwägt die Bank, sich ganz aus Russland zurückzuziehen. Sie wolle sich künftig auf Europa, die USA und Asien konzentrieren und damit ihren globalen Anspruch aufgeben. Die Ereignisse in Russland waren nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ auch Thema auf der Aufsichtsratsklausur am Tegernsee am Wochenende. Über Ergebnisse des ersten Auftritts von John Cryan als Vorstandschef vor dem Gremium wurde zunächst nichts bekannt.

Viele Investoren hoffen, dass Cryan beim Umbau der Deutschen Bank ähnlich hart durchgreift wie beim Schweizer Konkurrenten UBS, wo er sich als Finanzchef von 2008 bis 2011 einen guten Ruf als Aufräumer erwarb. Der Brite sei jemand, der ausgegebene Ziele einhalte oder übertreffe, sagt einer der zehn größten Aktionäre der Deutschen Bank. Er hofft, dass Cryan das auch beim krisengeschüttelten Frankfurter Geldhaus gelingt. „Bei der Bank hat es in den vergangenen Jahren nicht an Visionen gemangelt, sondern an der Umsetzung.“

Cryan hat bei seinen ersten Auftritten klar gemacht, dass er die Kosten senken will. Der verschwenderische Umgang mit den Einnahmen sei nicht akzeptabel. Die knapp 100.000 Mitarbeiter des Instituts müssen sich deshalb auf Einschnitte einstellen. „Veränderungen können belastend sein, aber den Status quo beizubehalten, ist keine Option“, schrieb er in einem Brief an die Belegschaft. An der beschlossenen Abspaltung der Postbank will Cryan festhalten. Von den verbleibende 700 Deutsche-Bank-Filialen in Deutschland soll bis 2017 zudem fast jede dritte dichtgemacht werden.
Investoren setzen zudem darauf, dass Cryan im Investmentbanking einspart, das viele Jahre von Cryans Vorgänger Jain geführt und nach Ansicht von Kritikern zu lange von Einschnitten verschont wurde. Beschlossen ist einem Insider zufolge zudem der Rückzug aus sechs Ländern, in denen die Deutsche Bank keine große Repräsentanz hat: Finnland, Dänemark, Norwegen, Malta, Peru und Neuseeland. Bis zu sechs weitere Länder stehen auf dem Prüfstand.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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