Deutsche Bank
Schrille Misstöne bei Postbank-Integration

Wenn es nach der Deutschen Bank geht, dann ist die Integration der Postbank „auf gutem Weg“ und „im Plan“. Wer am Freitag die protestierenden Postbank-Mitarbeiter sah, hatte allerdings einen etwas anderen Eindruck.
  • 8

BonnWenn die Deutsche Bank ihre Investoren und die Analysten über den Stand der Integration der Postbank informiert, dann liest sich das in den Power-Point-Präsentationen und Pressemitteilungen immer sehr flüssig. Dann ist das größte deutsche Geldhaus „im Plan“ oder „auf gutem Weg“, die milliardenschweren Synergien aus der Übernahme so schnell wie möglich zu heben. Die Botschaft ist stets die gleiche: die Eingliederung verläuft geräusch- und problemlos.

Wer am Freitag vor der Postbank-Zentrale in Bonn war, hatte allerdings den Eindruck, dass es auch einige schrille Misstöne gibt. Hunderte von Postbank-Mitarbeitern und Betriebsräte aus ganz Deutschland zeigten mit Trillerpfeifen und Plakaten, dass der Deutschen Bank in puncto jüngster Tochter wohl ein heißer Herbst bevorsteht. Hintergrund ist die Umstrukturierung der Postbank, bei der laut Verdi viele Bereiche in einzelne Gesellschaften zu schlechteren Konditionen ausgegliedert werden sollen. Einen Anfang macht gerade die BHW Bank in Hameln, die in eine Kreditfabrik umgebaut wird.

Weil es der Freitag vor dem langen Wochenende ist und sich noch dazu der Altweibersommer breit macht, lässt es sich offenbar gut mobilisieren, zumal eine Band, die als „Heavy Gummi“ vorgestellt wird, das Ganze musikalisch untermalt. Manche Slogans sind witzig, wie die Verballhornung der Postbank-Werbung „Unterm Strich zähl ich“. Mal wird der Claim in „Unterm Strich, wo bleib ich?“ abgewandelt, mal in „Unterm Strich zahl ich.“. Eher verunglückt und dadaistisch ist dagegen das Plakat mit der Aufschrift: „Wir beAckern das Feld, mann erntet.“

Eigentlich muss Verdi mit der Deutschen Postbank verhandeln, aber schnell haben sich alle Redner auf die Mutter Deutsche Bank eingeschossen. Und weil an deren Spitze Josef Ackermann steht, ist Verdi-Chef Frank Bsirske höchstpersönlich aus Berlin in die Bonner Friedrich-Ebert-Allee geeilt, um den Fehdehandschuh sozusagen auf Augenhöhe zu werfen. 42-Stunden-Woche, drei Tage weniger Urlaub und eine zerstückelte Arbeit in Kreditfabriken – alles untragbar, findet Bsirske.

In den Zwillingstürmen der Deutschen Bank in Frankfurt findet man dagegen eher, dass hier alte Besitzstände und Beamtenherrlichkeit verteidigt werden. Das interessiert Bsirske bei seinem Heimspiel aber nur wenig, braun gebrannt und gut gelaunt legt er noch nach: „Eine Lohnsenkung um 30 Prozent sucht seinesgleichen“ und  „Die Konfliktkosten für die Deutsche Bank werden deutlich höher sein als das, was sie durchsetzen wollen.“ Und dann, am Siedepunkt noch die Drohung: „Wir werden den Arbeitskampf vorbereiten.“

Die Deutsche Bank und auch die Postbank halten sich mit Äußerungen zum Konflikt zurück, man verweist auf die Verhandlungen, die im Oktober richtig in Fahrt kommen sollen. Erschrocken ist jedenfalls keiner. „Man muss anfangs laut sein, am Ende steht der Kompromiss“, heißt es im Umfeld der Bank. Das wird wohl so kommen. Aber irgendwie ist auch allen Beteiligten klar: die ruhigen Tage bei der Postbank sind wohl vorbei. 

Kommentare zu " Deutsche Bank: Schrille Misstöne bei Postbank-Integration"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ihr Kommentar:

    Was da geschehen ist, ist ein mehrfacher Skandal:

    (1)Die Lehre aus der Finanzkrise 1.0 war doch, systemrelevante Banken zu verkleinern. Hier ist aber das Gegenteil geschehen: Ackermann hat alle alle mit seinem Charme bestochen, die es hätten verhindern müssen: die Kanzlerin, der Finanzminister,die BaFin-Sanio, Kartellamt, Gewerkschaft-Bsirske, Politiker und ihre Medien.
    (2) Eine weitere Lehre war die Verbindung von Investment- und Geschäftsbank unter einem Dach. Als Lehre aus Weltwirtschaftkrise 1929/30 war der Glass-Seagall-Act1933 geschaffen worden, das Trennbankengesetz, das im Rahmen des Neoliberalismus wieder aufhoben wurde. Ein ähnliches hin und her wie bei Kernenergie.
    (3)Ackermann kann nioht nur mit meinen Spareinlagen spekulieren, er kann auch billig Geld schöpfen.

    So sah ich mich gezwungen, meine Beziehung nach 54 Jahren (Postscheckkonto) zu beenden.

  • Die DB war ja auch auf die Spareinlagen der Postbank Kunden scharf. In Zeiten, wo sich die Banken unter einander kein Geld leihen, ist es gut, wenn eine Bank hohe Kundeneinlagen hat. Das Geld muss man sich eben nicht leihen.

  • Da bin ich in den 90er Jahren extra zur Postbank gegangen, weil ja die Dt. Bank diese unangenehmen Kleinkunden nicht haben wollte, nu laibt sich diese miese Bank die Postbank ein.
    Allmählich muss ich wohlo wieder ne neue Bank suchen.
    Die 30 % Lohndumping:
    Tja, hoffentlich machen das bald noch viele mehr.
    Geringere Lohnsteuern, geringere Rente, Altersarmut.
    Da bleibt dann leider gar kein (Steuer-)Geld, um die Dt. Bank zu retten, wenn demnächst wieder die Finanzkrise losbricht...
    Im Gegenteil, dann werden die noch gutbezahlten Angestellten endlich wach und solidarisieren sich, um die die das ausgeheckt haben, zur Rechenschaft zu ziehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%